Nokia-Kartendienst

BMW, Audi und Daimler an Here interessiert

Web
22.04.2015 12:27
Die drei konkurrierenden Autobauer BMW, Audi und Daimler sind offenbar an Nokias Karten- und Navigationsdienst Here interessiert. Für das Geschäftsfeld interessierten sich außerdem der US-Finanzinvestor Hellman & Friedman und das soziale Netzwerk Facebook, wie das "Manager Magazin" am Mittwoch berichtete.

Hochpräzise digitale Straßenkarten sind eine der Voraussetzungen für automatisiertes Fahren - ein Thema, das die Fahrzeugindustrie zum neuen Trend erkoren hat. Daimler hatte mit Here bereits 2013 bei Testprojekten mit computergesteuerten Autos zusammengearbeitet. Inzwischen nutzen die Schwaben allerdings ihre eigenen Karten. Auch der Autozulieferer Continental kooperiert mit Here.

Top-Manager von Daimler und BMW hatten zuletzt dafür geworben, dass die gesamte Fahrzeugbranche beim automatisierten Fahren enger zusammenarbeiten solle - allerdings nur bei nicht sichtbaren Komponenten oder Techniken. Kooperationen hinter den Kulissen sind in der Autoindustrie an der Tagesordnung, weil sich so die Milliardenkosten für Entwicklung oder Einkauf drücken lassen.

BMW und Daimler beschaffen etwa gemeinsam Standard-Teile wie Gurtstraffer oder Scheibenwischer. Auch Motoren und neue Antriebstechnologien entwickeln große Autobauer gern gemeinsam oder kaufen sie sich gegenseitig ab. Rund drei Viertel eines Pkw stammen von Zulieferern. Der Kundschaft gegenüber betonen die Autohersteller indes die Einzigartigkeit ihrer jeweiligen Marke, denn für gutes Image lässt sich gerade im Premiumsegment ein ordentlicher Preisaufschlag kassieren.

Der einstige Handy-Weltmarktführer Nokia hatte vor Kurzem angekündigt, strategische Optionen für Here zu prüfen. Dem Bericht nach wird das restrukturierungsbedürftige Kartengeschäft in den Büchern mit einem Wert von zwei Milliarden Euro geführt. Die drei deutschen Autobauer seien nicht bereit gewesen, viel mehr als den Buchwert zu bezahlen, weshalb ihr ursprüngliches Angebot an Nokia schon vor dem regulären Verkaufsprozess nicht auf fruchtbaren Boden gefallen sei, hieß es. Alle beteiligten Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab.

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