Schäden immer höher

Klimawandel: So teuer ist es, tatenlos zu bleiben

Wissen
22.10.2026 09:17
Porträt von krone.at
Von krone.at

Mit den klima- und wetterbedingten Schäden in Österreich geht es seit Jahren bergauf. Neue Berechnungen eines Teams rund um Grazer Forscher zeigen Durchschnittskosten von mehr als 3,7 Milliarden Euro jährlich – der heurige Hitzesommer ist dabei noch gar nicht enthalten.

Angesichts der fortschreitenden Auswirkungen des Klimawandels schätzten die Experten die „gesellschaftlichen Kosten des Nicht-Handelns“. Sie berechneten die direkten Schadenskosten durch Trockenheit, Hitze und Extremereignisse in der Landwirtschaft oder an Gebäuden und Infrastruktur. Im Schnitt kamen sie ab 2017 auf jährliche Durchschnittskosten von rund einer Milliarde Euro pro Jahr (siehe Grafik unten).

Hitzetote eingerechnet
Zusätzlich schlägt die hitzebedingte Übersterblichkeit mit rund 2,7 Mrd. Euro im Jahr zu Buche. Dem vorzeitigen Ableben wurde dabei ein Wert von 3,9 Mio. Euro pro ausfallendem Lebensjahr jeder hitzebedingt verstorbenen Person zugeordnet. Hier habe man sich an internationalen Standards orientiert, jedoch eine „sehr konservative Schätzung“ angenommen. Man rechne hier nichts künstlich hoch, betonen die Forscher.

Das Balkendiagramm zeigt die jährlichen Schadenskosten durch Klimawandel in Österreich von 2017 bis 2024 in Milliarden Euro. Die Gesamtkosten steigen von 3,3 Milliarden Euro im Jahr 2017 auf 6,1 Milliarden Euro im Jahr 2024. Die Hauptkosten entstehen durch Hitzeschäden, gefolgt von Schäden an Gebäuden und Infrastruktur sowie an Land- und Forstwirtschaft. Die geringsten Kosten werden für Extremwetter verzeichnet. Quelle: COIN 2.0/Klima- und Energiefonds.

Sie verzeichnen einen klaren Trend: Ab dem Jahr 2020 häuften sich die Jahre mit besonders hohen Schadenssummen. Besonders „schadensintensiv“ waren die Jahre 2021, 2023 und im bisher letzten ausgewerteten Jahr 2024, wie die Studie zeigt. Es ist auch das Rekordjahr: Hier verzeichnete das Forschungsteam den Höchstwert von knapp sechs Milliarden Euro.

„Kein Ausnahmesommer“
Wie es seither weitergegangen ist, lasse sich noch nicht seriös sagen, so Studienleiterin Birgit Bednar-Friedl vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz. Durch den markanten Aufwärtstrend werde aber klar, dass der Sommer 2026 kein Ausreißer war. „Der heurige Sommer war kein Ausnahmesommer“, betonte Bednar-Friedl bei der Präsentation erster Erkenntnisse in Wien.

Genauere Schätzungen sind schwierig, sagt der für die Schadenskostenerhebung zuständige Experte Markus Leitner vom Umweltbundesamt, das bei dem Forschungsprojekt namens „COIN 2.0“ (COIN steht für Costs of Inaction – die Kosten des Nicht-Handelns) auch an Bord ist. 

„Sind eher am Unterschätzen“
Blicke man etwa auf das verheerende Hochwasser im Herbst 2024, werden dessen tatsächliche Kosten kaum exakt abgebildet. Denn der Katastrophenfonds ersetzt nur bestimmte Prozentsätze von Schäden und Haushaltsversicherungen übernehmen auch nicht die realen Verluste Betroffener. Da man nicht versicherte Schäden aber nicht berechnen könne, „sind wir hier eher am Unterschätzen“, sagte Leitner.

Zum Forschungsprojekt

  • Finanziert wird „COIN 2.0“ vom Klimafonds, der Arbeiterkammer und dem Sozialministerium. 
  • Die Arbeit setzt auf dem Projekt „COIN – Costs of Inaction“ der Uni Graz auf, das 2015 abgeschlossen wurde.
  • Neben dem Wegener Center und dem Umweltbundesamt sind zehn weitere Forschungseinrichtungen beteiligt. 

Nichts-Tun kommt teurer
Je genauer die Datenlage und Schadensanalyse erfolgt, desto besser könne man sich als Gesellschaft an die Folgen des Klimawandels anpassen: Die ersten Ergebnisse der Studie zeigen auch eindrücklich, dass ein Nichts-Tun deutlich teurer kommt, als mitunter kostspielige Anpassungsmaßnahmen. In diese Richtung geschehe vor allem regional schon viel, sagte Bednar-Friedl, manch großer Posten werde aber noch nicht angegangen. So etwa das Ausstatten vom Gebäudealtbestand wie Schulen mit Hitzeschutz oder Arbeitsschutzmaßnahmen für Beschäftigte in vulnerableren Branchen von Bau bis Pflege.

Leitner betonte auch beim Blick in die Zukunft, dass man sich die Grenzen der Klimawandelanpassung vor Augen führen müsse und es ebenso Änderungen im Wirtschaftssystem braucht. Anpassung und Klimaschutz müssten gemeinsam gedacht und umgesetzt werden. Denn die Analyse bis 2024 habe gezeigt, dass sich die klimawandelbedingten Schäden tendenziell schneller ausweiten, als man noch vor über zehn Jahren gedacht hat.

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