Nach Bekanntwerden kritischer Sicherheitslücken in der weitverbreiteten Programmiersprache PHP ist die Zahl der Angriffsversuche auf Millionen gestiegen. Experten fordern daher, ungeschützte Websites umgehend vom Netz zu nehmen.
„In den zehn Stunden vor der öffentlichen Bekanntgabe verzeichneten wir im gesamten Netzwerk Tausende von Versuchen, diese Sicherheitslücken auszunutzen. Diese Zahl stieg in den 45 Minuten nach der Bekanntgabe auf Zehntausende, innerhalb von zwei Stunden auf Hunderttausende und liegt nun bei Millionen“, so Matthew Prince, CEO des Cloud-Dienstleistungsunternehmens Cloudflare, am späten Mittwoch in einem Beitrag auf X.
Experten fordern, ungeschützte Webseiten vom Netz zu nehmen
Der Karlsruher IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer forderte deshalb ein drastisches Durchgreifen der Betreiber: Seiner Ansicht nach sollten ungeschützte Websites im Kampf gegen die schwerwiegende PHP-Lücke sofort abgeschaltet werden.
„Systeme, für die aktuell noch kein Sicherheitsupdate eingespielt werden konnte, dürfen unter keinen Umständen weiter am Netz bleiben“, sagte Fischer der Deutschen Presse-Agentur. „Jede ungeschützte PHP-Anwendung ist in diesem Moment eine offene Tür für Kriminelle.“
Über das reine Abschalten hinaus weist Fischer auf ein zentrales datenschutzrechtliches Problem hin: Wenn ein System über eine Schwachstelle kompromittiert wurde, sei es oft schwer zu sagen, was genau passiert sei und was abhandengekommen sei. Gemäß der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sei dieser Nachweis für betroffene Organisationen jedoch zwingend notwendig. Hier müsse man dringend nachbessern und eine bessere Forensik bereitstellen.
Zudem fordert Fischer, dass alle Beteiligten – vom PHP-Team über Provider und Webseiten-Betreiber bis hin zu den Behörden – für derartige IT-Katastrophen künftig fertige Notfallpläne in den Schubladen haben müssen.
Gravierende Schwachstelle
Am Mittwoch hatten unter anderem das IT-Sicherheitsunternehmen Huntress, das Computer Emergency Response Team des Bundes (CERT) sowie das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vor der gravierenden Schwachstelle mit dem Namen „PHP-Shell“ gewarnt.
Bundesländer, Kommunen, Behörden, Krankenhäuser, Universitäten sowie andere öffentliche Einrichtungen, aber auch private Webseiten-Betreiber hatten daraufhin bereits ihren Internetauftritt vorsorglich vom Netz genommen. Angreifer können die Lücke nutzen, um aus der Ferne einen fremden Code auszuführen und Server vollständig zu übernehmen.
Ob die breite Masse der Betreiber den Aufrufen von Behörden und Experten folgte und ungeschützte Systeme abgeschaltet hat, sollte sich in den nächsten Stunden zeigen. Experte Fischer geht davon aus, dass es Monate dauern wird, bis die vielen Millionen Systeme bereinigt sind.
Warnung auch von Geheimdienst-Kontrollgremium
Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste in Deutschland, Marc Henrichmann, warnte angesichts der Sicherheitslücke gar vor einer neuen Dimension der Cyberbedrohung. „Wir erleben einen Wendepunkt“, sagte Henrichmann dem „Handelsblatt“. Künstliche Intelligenz mache aus Schwachstellen, die bisher als kaum ausnutzbar gegolten hätten, in kurzer Zeit „echte Einfallstore“.
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