Sesam-Rennsemmel

Honda Accord: Sesam öffne dich, aber schnell!

Motor
14.01.2009 14:11
Wie das „Knight Rider“-Auto K.I.T.T. kommt der neue Honda Civic daher, mit dem die Japaner die Auto-Fans in Verzücken und die Branche in Erstaunen versetzt hat. Unser Testwagen Accord Tourer ist zwei Nummern größer, und auch er zeigt, dass man bei Honda etwas vom Autobauen versteht. Dabei ist der Accord auffällig unauffällig. Er kann viel. Und das richtig gut.

Ein bisschen spacig sieht er aus, wenn auch nicht annähernd so, wie der kleine Bruder. Schwarz getönte Scheiben ab der B-Säule lenken neugierige Blicke ab, sie treffen auf elegant fließende Linien, einen Dachspoiler am Heck, dafür auf keinen hinteren Stoßfänger. Hat was von einem Karmann Ghia mit abgeschraubter Stoßstange. 

Piep, piep, PIEP!!!
Das Einzige, was tatsächlich stört, fällt schon beim Einsteigen auf, bzw. sobald der Zündschlüssel steckt. Aus dem Armaturenbrett kommt immer irgendwo ein Piepsen: Schlüssel steckt, Anschnallen, Licht an. Okay, Mama hat’s auch immer gut gemeint, trotzdem nerven Ratschläge und Ermahnungen bisweilen. 

Knackig zackig
Ist man aber erst mal angeschnallt und hat die Türe geschlossen, kann man sich beruhigt diesem feinen Stück Auto widmen. Der 2,4-Liter-Vierzylinder – klassisch mit dem (erfreulich kleinen) Zündschlüssel gestartet - schnurrt leise und zeigt schnell, dass er 190 PS auf die Straße schickt. Das Sechsganggetriebe schaltet sich knackig und ist perfekt gestuft. Dieser Kombi ist kein einfacher Lastwagen, er macht richtig Spaß. 8,4 Sekunden gehen in Ordnung für einen 1,6-Tonner, 220 km/h läuft er, wenn losgelassen. In Kurven liegt der Accord herrlich, die Sportlichkeit geht allerdings ein wenig zu Lasten des Komforts. 

Automobiles Eigenleben
Das Multifunktions-Lederlenkrad ist ein wenig hart und dünn geraten, daher liegt es nicht ganz optimal in der Hand. Die Lenkung an sich ist dagegen angenehm direkt, gibt gute Rückmeldungen von der Straße, und trotz der Leistung muss man nicht mit lästigem Gezerre der Antriebsräder kämpfen. Geradezu leichtfüßig eilt dieser Spaßkombi über die Straßen. 

Das macht er sogar gewissermaßen selbständig. Die aufpreispflichtige „Adaptive Cruise Control“ ist ein Tempomat, der automatisch den Abstand zum Vordermann hält. Das System funktioniert perfekt und ist auch noch einfach zu bedienen. Per Radar wird der Abstand zum voraus fahrenden Fahrzeug gemessen, fährt dieses schneller oder langsamer, beschleunigt der Accord oder bremst entsprechend. Nach oben wird das Tempo von der Einstellung des Fahrers begrenzt (wie bei jedem Tempomat), unten ist ab 25 km/h Schluss. Der gewünschte Abstand lässt sich in drei Stufen vorbestimmen.

Auch alles andere ist einfach und übersichtlich zu bedienen. Das optionale Navi hat einen Touchscreen, der auch andere Funktionen steuert. Besonders übersichtlich ist die Radiofunktion. Ungewöhnlich ist lediglich, dass sich der Lautstärkeregler rechts (also auf der Beifahrerseite) und der Klangregler links befindet. 

Ali Babas Wunschauto
Bei allem Spaß: Der Accord Tourer ist natürlich auch ein Kombi und hat deshalb auch Transportaufgaben zu verrichten, was er mit Bravour erledigt. 1.657 Liter Volumen bis unters Dach (bzw. 921 Liter bis Fensterunterkante, Kofferraum 576 Liter) reichen für Ali Babas Schätze, und der Platz ist auch noch erstklassig nutzbar. Hier kann sich manch Hersteller eine Scheibe abschneiden. Einen Hebel an der Rücklehne gedrückt, schon klappt die Kopfstütze um und die Lehne lässt sich nach vorn klappen. Die Sitzfläche stellt sich automatisch mit auf. Heraus kommt eine ebene Ladefläche ohne störende Radhäuser. Honda ist bekannt dafür, Platz sparende Lösungen zu entwickeln. Das gilt für Motoren und Getriebe – und eben auch für die Hinterachse.  

Sesam, öffne dich!
An der Heckklappe muss sich niemand die Finger schmutzig machen, sie öffnet und schließt – falls gewünscht – auf Knopfdruck am Zündschlüssel oder am Fahrerplatz - serienmäßig. Wer voll bepackt vom Einkaufen kommt, braucht seine Last also nicht abstellen, wenn er den Schlüssel schon in der Hand hat. Das Öffnen bzw. Schließen dauert rund 5 bis 10 Sekunden.  

Der Einstieg in das Accord-Tourer-Vergnügen beginnt bei 27.900 Euro für den 2-Liter-Benziner. Die Topversion 2.4 i Executive kommt auf 38.735,-- Euro. Plus 2.979,-- für Navi und Touchscreen. 

Fazit:
Der Accord Tourer hat alles, kann alles gut und macht tatsächlich Spaß. Was ihm fehlt ist Ausstrahlung. Stattdessen gibt es Understatement und Qualität.

8 von 10 Sesamkörnern.

Stephan Schätzl

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