Tacho-Falle

Auch Fachleute erkennen manipulierte Tachos nicht

Motor
17.03.2006 14:38
Bei fünf Fahrzeugen unterschiedlicher Marken wurden in einem vom ÖAMTC durchgeführten Test die Tachostände um bis zu 40.000 Kilometer zurückgedreht. Daraufhin wurden die Autos zu Fachwerkstätten gefahren mit dem Auftrag, diese mit Verdacht auf manipulierten Kilometerstand zu überprüfen. Das Ergebnis war ernüchternd.

Keine Werkstatt war in der Lage, die Manipulation tatsächlich zu erkennen. "Egal ob digitales oder mechanisches Zählwerk, zurückgedreht werden kann alles. Und das bloße Manipulieren des Kilometerstandes ist derzeit weder für den Auftraggeber noch für den 'Manipulierer' verboten. Selbst im Internet findet man ein Fülle eindeutiger Angebote", kritisiert ÖAMTC-Chefjurist Hugo Haupfleisch. 

Die Situation ist mehr als unbefriedigend. Nach ÖAMTC-Schätzung wird etwa jeder dritte Gebrauchtwagen mit manipuliertem Zähler verkauft. "Für den Verkäufer ist der schnelle Dreh wohl verlockend, sehr zum Schaden des Autokäufers, der für das manipulierte Fahrzeug dann viel zu viel bezahlt", sagt Haupfleisch.  

Wer hat an der Uhr gedreht? 
Nur wenn dem Kunden mit einem zurückgedrehten Tacho der Kauf eines bestimmten Fahrzeuges schmackhaft gemacht wird und dem Verkäufer ein Täuschungs- und Bereicherungsvorsatz nachgewiesen werden kann, ist ein strafrechtlich relevanter Betrug anzunehmen. In Deutschland ist seit Sommer 2005 schon die Manipulation an sich strafbar. 

Beim Gebrauchtwagen-Kauf also nicht allein auf den Kilometerstand vertrauen. Das Risiko, dass die Kilometerzahl falsch ist, ist durchaus hoch. Hier gilt die Devise: Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser! 

  • Man sollte sich vom Verkäufer den Kilometerstand im Kaufvertrag schriftlich garantieren lassen. 
  • Ein lückenlos ausgefülltes Serviceheft kann zur Kontrolle des Kilometerstandes ebenso herangezogen werden, wie ein "§57a Pickerl-Gutachten".
  • Spätestens wenn sichtbare Abnützungserscheinungen - z.B. durchgesessene Sitze, abgegriffenes Lenkrad, bis zur Lackgrundierung abgenützte Türschnallen etc - nicht mit der angegeben Laufleistung des Fahrzeuges übereinstimmen können, sollte man stutzig werden. 
  • Bei einem Verkauf durch einen Händler empfiehlt sich eine Kontaktaufnahme mit dem Vorbesitzer, um die wichtigsten Daten abzugleichen und Erfahrungen auszutauschen. 
  • Mitunter hilft auch ein Blick unter die Motorhaube: Findet sich am Merkzettel für den Ölwechsel der Hinweis "Nächster Ölwechsel bei 80.000 Kilometern" und der Tacho zeigt 30.000 Kilometer, liegt der versuchte Betrug auf der Hand. 
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