Nach Hacker-Coup:

User zogen Milliarden von Kryptobörse Binance ab

Digital
04.11.2026 12:28
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach dem wohl größten Diebstahl der Geschichte kehren Anleger der Handelsplattform Binance in Scharen den Rücken. Kunden hätten nach der Wiederaufnahme von Auszahlungen 3,64 Milliarden Dollar abgezogen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Dies entspreche rund 2,1 Prozent des verwalteten Vermögens. Inzwischen stabilisiere sich die Lage wieder.

Die „Financial Times“ bezifferte die Abflüsse unter Berufung auf Daten der Analyseplattform DefiLlama auf fünf Milliarden Dollar. Binance zufolge hatten Kunden zunächst 4,6 Milliarden Dollar abgezogen, mittlerweile sei aber rund eine Milliarde Dollar wieder zurückgeflossen.

Experten: Keine Panikreaktion
Der Cyberangriff habe zwar keine Panikreaktionen ausgelöst, sagte Tim Sung, Forscher des auf digitale Vermögenswerte spezialisierten Finanzdienstleisters HashKey. „Der Schaden für das Investorenvertrauen dürfte jedoch weit über die gestohlenen Vermögenswerte hinausreichen.“ Sicherheitsbedenken dürften bei Anlageentscheidungen eine weitaus größere Rolle spielen. Experten zufolge könnten institutionelle Investoren zögerlicher agieren und damit den erhofften Kapitalzufluss in den Kryptomarkt bremsen.

Der Binance-Kunde Ryan Tan betonte dagegen, er habe es nicht eilig, sein Geld bei der Kryptobörse abzuziehen. Er verwahre seit der Pleite des Binance-Konkurrenten FTX vor vier Jahren einen Großteil seiner Cyberdevisen in seiner eigenen digitalen Geldbörse (Wallet) statt auf einem Konto der Börse. Jay Koh, Vorstandsmitglied der Asia Web3 AI Association (AWAA) , wies darauf hin, dass Handelsplattformen eine wichtige Rolle für den Handel mit Bitcoin & Co. spielten. Die gemeinnützige AWAA setzt sich für die Verbreitung der Blockchain-Technologie ein, auf der Kryptowährungen basieren.

Milliardenraub schürt Nervosität der Anleger
Ende vergangener Woche hatten sich Kriminelle Zugriff auf die IT-Systeme von Binance verschafft und binnen Minuten Kryptowährungen im Gesamtwert von 6,3 Milliarden Dollar transferiert. Die US-Bundespolizei FBI und private Analysefirmen machten staatlich gelenkte Hacker aus Nordkorea für den Angriff verantwortlich.

Daraufhin gingen die Kurse zahlreicher Kryptowährungen auf Talfahrt. Börsennotierte Bitcoin-Fonds verloren der Analysefirma TRM Labs zufolge am Freitag insgesamt 643 Millionen Dollar an Börsenwert. Darüber hinaus seien Derivategeschäfte über 1,3 Milliarden Dollar aufgelöst worden. Die sinkende Gesamt-Marktkapitalisierung der Stablecoins, deren Kurs meist an eine bestimmte Währung gekoppelt ist, deutet darauf hin, dass viele Investoren ihr Geld komplett aus Kryptowährungen abgezogen und in traditionelle Anlagen oder Bargeld umgeschichtet haben.

„Ein Hackerangriff auf eine Kryptobörse ist wie ein Banküberfall mit Internetgeschwindigkeit“, sagte TRM-Manager Ari Redbord. Dies mache jeden, der für das Geld anderer verantwortlich ist, vorsichtiger. Bis zum Montag erholte sich der Kryptowährungsmarkt teilweise. Bitcoin notierte ein knappes halbes Prozent im Plus bei 78.061 Dollar, und Ethereum legte 1,2 Prozent auf 2290 Dollar zu.

Binance-Kunden werden entschädigt
Binance will die Betroffenen des Cyberangriffs entschädigen. Hierzu hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits sechs Milliarden Dollar aus seiner Unternehmenskasse, einem Versicherungsfonds und einem für Hackerangriffe vorgesehenen Fonds bereitgestellt. Gleichzeitig arbeitet die Handelsplattform mit zahlreichen Partnern mit Hochdruck daran, das Diebesgut aufzuspüren. Der Kryptowährungsanbieter Circle teilte am Montag mit, er habe Cyberdevisen im Volumen von 1,1 Milliarden Dollar eingefroren.

Gestohlene Gelder könnten zwar nachverfolgt werden, erläuterte Jonathan Benton, Gründer und Chef des auf die Wiederbeschaffung von Krypto-Vermögenswerten spezialisierten Unternehmens iSanctuary. Die Herausforderung bestehe darin, Zugriff auf das Diebesgut zu erhalten, bevor es verschwinde. „Die Zukunft der Kryptowährungen wird nicht davon abhängen, wie viel Geld in den Markt fließt, sondern davon, wie sicher dieses Geld ist, sobald es dort angelegt wurde.“

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