"V7", allein der Name ist geschichtsträchtig. Mitte der 60er-Jahre kam sie heraus, 1974 war sie eines der ersten Motorräder mit Scheibenbremsen überhaupt. Schon damals hatte sie den Zweizylinder-V-Motor, dessen Zylinder seitlich in die Höhe ragen (und der ursprünglich für den Fiat 500 konstruiert worden war). Von einem Retro-Bike zu sprechen, wäre also schon fast blasphemisch. Auch wenn die heutige V7 - vor allem seit dem Update zur V7 II - viel moderner ist.
Tatsächlich fühlt es sich ein wenig so an, wie Motorrad fahren früher gewesen sein muss, bevor ganz normale Motorräder beinahe belächelt wurden, wenn sie weniger als 100 PS hatten. Die Guzzi tuckert mit 48 PS und 60 Nm (schon bei 2.600/min.) dahin, die von einer relativ unnötigen (und abschaltbaren) Traktionskontrolle im Zaum gehalten werden, die Scheibenbremsen (vorne 320 mm mit Vierkolbensattel, hinten 260 mm, zwei Kolben) verzögern ABS-geregelt und absolut kräftig genug. Untermotorisiert fühle ich mich nicht, vielleicht weil ich das ganze Jahr noch nicht so entspannt unterwegs war wie heute. Besonders beeindruckend und ein wesentlicher Teil des Vergnügens ist der herrliche Sound des 750-cm³-V2, vor allem mit dem Arrows-Auspuff, der den beiden Scrambler-Kits angehört.
Aber von vorn. Prinzipiell gibt es vier Kits für die Moto Guzzi V7. Die kann man komplett verbauen oder sich die Rosinen aus den Sets herauspicken und sich damit seine Wunsch-Moto-Guzzi ganz individuell zusammenstellen. Da die Teile nicht ganz billig sind, könnte man sich auch jedes einzeln zusammensparen und dann dranbauen, wenn man es hat. Ähnlich wie die Bausätze von Modellschiffen oder Ähnlichem, die immer wieder durchs Werbefernsehen geistern. Insgesamt gibt es 60 neue Customizing-Teile.
V7 Scrambler
Scrambler mit ihrem coolen Offroad-Look sind generell ziemlich "in". Der hochgezogene 2-in-1-Auspuff von Arrows, die Speichenfelgen mit grobstolligen Reifen, die Lenkerquerstrebe, die Offroad-Fußrasten und der lange 70er Jahre Vintage-Sattel sind Kernelemente dieses Kits, satinierte Aluminiumkomponenten wie Kotflügel und Verkleidungen ersetzen lackierte Teile. Eine Heck- und eine Seitentasche aus schwarzem Leder runden den Look ab.
V7 Legend
Eigentlich auch eine Scrambler, allerdings im Militär-Look der 40er-Jahre, angelehnt an die klassische "Alce". Stollen, Speichen und der hochgezogene 2- in-1-Auspuff auch hier; die Verkleidungsteile sind wahlweise in mattem Olivgrün oder Camouflage gehalten. Dazu gibt's unter anderem die Lenkerquerstrebe, den schwarzen Gepäckträger, den langen Sattel für zwei sowie eine Heck- und eine Seitentasche aus braunem.
V7 Dapper
Das ist ein Café Racer vom alten Schlag. Der Fahrer spiegelt sich in polierten Aluminium-Teilen, der Stummellenker zwingt ihn auf der Monositzbank in eine sportliche Sitzposition. Ein Highlight sind auch die Lenkerspiegel.
V7 Dark Rider
Soll die dunkle Seite der Moto Guzzi V7 hervorheben. Für den düsteren Stil sorgen mattschwarze Seitenabdeckungen und Kotfügel, der mattschwarze Kraftstofftank mit dem traditionellen Moto-Guzzi-Adler in Rot.
Natürlich kann man die Teile auch in der Werkstatt montieren lassen, aber Moto Guzzi spricht ganz bewusst Fans an, die sich wirklich mit ihrem Motorrad beschäftigen und mehr wollen, als nur damit von A nach B zu fahren. Lediglich die einstellbaren Bitubo-Dämpfer wird man eher dem Profi überlassen. Praktisch: Es sind alles Originalteile, es wird also keinen Ärger in Sachen Zulassung geben.
Ich bin eigentlich kein Hardcore-Schrauber, aber bei der Präsentation im Moto-Guzzi-Werk in Mandello del Lario macht es richtig Spaß, mit den Teilen umzugehen. Nicht nur weil es inzwischen wie aus Schaffeln schüttet. Es braucht dafür auch nicht so eine stylish dekorierte Werkstatt wie hier, allerdings vermittelt sie hervorragend den Flair der Marke und ich beginne den Mythos zu verstehen. Richtig klar wird alles dann beim Besuch des Werksmuseums, in dem die wichtigsten Stücke der 94-jährigen Firmengeschichte stehen. Irgendwie passt auch dazu, dass es an mehreren Stellen kräftig durchs Dach regnet, teilweise sogar auf die Exponate. Das zeigt vielleicht auch, dass man in Mandello del Lario inzwischen mehr an die Zukunft als an die Vergangenheit denkt, ohne die Tradition zu vernachlässigen.
Eine gute Kombination: bei Schönwetter fahren, bei Schlechtwetter schrauben. Dann hat ein verregneter Sommer wenigstens einen Vorteil: Das Wunsch-Motorrad wird schneller fertig.
Bilder aus dem Moto-Guzzi-Museum in Mandello del Lario
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