Die wahre Domäne der XL-Version der A-Klasse ist es, innen größer zu sein als außen. Technisch grüßt der kleine Bruder, tatsächlich sind 544 Liter (bzw. 1.645/2.245) Liter Kofferraum aber einfach ein Wahnsinn. Der B braucht einfach nach vorne kaum Platz, weil er das intelligente Sandwich-Konzept der A-Klasse hat, wo der Motor schräg davor und unter der Fahrgastzelle liegt statt davor. In welchem 4,27 Meter langen Auto lassen sich (mit umgeklapptem Beifahrersitz) knapp drei Meter lange Latten transportieren?
Für Freunde des Windes
Der Laderaum lässt sich durch versenkbare Sitze und einen Kofferraum mit in der Höhe variablem Boden völlig ebnen, wem der Platz nicht reicht, der kann die Sitze ganz ausbauen. Man bringt also eine Menge Sportgerät unter, Freunde des Windes bringen zur Not auch das Surfbrett rein.
Wer ein Surfbrett fährt, das so kurz ist, dass es in den Kofferraum passt, muss ein harter Bursche sein, und das ist die B-Klasse auch. Das Fahrwerk ist hart, aber herzlich, die Bodenfreiheit macht einem Sportwagen so viel Ehre, dass man im Winter gerne mal beim Einparken auf einem Eisbuckel strandet, und auch die Sitzposition ist nicht von der mercedigen Gemütlichkeit, die man so kennt. Die Beine liegen flach, der Fuß steht steil, und auf längeren Fahrten hat mein Gasfuß diese ungewöhnliche Position mit Schmerzen quittiert.
Der Wind ist ab einem gewissen Tempo nicht nur beim Surfen ein treuer Begleiter, auf der Autobahn ist er nicht zu überhören, aber auch ein Pfeil surrt nicht lautlos durch die Luft.
Satte Kraft aus dem Drehzahlkeller
Auch der Motor ist kein Leisetreter. Der kleine Diesel (109 PS aus 1.991 Litern, 250 Nm) erinnert mich geräuschmäßig an Zeiten, als ich noch Mercedes-Benz-Lieferwägen gefahren habe. Das geht leiser und geschmeidiger! Dafür ist der Vortriebverursacher sonst einer von der angenehmen Sorte: relativ spritzig, zieht von unten heraus gut durch und mäßigt sich, was den Durst betrifft. Mit rund sechseinhalb Liter im Durchschnitt darf man zufrieden sein. Zum Sprint auf 100 ist er in 11,3 Sekunden zu bewegen, 183 km/h bilden das Ende des Geschwindigkeitsrausches. Das reicht zwar nicht fürs Delirium, aber für einen saftigen Strafzettel hierzulande.
Erstaunlich ist, dass die serienmäßige Sechsgangschaltung ziemlich lang übersetzt ist. So fährt man etwa im Stadtverkehr immer eher in einem niedrigen als in einem sparsamen Gang.
Der Innenraum ist ebenso sterntypisch brav, aufgeräumt und gut verarbeitet. Dass das längs verstellbare Lenkrad Aufpreis kostet, ist schade. Ich habe mit dem nur in der Höhe veränderbaren Steuer jedenfalls keine optimale Sitzposition gefunden. Was mich bisher noch in jedem Mercedes gestört hat, ist der zu hoch angebrachte Blinkerhebel. Dort habe ich einfach nicht meine Hand am Lenkrad. Dafür gibt es keine bessere Bedienung für den (aufpreispflichtigen) Tempomat als die in einem Benz. Die hat sich einfach lange bewährt.
Der Einstieg in die Diesel-B-Klasse ist zwar mit rund 30.000,-- Euro nicht gerade ein Geschenk aus Stuttgart, dafür bekommt man aber auch einen Van, der viel von einem Coupé und von einem Lastwagen hat. Da drin ist Raum für mehr, als man von außen annehmen kann. Und er ist ein Mercedes. Punkt.
Stephan Schätzl
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