Mo, 25. Juni 2018

Echt, oder?

09.10.2016 21:06

Mercedes C 220d: Coupé zum Umgewöhnen

In Zeiten wie diesen ist man froh, wenn ein Coupé - seiner ursprünglichen Definition zufolge - tatsächlich nur zwei Türen hat. Das trifft beim aktuellen C-Coupé zweifellos zu, und es stellt die Optik des Vorgängers mehr als in den Schatten. Vom (un)seligen CLC ganz zu schweigen. Und doch muss man im Detail unter Umständen umdenken.

Coupés sollen sportlich sein, also auf jeden Fall einen kräftigen Benziner unter der Haube haben. Mein Testwagen ist ein Mercedes C 220d Coupé, wird also vom bekannten 2,1-Liter-Turbodiesel angetrieben.

Ja, er ist kräftig. Kräftiger als vieles, was früher als Coupé bejubelt wurde. Immerhin 170 PS und satte 400 Nm Drehmoment, die über die Hinterräder herfallen (Heckantrieb sollte bei einem Coupé eigentlich auch sein). Okay, die müssen auch 1540 kg Leergewicht in Schwung bringen (45 kg mehr als die Limousine), es reicht aber für saubere 7,5 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h. Ob das zusammenpasst, ist eine Glaubensfrage, ähnlich wie bei Cabrios. Oder sagen wir Geschmackssache.

Eines sticht an dem Motor aber heraus: Er ist hammerartig sparsam! 5,6 Liter Testverbrauch sind aller Ehren wert.

Das Sportliche kann man sich in der Aufpreisliste dazukonfigurieren, etwa mit dem 15 mm tiefergelegten Sportfahrwerk samt Sport-Direktlenkung. Auch der Testwagen ist tiefergelegt, hat aber das "Agility Control"-Fahrwerk mit selektivem Dämpfungssystem, das nicht unsportlich ist, aber dann doch eher mercedestypisch komfortabel. Auch die Komfort-Direktlenkung kommt mehr dem Genießer als dem Dynamiker entgegen. Wenn das Fahrwerk alle Stückln spielen soll, klickt man im Konfigurator die Luftfederung an. Das bietet keiner der Konkurrenten an.

C für ein S vormachen
Aber bleiben wir noch bei der Optik. Das Heck erinnert an das Coupé der S-Klasse, wie überhaupt die kleineren Benze an immer mehr zu Miniaturausgaben ihrer großen Brüder werden. Das macht sie optisch wertvoller und die S-Klasse-Eleganz in der Linienführung und den Heckleuchten schadet dem Einstiegscoupé sicher nicht. Der Diffusor ist vielleicht etwas übertrieben, aber wen der stört, der muss ja nicht das AMG-Paket bestellen.

Ein Design-Fauxpas zieht sich inzwischen durch alle Mercedes-Baureihen: Bei den Dieselmotorisierungen ist das, was nach Auspuff aussieht, weder ein Auspuff-Endrohr noch eine Auspuffblende, sondern eine innen verschlossene Auspuff-Attrappe! Aber das scheint die Kunden nicht zu stören. Wenn man nicht so genau hinschaut (und vielleicht sogar den echten Auspuff entdeckt, der unter dem Fahrzeugboden versteckt ist), sieht es ja zweifelsohne gut aus.

Eine Option besser weglassen
Was man nicht mitbestellen sollte, ist die dunkle Tönung für die hinteren Seitenscheiben - das sieht zwar bei Kombis meist gut aus, konterkariert aber jede Coupé-Optik. Schließlich sollten hier vordere und hintere Seitenscheibe optisch eher zu einer einzigen verschmelzen, so wie das früher war, als dank fehlender B-Säule eine große Öffnung entstand, wenn die Fenster heruntergekurbelt waren.

Im Innenraum geht es ziemlich ähnlich zu wie in der Limousine - das ist absolut kein Fehler, eleganter kann es in der Klasse eigentlich nicht zugehen. Besser bedienbar allerdings schon, wirklich übersichtlich ist das alles nicht. Und das langsame Navigationssystem wirkt wie ein einprogrammierter Fremdkörper. Allerdings kann es etwas ganz Tolles: Wie in der Limousine nutzt es die Satellitennavigation zur Tunnelerkennung - bei der Einfahrt schließt es automatisch die Umluftklappe und öffnet sie nach dem Verlassen des Tunnels wieder.

Beim Platz ist das Coupé ganz Coupé
Wer ein Coupé kauft, braucht keinen Platz auf der Rückbank. Und das ist gut so, denn trotz der mit 4,68 Meter identischen Außenlänge wie die Limousine geht es bauformgemäß enger zu, wozu natürlich die flache Dachlinie und die 4 cm geringere Höhe beiträgt. Ein- und Aussteigen mag man höchstens den Enkelkindern zumuten.

Unterm Strich
Wie üblich bezahlt man die sportliche Eleganz des Coupés also mit Einschränkungen bei Platz und Nutzbarkeit, aber immerhin nur mit einem geringen Aufpreis. Beim Basis-Coupé 220d sind es nicht einmal 500 Euro. Ab 41.350 Euro ist es zu haben, der Testwagen kommt inklusive Extras auf 59.240 Euro. Aber wie gesagt: 500 Euro für die getönten Scheiben sollte man sich ohnehin sparen…

Warum?

Elegante Erscheinung

Warum nicht?

Die üblichen Coupé-Probleme

Oder vielleicht …

… Audi A5, Lexus RC

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