Was als angebliche „Aussprache“ unter Jugendlichen begann, endete vergangenes Jahr in einem brutalen Messerangriff, bei dem ein 14-Jähriger nur knapp dem Tod entkam. Nun müssen sich zehn Syrer im Wiener Landesgericht verantworten. Für einen der Angeklagten geht es sogar um den Vorwurf des versuchten Mordes.
Die Gewalttaten spielten sich am 19. November des vergangenen Jahres im Wasserpark an der Neuen Donau in Wien-Floridsdorf ab. Laut Anklage habe ein junger Bursche seine verletzte Ehre wiederherstellen wollen. Er soll einen Kontrahenten zu einem Treffen bestellt haben. Was dieser jedoch nicht wusste: Am Skaterpark wartete bereits eine größere Gruppe auf ihn.
Messer von hinten in den Brustkorb gerammt
Dort eskalierte die Situation innerhalb weniger Augenblicke. Der eigentliche Gegner blieb zwar unverletzt, doch drei seiner Begleiter wurden mit Messern attackiert. Besonders erschütternd: Unter den Opfern befand sich auch dessen erst 14-jähriger Bruder. Dieser wurde laut Staatsanwaltschaft auf besonders grausame Weise angegriffen. Ein 15-jähriger Verdächtiger – er ist der jüngste auf der Anklagebank – soll ihm von hinten ein Messer in den Brustkorb gerammt haben. Anschließend soll er noch einen weiteren Stich ins Gesäß des Burschen gesetzt haben.
Der 14-Jährige brach sofort zusammen und blieb regungslos am Boden liegen. Die Verletzungen waren lebensgefährlich. Nur durch rasche medizinische Hilfe konnte Schlimmeres verhindert werden. Dem jungen Angreifer wird versuchter Mord vorgeworfen.
Zwanzig Beteiligte, zehn vor Gericht
Insgesamt sollen rund 20 Personen an dem Gewaltexzess beteiligt gewesen sein. Vor Gericht stehen jedoch nur zehn Angeklagte im Alter zwischen 15 und 27 Jahren. Allen wird schwere Körperverletzung vorgeworfen.
Die Beschuldigten weisen sämtliche Vorwürfe zurück. Keiner der zehn Angeklagten zeigte sich geständig. Auch die Verteidiger stellen am ersten Verhandlungstag die Ermittlungen infrage. Sie kritisieren die Beweislage als unzureichend und argumentieren, dass die Beschuldigten aufgrund ihres ähnlichen Aussehens nur schwer auseinanderzuhalten seien.
„Die Anklageschrift ist nur eine Theorie“
Der Verteidiger des siebenten Angeklagten sprach sogar von einer bloßen „Theorie“ der Staatsanwaltschaft. Es sei zu einer Vermischung zwischen tatsächlichen Tätern und Unbeteiligten gekommen.
Kurios auch die Darstellung des Erstangeklagten: Er habe sich lediglich mit zwei Freunden treffen wollen. „Ich habe zu viel gelernt“, erklärte er vor Gericht. Als sie im Park angekommen seien, hätten sie plötzlich Schüsse gehört und seien davongelaufen. Kurz darauf seien sie festgenommen worden.
Doch genau diese Aussagen werfen weitere Fragen auf. Im Laufe der Verhandlung ergaben sich mehrere Widersprüche. Wer tatsächlich zustach, wer nur dabei war und welche Rolle die einzelnen Beteiligten spielten, bleibt vorerst offen.
Antworten könnten die nächsten Prozesstage bringen. Dann sollen die Opfer und Zeugen aussagen. Den Angeklagten drohen lange Haftstrafen. Der Prozess ist bis zum 27. Juli anberaumt. Am 30. Juni werden die Opfer unter größten Sicherheitsvorkehrungen aussagen.
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