Mi, 19. September 2018

Edel-Pritsche

26.10.2016 16:27

Gestatten, X-Klasse: Daimler baut jetzt Pick-ups

Pick-ups waren bislang mehr Arbeitstiere als Lifestyle-Laster. Doch weltweit schätzen immer mehr Kunden die Vielseitigkeit der kleinen Pritschen-Transporter. Jetzt will auch Mercedes in diesem Segment mitmischen - mit der X-Klasse.

Wer heute auf US-Highways unterwegs ist, dem wird schnell und unmissverständlich vor Augen geführt: Pick-ups sind die Lieblinge der Nation. Seit Jahrzehnten gehören sie zum festen Straßenbild. Ähnlich, nur eine Nummer kleiner, sieht es in Südamerika, Südafrika, Asien und Australien aus. Pick-ups zählen zu den nützlichsten Fahrzeugen überhaupt. Transportiert wird so gut wie alles. Wo in alten Lassie-Filmen noch Heuballen und Holzfässer auf der Pritsche lagen, fahren heute auch Jetski, Quads und Cross-Motorräder mit.

Ganz anders sieht die Welt hierzulande aus. Hier zählen die Pick-ups eher zu den Ausnahmeerscheinungen. Die größte Zielgruppe sind berufliche Nutzer. Pick-ups werden als Arbeitsgerät für Gewerbe, Handwerk, Forstwirtschaft und Kommunen eingesetzt.

All dies soll und wird sich ändern, glaubt zumindest Dr. Marion Friese. "Das Segment der Mid-size-Pickups wird weltweit bis 2025 um 39 Prozent wachsen, weil diese Fahrzeuge keine reinen Arbeitstiere mehr sein werden, sondern auch den Freizeit- und Lifestyle-Anspruch abdecken", sagt die Leiterin Marketing Mercedes-Benz Vans.

Die Stuttgarter wollen hier ab Ende 2017 die Premium-Rolle spielen und das Segment kräftig aufmischen. Die X-Klasse, so der Name des neuen Lasters, tritt dann gegen Mitbewerber wie Mitsubishi L200, Toyota Hilux, Nissan Navara, VW Amarok, Ford Ranger, Fiat Fullback und bald auch Renault Alaskan an. Nur mit dem Unterschied: Man will der "Mercedes unter den Pick-ups" sein. Heißt: mehr Komfort, mehr Qualität, mehr Sicherheit, mehr Luxus. Ohne jedoch dabei die traditionellen Tugenden zu verlieren, die einen Pick-up bislang ausmachten: hart im Nehmen, volle Geländetauglichkeit, Robustheit, hohe Anhängelast. 3,5 Tonnen darf die X-Klasse ziehen, über eine Tonne laden. 60 Getränkekisten passten auf die Pritsche oder auch vier Kubikmeter Kaminholz.

Ein heimlicher Nissan Navara
Technisch ist der Mercedes Pickup mit dem Nissan Navara verwandt, auch wenn man darüber in Stuttgart nicht gerne spricht. "Das Design, die Karosserie, das Interieur, der Antrieb, die Achsen, alles ist Mercedes-Benz", sagt Projektleiter Dr. Klaus Benzinger. Nur der Leiterrahmen bildet eine gemeinsame Basis. Zudem lässt Mercedes die X-Klasse bei Nissan in Barcelona zusammen mit dem Navara produzieren. Die Kooperation rührt aus der Partnerschaft von Daimler mit Renault/Nissan und soll vor allem auf der Kostenseite Synergie-Effekte erzielen.

Ausstatten wird Mercedes seinen Lifestyle-Laster zunächst mit einem Dreiliter-V6-Diesel, permanentem Allradantrieb, Kriechgang und zwei Differenzialsperren. Über Leistungen spricht Benzinger noch nicht. Ausgehen sollte man jedoch von mindestens 260 PS und 700 Nm. Genug, um den Bootsanhänger aus dem Wasser oder den Pferde-Trailer von der Wiese zu ziehen. Es wird die X-Klasse aber auch als Vierzylinder-Diesel mit Nissan-Antrieb geben. Für einige außereuropäische Märkte wird Mercedes sogar einen Vierzylinder-Benziner anbieten.

Im Innenraum gleicht die X-Klasse einem Luxus-Laster. Freier Bildschirm, MMI-Bedienung aus der C-Klasse, Multifunktionslenkrad, Chrom, Aluminium, Carbon und Leder. Ganz klar, hier sollen neue Kunden angesprochen werden. Kunden, die jetzt vielleicht einen SUV fahren oder einen Kombi, und die es cooler finden, zukünftig mit einem Pick-up aufzukreuzen, selbst wenn sie mitten in der Großstadt wohnen. In der Aufpreisliste stehen zudem diverse Zubehör-Features zur Individualisierung. Das Segment ist prädestiniert fürs sogenannte "Customizing". Dazu zählen fette Chrom-Überrollbügel, dicke Räder und coole Camping-Kabinen.

Auch für Preise ist es noch viel zu früh. Und sie sind schwer vergleichbar. Denn die X-Klasse gibt es vorerst nur als Doppelkabine. "Wir werden aber wettbewerbsfähige Preise haben", sagt Marketing-Frau Marion Friese", schließlich sind wir der neue Mitspieler im Segment. Zur Orientierung: Der VW Amarok beginnt bei gut 41.000 Euro.

Die X-Klasse ist nicht der erste Pick-up von Mercedes. Bereits in den 50er-Jahren werkelten Karosseriebauer wie "Binz" und " Lueg" an Pkws herum und modifizierten sie zum Kleinlaster. Ab 1972 liefen in Argentinien sogar offiziell Pick-ups auf Basis des Strich-8 (intern W115) von den Bändern. Das Modell 220 D hörte auf den wohlklingenden Namen sich "La pickup". Einige Exemplare schafften es sogar bis nach Europa. Die Eisenbahngesellschaft Stuttgart SSB importierte den Stich-8-Laster nach Deutschland. Auch die berühmte G-Klasse gab es Pick-up-Derivat.

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