Spielbergtour

Per Yamaha zur MotoGP – ich fühle mich wie Rossi

Motor
17.08.2016 20:46

Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube: Ja, ich bin Valentino-Rossi-Fan und nein, da bin ich nicht neutral. Ist doch auch okay, schließlich bin ich bin kein Sportreporter, sondern Motorjournalist. Und so habe ich mir extra die Yamaha MT-10 besorgt, um zur MotoGP nach Spielberg zu pilgern, also das Naked Bike, das mit Rossis Rakete, der YZF-M1, am engsten verwandt ist.

Eine Woche vorher war ich noch mit der noch näheren Verwandten, der YZF-R1, (und auch mit anderen Bikes) selbst auf dem Red Bull Ring unterwegs, aber für den Stau bei An- und Abreise wollte ich etwas Wendigeres. Da ist die MT-10 genau die Richtige: Mörderleistung, böses G'schau und trotzdem verleitet sie mich auf der Autobahn nicht ständig dazu, der Exekutive meinen Führerschein nachzuschmeißen. Schon die Sitzposition ist mehr Supermoto als Superbike.

Also mit 160 PS auf den Spielberg - wo gefühlt 160 dB herrschen! Was für eine Stimmung, was für ein Rennwochenende - die MotoGP ist zurück in Österreich und das ist ein Grund zu feiern! Der Motorensound (unbedingt Ohropax mitnehmen!), die Begeisterung der Massen und überhaupt der Event selbst blasen mich schlicht weg. Bei Traumwetter sorgen insgesamt fast 220.000 Besucher für eine Traumkulisse im Rennstrecken-Hügel-Idyll. Allein 95.000 am Rennsonntag.

Die Stimmung ist hervorragend, auf den Rängen wie auch im Fahrerlager. Hier schieben sich Menschenmassen durch, die immer wieder geteilt werden wie das Rote Meer - allerdings nicht von Moses, sondern von Scootern, die hier durchzischen. Ein Wunder, dass da nichts passiert.

Und wenn - der allgegenwärtige Doktor wird eher nicht helfen, der ist naturgemäß mehr mit sich selbst beschäftigt. Um ihn, also um Valentino Rossi, scheint sich die Welt zu drehen. An den Trucks vor der Yamaha-Box harren die Fans in Trauben zum Teil stundenlang aus, um ein Autogramm oder die moderne Form davon, ein Selfie, zu ergattern.

Beim Warten fragt ein vielleicht vierjähriger Bub auf den Schultern vom Papa "sind der Valentino Rossi und der Lorenzo gute Freunde? Sind die Teamkollegen?" Ja, wie erklärt man das? "Teamkollegen sind sie schon, Freunde nicht." Da hat er Recht, der Papa.

Aber wie auch die anderen Fahrer profitiert auch Jorge von der Popularität des Dottore. Man mag nicht dran denken, wie es weitergeht, wenn er mal aufhört. Die Tribünen sind hauptsächlich gelb gefärbt, das VR46-Merchandising funktioniert bestens.

Und was ist das für ein Jubel, als Vale im Qualifying überraschend den zweiten Startplatz herausfährt, zwischen den hier überlegenen Ducatis. Er, der Einzige, der beim letzten Gastspiel der Motorrad-Königsklasse auch schon dabei war! Die Fans träumen …

… und wachen erst am Sonntagnachmittag wieder auf, als Valentino Rossi die Zielflagge als Vierter sieht. Hinter den Ducatis - und hinter seinem Teamkollegen und nicht besten Freund. Dabei hatte er sich - nach schlechtem Start als Fünfter in Kurve eins - nach der ersten Runde die Start/Ziel-Gerade sogar als Führender passiert.

Doch am Ende reicht es nicht für das Podium und Vale sitzt abgekämpft in seiner Box, während sich Iannone, Dovizioso und Lorenzo in der Champagner-Dusche feiern lassen. In dem Moment tut er mir richtig leid. Wenigstens ist in der WM-Gesamtwertung der Abstand auf Marquez (wurde Fünfter) auf 57 Punkte gesunken. Autsch.

Für mich war es trotzdem ein unfassbar cooles Rennwochenende. Hammer-Stimmung, mörder Fights auf der Rennstrecke, wobei da die kleinen Klassen sogar noch spektakulärer waren als die MotoGP. Die Moto3-Fahrer mit ihren 250er-Mopeds, Eintöpfen mit 50 PS, besorgen es sich ordentlich. Auch die Moto2 mit 140 PS bietet Rennen, die jeden Autorennsport in den Schatten stellen. Vergleich mit der Formel 1? Die Stimmung ist bei den Bikes eine andere. Alles wirkt irgendwie direkter, echter, weniger "g'spritzt". Außerdem klingt es besser. In allen Klassen.

Also nächstes Jahr wieder. Dann vielleicht auf der Valentino-Rossi-Tribüne, die es dann geben wird. Um 125 Euro bekommt man ein Wochenend-Ticket sowie Fahne und Mütze.

Auf jeden Fall komme ich wieder mit dem Motorrad, damit bin ich am schnellsten da - und wieder weg. Und ich fühle mich ein bisschen wie Vale.

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