Rüge für Bundesländer

WWF kritisiert Abschuss-Praxis in Österreich

Österreich
15.06.2026 12:48
Porträt von krone.at
Von krone.at

Im Umgang mit Biber, Fischotter, Luchs und Wolf herrscht in Österreich noch Nachholbedarf. Die Expertinnen des WWF zeigen sich alarmiert: Kein einziges Bundesland erreichte eine gute Gesamtbewertung. Über tausend Tiere seien laut der Stiftung rechtswidrig getötet worden.

Von insgesamt 35 Bewertungen entfallen 31 auf die Kategorien „teilweise umgesetzt“ oder „mangelhaft“, so der WWF. „Geschützte Wildtiere landen in Österreich viel zu schnell auf der Abschussliste, während bei Monitoring, Prävention und Konfliktmanagement große Lücken bestehen“, sagte WWF-Expertin Sarah Layendecker. Besonders kritisch bewertete die Artenschutzorganisation die zunehmenden Tötungsfreigaben für Biber, Fischotter und Wolf. Allein von diesen drei geschützten Arten wurden seit 2020 mehr als 1.200 Tiere auf Basis von Verordnungen getötet, die aus Sicht des WWF gegen EU-Naturschutzrecht verstoßen.

„Tiere kennen keine Landesgrenzen“
Außerdem fehlten in vielen Orten zentrale Grundlagen eines wirksamen Wildtiermanagements, darunter ausreichendes Monitoring, aktuelle Managementpläne sowie Ressourcen für Prävention und Konfliktlösung. Obwohl Wildtiere „keine Landesgrenzen kennen“, werde das Management vielfach isoliert geplant und umgesetzt. „Gerade die Unterschiede zwischen den Bundesländern zeigen, warum es dringend eine bundesweit abgestimmte Strategie braucht, die das EU-Naturschutzrecht respektiert“, so Layendecker.

Positiv bewertete der WWF das Management des Seeadlers in den Bundesländern.
Positiv bewertete der WWF das Management des Seeadlers in den Bundesländern.(Bild: WWF-Sweden_Ola Jennersten)
Auch für die Tötungsfreigaben für Biber hagelte es Kritik.
Auch für die Tötungsfreigaben für Biber hagelte es Kritik.(Bild: niederwieser helmut)
Beim Wolfsmonitoring gebe es laut WWF offene Fragen.
Beim Wolfsmonitoring gebe es laut WWF offene Fragen.(Bild: Ralph Frank)

Schlechte Noten für Länder
Für fünf Bundesländer fielen die Bewertungen besonders kritisch aus, weil dort Tötungsverordnungen, fehlende Prävention und lückenhafte Managementpläne zusammenkommen. In Kärnten dürften Biber und Fischotter in hohen Kontingenten getötet werden, obwohl Präventionsmaßnahmen vielfach fehlen, beim Fischotter seien zudem potenziell grausame Conibearfallen erlaubt. In Niederösterreich bestehen laut WWF Tötungsverordnungen bei Biber, Fischotter und Wolf, zugleich gebe es offene Fragen beim Wolfsmonitoring und keine Kompensation beim Biber.

Aufholbedarf in fünf Bundesländern
Auch Oberösterreich setze trotz vorhandener Präventionsförderungen auf Entnahme- und Abschussverordnungen bei Biber, Fischotter und Wolf. In Salzburg ermöglichen Verordnungen Tötungen bei allen drei Arten. Besonders kritisch wurden anlasslose Wolfsabschüsse sowie unbegrenzte Fischotter-Entnahmen in bestimmten Teilstrecken bewertet. In der Steiermark sieht der WWF Fortschritte beim Monitoring, aber Rückschritte durch die Einstellung von Herdenschutzmaßnahmen und geplante bzw. fortgesetzte Entnahme-Verordnungen bei Biber und Fischotter. Im Burgenland, in Wien, Vorarlberg und Tirol gab es dagegen bessere Bewertungen.

Lob für Seeadler-Management
Positiv bewertete der WWF das Management des Seeadlers in Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und im Burgenland. „Wirksamer Artenschutz ist möglich, wenn Monitoring, Schutzmaßnahmen und die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Wissenschaft und Naturschutz gut funktionieren.“

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