Fr, 20. Juli 2018

Autonom-Dilemma

17.10.2016 12:10

Im Zweifel tötet Mercedes … ja, wen eigentlich?

Lieber in die Menschenmenge rasen oder kurzerhand gegen die Wand? Solche und ähnliche Fragen könnten sich vom Computer gesteuerte Autos künftig durchaus stellen. Laut einem Medienbericht sollte Daimler darauf bereits eine Antwort gefunden haben. Das Unternehmen dementiert dies allerdings.

Ein autonomes Auto sollte bei einem Unfall im Zweifel immer den Fahrer schützen. Diese Ansicht vertritt Christoph von Hugo, Abteilungsleiter für aktive Sicherheit bei Daimler, gegenüber dem US-Magazin "Car and Driver". Die Schwaben geben damit als erster Hersteller eine klare Antwort auf eines der wichtigsten ethischen Probleme bei künftigen autonom fahrenden Autos: Sollen sie im Falle einer unvermeidbaren Kollision die eigenen Insassen oder den Unfallgegner vor Schaden bewahren?

Von Hugo hält derartige Dilemma-Situationen prinzipiell für sehr unwahrscheinlich, da autonome Fahrzeuge höchst selten in Unfälle verwickelt sein werden. Sollte es trotzdem zu einer Kollision kommen, bestünde für die Fahrzeuge die größte Chance darin, das Leben des Fahrers zu retten. Auch wenn man das Auto opfere, wisse man in einer derart komplexen Situation noch nicht, was mit den Menschen passiere, die man ursprünglich gerettet habe, so von Hugo. Durch die Folgen eines unkontrollierten Ausweichmanövers könnten die Geretteten nachträglich dennoch ums Leben kommen.

Daimler: "Aussage stimmt so nicht"
Auf Nachfrage äußert sich Daimler allerdings deutlich zurückhaltender und gibt zu bedenken, dass hier eine Aussage falsch wiedergeben werde. Für das Unternehmen stehe fest, dass weder Programmierer noch automatisierten Systemen eine Abwägung über Menschenleben zustehe, eine solche Abwägung seit sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern auch gar nicht zulässig. Der Fokus der Entwicklung liege zudem ja gerade darauf, solche Dilemma-Situationen gänzlich zu vermeiden. Man habe daher auch keinesfalls schon eine Entscheidung etwa zugunsten der Fahrzeuginsassen getroffen. Vielmehr werde man als Hersteller das umsetzen, was der jeweilige rechtliche Rahmen und die gesellschaftliche Akzeptanz gestatten. Fakt ist aber auch: Es kann (und wird wohl auch) Situationen geben, in denen ein Fahrzeug das autonom unterwegs ist, eine Leben rettet und zugleich ein anderes nimmt - auch wenn Daimler das in deraktellen Stellungnahme ausklammert.

Noch herrscht völlige Unklarheit
Die Diskussion um die Moral autonomer Autos nimmt aktuell Fahrt auf. Seit Ende September beschäftigt sich unter anderem eine Ethik-Kommission der deutschen Bundesregierung unter der Leitung des ehemaligen Verfassungsrichters Udo Di Fabio mit Fragen rund um automatisierte Fahrsysteme. Das Gremium will unter anderem Leitlinien für den Einsatz von Autopiloten festlegen, die den Menschen in seiner körperlichen Integrität und als selbstbestimmte Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellen. Klärungsbedarf gibt es auch in einer grundsätzlichen Frage. Denn bislang ist auch unklar, wer für die Programmierung der Entscheidungsfindung eines Autos überhaupt zuständig wäre. Außer dem Hersteller könnten das der Fahrer oder auch der Gesetzgeber sein.

Ethische Fragen haben bei autonomen Autos große Relevanz, auch wenn sie auf den ersten Blick konstruiert erscheinen mögen. Selbst wenn autonome Autos wohl extrem selten vor Entscheidungen auf Leben und Tod gestellt werden, steigt die Wahrscheinlichkeit eines derartigen Falles mit der Zahl der Fahrzeuge. Und die wird langfristig weltweit in die zig Millionen gehen.

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