Solider Einstieg

BMW 520d: Unten ein Sparer, oben ein Sportler

Motor
14.01.2009 14:17
Wie viel Motor braucht ein Fünfer BMW? Kommt darauf an, wie der Test des 520d gezeigt hat. Ich habe den einzigen Vierzylinder der Reihe und zugleich den schwächsten Fünfer gefahren, den Zweiliter-Common-Rail-Diesel mit 120 kW/163 PS. Gelangweilt habe ich mich mit dem kleinen Selbstzünder jedenfalls nicht.

Von außen sieht man ihm praktisch nicht an, dass es sich um den neuen Einstieg in die sportlich-luxuriöse 5. Klasse handelt, das Typenschild kann man bei der Bestellung ja weglassen. Es ist einfach ein Fünfer mit allen seinen Qualitäten. Da ist alles, wo es hingehört, da passt die typische Optik. Tür zu und Ruhe.

Auch der Motor stört das BMW-Bild zunächst nicht. Nach dem Winterkaltstart hört man ihn zwar ein bisschen nageln, das legt sich aber sehr bald, das Geräusch tritt angenehm in den Hintergrund. Was weniger an einem seidig laufenden Triebwerk als eher an einer guten Dämmung liegt (großartig ist der serienmäßige Partikelfilter, bravo!).

Die Leistung von 163 PS ist es auch nicht, die die relativ schwache Motorisierung deutlich macht; es ist die Drehmoment-Charakteristik. Unten herum rührt sich genau gar nichts. Man kann bei 1.500 Touren sogar im Kolonnenverkehr getrost Vollgas geben (liebe Kinder: Bitte nicht nachmachen!), es bewegt sich nichts, solange der Drehzahlmesser nicht die 2.000 überschreitet. Dann powert der Münchner ebenso ruckartig wie kräftig los, 340 Nm wirft er dann auf die Kurbelwelle. Er will also Drehzahl und deshalb oft geschaltet werden. Das macht aber wiederum ausgesprochen Spaß, das Sechsganggetriebe ist knackig zu schalten, wie man sich das von einem BMW erwartet. Es könnte nur ein bisschen kürzer übersetzt sein, hin und wieder passen die Anschlüsse beim Hinaufschalten nicht so hundertprozentig. 

Heimlicher Sportler
Über 2.000 U/min. geht’s richtig zur Sache, da ist der 520d völlig ausreichend motorisiert, wenn man nicht gerade sportliche Ansprüche hat. Die gut anderthalb Tonnen wirken erstaunlich leicht. Dazu trägt auch das vorzügliche Fahrwerk bei – und die herrliche Lenkung. Ich freue mich in jeder Kurve, dass der Antrieb hinten ist! Und wirklich unsportlich sind 8,6 Sekunden von 0 auf 100 auch nicht! 

Und dann war da noch...
Ein eigenes Thema ist das „i-Drive“, der zentrale Bedienungsknopf für alle möglichen Funktionen des BMW. Viel ist über dieses Bedienkonzept schon geschimpft worden. So schlecht, wie man meinen möchte, finde ich es allerdings nicht. Wer allerdings kein Faible für technische Dinge hat, wird damit nicht leicht zurechtkommen. Auch als Mietwagen ist ein BMW mit i-Drive sicher nur für jemanden anzuraten, der sich mit so etwas auskennt. Einfach mal schnell die Luftverteilung verstellen oder einen Radiosender suchen, geht so nicht mehr. Man muss sich zuerst eingehend mit dem i-Drive befassen. Wer sich aber mit diesem Spielzeug auskennt, hat die Bedienung ganz easy im Griff, ohne dass er die Hand zur Armaturentafel führen muss. Und der i-Drive-Bedienknopf ist ein herrlicher Handschmeichler.

Fazit
Auch das Einstiegsmodell der Fünfer-Reihe ist ein echter BMW. Leichte Abstriche muss man im Drehzahlkeller machen, da braucht’s ein bisserl Geduld. Aber sonst macht sich Freude am Fahren breit. Wer allerdings glaubt, Einstieg heißt auch billig, dem sei der Preis genannt. Mit ein bisserl Sonderausstattung geht kaum was unter 45.000 Euro.

Stephan Schätzl

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