Sa, 25. Mai 2019
17.01.2016 12:46

Trend zum Rückruf

Studie beklagt mangelnde Qualität von Neuwagen

Die globalen Automobilhersteller haben 2015 wieder deutlich mehr Autos aufgrund von Sicherheitsmängeln zurückgerufen als verkauft. Im Referenzmarkt USA wurde nach dem Negativ-Rekord 2014 (62,7 Millionen) mit mehr als 45 Millionen Autos 2015 die zweihöchste Rückrufmenge erreicht. Die Wissenschaftler des Center of Automotive Management (CAM) der FH Bergisch-Gladbach attestiert der Branche ein bedenkliches Qualitätsniveau.

Für die Studie des CAM dienen traditionell die USA als Referenzmarkt. Der US-Markt ist aufgrund seiner Absatzgröße, der relativ scharfen Sicherheitsrichtlinien und vor allem des hohen Klagerisikos nach Meinung der Wissenschaftler ein aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität der Automobilkonzerne.

Volkswagen ist noch gar nicht berücksichtigt
Die meisten Autos zurück in die Werkstätten beordern mussten demnach Honda, Toyota sowie Fiat Chrysler - alleine bei Honda waren es über zehn Millionen. Deutsche Hersteller waren vergleichsweise wenig betroffen: BMW rief rund 680.000 Autos zurück, VW rund 670.000 und Daimler etwa 360.000. Die rund 580.000 Diesel, die VW aufgrund des Abgasskandals wohl zurückrufen muss, sind noch nicht mitgezählt.

Viel mehr Fahrzeuge zurückgerufen als ausgeliefert
Die Rückrufquote, die die Zahl der zurückgerufenen Fahrzeuge an den Neuzulassungen des Jahres ausdrückt, erreicht 2015 in den USA 262 Prozent: Damit waren mehr als zweieinhalb Mal mehr Fahrzeuge von den Rückrufen betroffen als im gleichen Zeitraum im US-Markt verkauft wurden. Die Rückrufquote lag bereits in sieben der letzten zehn Jahre über 100 Prozent - ein Großteil der betroffenen zurückgerufenen Modelle bezieht sich nach Angaben des CAM daher auf weiter zurückliegende Baujahre.

Mehr als 60 Prozent der sicherheitsrelevanten Produktmängel betreffen 2015 den Insassenschutz. Ein Teil der Rückrufe bezieht sich immer noch auf fehlerhafte Airbags, die vom japanischen Zulieferer Takata produziert wurden. Dieser Skandal löste allerdings laut Studie eine Art Dominoeffekt aus, der zu einer grundsätzlichen Überprüfung der Insassenschutzeinrichtungen führte, die weitere Mängel zum Vorschein brachte.

"Wenn 13 von 16 untersuchten Herstellern 2014 wegen sicherheitstechnischer Mängel mehr Fahrzeuge zurückrufen müssen als diese im gleichen Zeitraum verkauft haben, ist das insgesamt ein bedenkliches Qualitätsniveau", so Studienleiter Stefan Bratzel. Ein Fazit: Zur kurzfristigen Gewinnmaximierung betrieben manche Hersteller eher reaktive Qualitätsmanagementsysteme mit nachsorgender Mängelbeseitigung, teilweise unter billigender Inkaufnahme von Unfällen.

Der Trend zu steigenden Rückrufen ist ein globaler, der seit Jahren anhält. 2013 wurden nach CAM-Berechnungen in den USA 20,5 Millionen Pkw zurückgerufen, 2012 waren es noch 15,5 Millionen. Durch die zunehmende Bedeutung von Software im Fahrzeug steigen zudem in der Zukunft in erheblichem Maße die Risiken, warnen die Wissenschaftler. Nicht nur für neue Fahrzeugfunktionen, auch zur Verbesserung der Produktqualität müssten Hersteller künftig - ähnlich wie Internetkonzerne - Over-the-Air-Updates durchführen, also direkte Software-Eingriffe im Auto über eine mobile Internetverbindung und damit ohne Werkstattbesuch vornehmen.

Plattformprinzip fördert Riesen-Rückrufe
Insgesamt sei das Rückrufrisiko für die Autobauer deutlich gestiegen, heißt es in der CAM-Analyse. Grund dafür seien gemeinsame Zulieferer sowie marken- und modellübergreifende Plattformen. Gleichzeitig würden sicherheitsrelevante Mängel an Fahrzeugen in den wichtigen Automobilmärkten immer weniger akzeptiert, gerade auch weil Kunden "über länderübergreifende Internet-Blogs und Newsgroups" sehr gut informiert seien.

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