Was geschah im Spital?

Baby starb vor Geburt: Ermittlungen gegen Arzt

Steiermark
28.07.2026 19:15

Eine hochschwangere Frau wurde vor knapp drei Wochen wegen schlechter Herztöne und nachlassender Kindsbewegungen ins LKH Graz überwiesen. Einige Stunden später war das Baby in ihrem Bauch tot. Der Verdacht: Die Ärzte haben zu lange gewartet. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der grob fahrlässigen Tötung laufen.

Die Vorfreude der Eltern auf das kleine Wunder, das demnächst das Licht der Welt erblicken hätte sollen, war riesengroß! Doch das Leid, das der Familie nun widerfahren ist, erscheint schier unermesslich.

Was war geschehen? Wie die „Krone“ erfahren hat, stellte eine Gynäkologin vor knapp drei Wochen bei der routinemäßigen Kardiotokografie, kurz CTG, nachlassende Herztöne und schlechter werdende Kindsbewegungen fest. Sie veranlasste das einzig Richtige und überwies die Frau sofort auf die Gynäkologie des Grazer LKH-Uniklinikums. 

Anstatt das Baby so schnell wie möglich auf die Welt zu holen, soll die werdende Mutter aber zur Überwachung auf ein Zimmer gebracht worden sein. Am nächsten Tag in der Früh wurde die Frau untersucht, und es brach eine Welt für sie zusammen – denn das Kind in ihrem Bauch war tot! 

Zitat Icon

Die Kriminalpolizei wurde von der Staatsanwaltschaft Graz mit Ermittlungen wegen des Verdachts der grob fahrlässigen Tötung beauftragt.

Christian Kroschl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz

Was der „Krone“ noch zugetragen wurde: Der Überweisungsschein der Gynäkologin soll nach dem Tod des Kindes im Krankenhaus umgeändert worden sein – ein Vorwurf, den die steirische Spitalsgesellschaft Kages klar  zurückweist.

Ermittlungen gegen Arzt und Personal
Nun stellt sich die Frage, ob die Mediziner zu lange zugewartet und dadurch das Leben des Babys riskiert haben. Um diese Frage zu klären, hat die Staatsanwaltschaft Graz nach einer anonymen Anzeige Ermittlungen wegen des Verdachts der grob fahrlässigen Tötung aufgenommen, bestätigt Sprecher Christian Kroschl auf Anfrage der „Krone“. Vorerst gegen einen Arzt und weiteres, derzeit noch unbekanntes medizinisches Personal.

Einvernahmen laufen
Die Mordgruppe des Landeskriminalamts Steiermark wurde mit den Ermittlungen beauftragt, erste Einvernahmen haben bereits stattgefunden, bestätigt auch Sabri Yorgun von der Polizei-Pressestelle. 

„Eine schicksalhafte Situation, die leider geschehen kann“
Vom Grazer LKH-Uniklinikum heißt es auf Anfrage: „Es wurde nach den geltenden medizinischen Standards gehandelt. Das Versterben eines ungeborenen Kindes im Mutterleib ist eine schicksalhafte Situation, die trotz Einhaltung aller medizinischen Regeln sowie maximal sorgfältiger Betreuung leider geschehen kann.“ Intern sei sofort eine Überprüfung des Falls eingeleitet worden, die Dokumentation habe jedenfalls ordnungsgemäß erfolgt.

Laut dem Krankenhaus zeige der Fall „trotz allem Fortschritt“ die Grenzen der Medizin auf. Man bedauere die tragische Situation und wünsche der Frau und ihrer Familie viel Kraft.

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