Fr, 16. November 2018

Mithilfe von Twitter

12.10.2016 12:12

Analysefirma verpfiff Demonstranten an US-Polizei

Facebook und Twitter haben ihre Zusammenarbeit mit einer Online-Analysefirma eingeschränkt, die der Polizei bei der Ortung von Demonstranten geholfen haben soll. Als Konsequenz aus Vorwürfen der US-Bürgerrechtsorganisation ACLU werde der kommerzielle Zugang der Analysefirma Geofeedia zu Twitter-Daten sofort gesperrt, teilte der Kurznachrichtendienst am Dienstag mit. Facebook erklärte, es habe Geofeedia den Zugang zu seiner Entwicklerplattform gesperrt. Der Dienst habe mit seinem Vorgehen die Nutzungsbedingungen von Facebook verletzt, erklärte ein Sprecher des Netzwerks.

Laut der Bürgerrechtsorganisation ACLU belegen Dokumente, dass Twitter, Facebook und dessen Tochter, der Bilderdienst Instagram, Geofeedia Zugang zu Daten ihrer Nutzer gewährten. Geofeedia, das die Auswertung sozialer Netzwerke als Dienstleistung anbietet, habe den Sicherheitsbehörden auf Grundlage dieser Daten Informationen zur Überwachung politischer Aktivisten und Demonstranten verkauft.

Protestbewegungen überwacht
ACLU erklärte, es sei eine gesicherte Tatsache, dass die Ordnungskräfte im kalifornischen Oakland und in der Großstadt Baltimore im Bundesstaat Maryland Geofeedia-Analysen genutzt hätten, "um Protestbewegungen zu überwachen". In von ACLU veröffentlichten internen Dokumenten brüstete sich Geofeedia damit, "Ferguson/Mike Brown auf nationaler Ebene mit sehr großem Erfolg abgedeckt" zu haben.

In Ferguson im Bundesstaat Missouri war im August 2014 der unbewaffnete 18-jährige Schwarze Michael Brown von einem weißen Polizisten erschossen worden. Der Fall hatte landesweite Proteste gegen Rassismus und exzessive Polizeigewalt ausgelöst.

Geofeedia: "Schützen Bürgerrechte und -freiheiten"
Geofeedia hob in einer Mitteilung hervor, dass sein Dienst der Öffentlichkeit nutze und dabei "Bürgerrechte und -freiheiten schützt". Die Analysen des Unternehmens hätten bereits bei der Bewältigung von Notsituationen geholfen, etwa nach dem Hurrikan "Matthew" in der vergangenen Woche, versicherte Firmenchef Phil Harris.

Geofeedia habe "klare Grundsätze und Richtlinien, um die unangemessene Nutzung unserer Software zu verhindern". So dürften die Kunden "nicht versuchen, Einzelpersonen unangemessen auf Grundlage der Rasse, Ethnie, Religion, sexuellen Orientierung oder politischen Überzeugungen und anderer Faktoren zu identifizieren", erklärte Harris.

Bürgerrechtler fordern mehr Schutz für Nutzer
Er räumte gleichzeitig ein, angesichts der ständigen Veränderungen der digitalen Technologie müsse Geofeedia weiterhin an Vorkehrungen zum Schutz der Bürgerrechte arbeiten und wolle dabei auch ACLU einbeziehen.

Die Bürgerrechtler riefen die sozialen Netzwerke indes dazu auf, "mehr Maßnahmen" zu ergreifen für den Schutz von "Nutzern jeglicher Couleur, die sich in der politischen und sozialen Debatte engagieren".

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