Mi, 19. September 2018

Motorrad-Ausblick

02.01.2015 16:14

So cool wird das Motorrad-Jahr 2015

In den vier Segmenten Modern Retro, Sports Adventure, Power-Naked und Supersport kommt es 2015 dank zahlreicher neuer Modelle zu harten Kämpfen am Motorradmarkt. Ganz oben thront aber weiterhin ein Bike aus Bayern.

Blickt man schon heute auf das Jahresende 2015 voraus, gilt auf dem österreichischen Motorradmarkt eines als sicher: BMWs Reiseenduro R 1200 GS wird auch dann wieder die Nummer eins sein. Doch dahinter wird es spannender denn je, nicht nur weil KTM mit der 1290 Super Adventure ein fettes Kraftpaket auf die Räder stellt. Die Neuerscheinungen des letzten Herbstes lassen erwarten, dass es in vier Marktsegmenten zu erheblichen Veränderungen kommen wird. Dank des Einfallsreichtums fast aller großen Motorradhersteller von BMW bis Yamaha kämpfen vor allem in den vier Trend-Segmenten Modern Retro, Sports Adventure, Power Naked und Supersport weitaus mehr Modelle um die Gunst der Käufer.

Stückzahlmäßig vermutlich noch am unbedeutendsten wird die Schlacht bei den Superbikes verlaufen, in der BMWs in den letzten Jahren extrem erfolgreicher S 1000 RR starke Konkurrenz erwächst. Zwar haben die Münchner ihr Superbike für 2015 tiefgreifend überarbeitet und auf ein technisch noch höheres Niveau gebracht, doch haben mit Ducati, Yamaha und auch Aprilia gleich drei Hersteller neue Waffen geschmiedet, um den Triumphzug der Bayern zu stoppen. Zahlreiche elektronische Assistenzsysteme wie die Traktionskontrolle, semiaktive Fahrwerkssysteme oder auch das schräglagenfähige ABS sind in diesem Segment inzwischen unabdingbare Ausstattungsmerkmale, will ein Hersteller in der Spitzengruppe landen. Natürlich muss auch reichlich Power geboten sein: Unter 200 PS ist in diesem Segment kein Bike mehr konkurrenzfähig. Aktueller Leistungs-Spitzenreiter ist die neue Ducati 1299 Panigale mit 205 PS.

Ebenfalls supersportlich konzipiert ist die seit Jahrzehnten erste Kompressor-Maschine der Welt: die Kawasaki H2. Wichtigste Funktion dieses Bikes – und mehr noch die der nicht zulassungsfähigen 310-PS-Version H2R – ist die Image-Abstrahlung auf andere Kawasaki-Modelle. Wegen ihrer Technik passt sie ohnehin in kein Rennreglement.

Spannend wird es im seit drei Jahren ausschließlich von der Ducati Multistrada besetzten Segment der Sport-Adventure-Bikes. Mit der BMW S 1000 XC erwächst der dieses Jahr auf 160 PS erstarkten und auch optisch überarbeiteten Multistrada ein kräftiger Widerpart. Dabei weist die BMW statt eines Zweizylindermotors den hochpotenten Vierzylinder aus der Power-Naked S 1000 R auf. Beide Fahrzeuge strotzen geradezu vor Assistenzsystemen und bieten bis hin zum schräglagenfähigen ABS alles, was die Elektronisierung aktuell möglich macht. Es gehört keine große prophetische Gabe dazu, diesem Segment ein starkes Wachstumspotenzial zu attestieren. Denn mit der ebenfalls 160 PS leistenden KTM 1290 Super Adventure mischen auch die Mattighofener hier mit. Die japanischen Big Four schauen der neuen Interpretation des Themas Sporttouring mangels passender Modelle vorerst tatenlos zu.

Modern Retro bezeichnet Fahrzeuge wie die BMW R nineT, die aktuelle Technik in Kombination mit historisierendem Styling bieten und auf den Technologie-Overkill verzichten. Mit dem Modell Scrambler tritt Ducati heuer ebenfalls in diesem Segment an und darf sich große Erfolgschancen ausrechnen, denn das 800er-Zweizylindermodell gibt es gleich in vier Versionen und wurde ausgesprochen geschickt platziert. Schon seit Jahren bietet Triumph mit seinen Classic-Bikes Bonneville, Thruxton und Scrambler durchaus erfolgreich Fahrzeuge an, bei denen nicht die Fahrleistungen im Fokus stehen, sondern das Gefühl beim Fahren. Dazu gehört, sich legerer zu kleiden; perfekt in diese Zielgruppe passt, wer großflächige Tätowierungen und einen Drei- bis Siebentage- oder auch Vollbart sein Eigen nennt. Nicht nur BMW wird sein Angebot in diesem Marktsegment in den nächsten Jahren deutlich ausbauen; hier erhofft sich die Industrie eine Vielzahl neuer und vor allem jüngerer Kunden.

Waren im vergangenen Jahr bei den Power Nakeds noch BMW mit der S 1000 R, KTM mit der 1290 Super Duke R und Kawasaki mit der Z 1000 unter sich, wird der Kreis der Wettbewerber 2015 größer: Suzuki kommt modellpolitisch langsam wieder auf die Füße und stellt sich mit dem Modell GSX-S 1000 gleich in zwei Versionen dem Wettbewerb. Die Power Nakeds sind zumeist von Superbikes abgeleitet und weisen zumindest teilweise deren Spitzentechnologie auf, bieten aber andererseits eine recht komfortable Sitzposition; mit ihnen lässt sich auch ohne die mit fortschreitendem Alter als lästig empfundene gebückte Haltung schnell fahren. Angesichts des noch immer steigenden Durchschnittsalters der Motorradfahrer ein starkes Argument.

Einen noch größeren Kundenkreis als schon bisher darf man 2015 auch für das Segment der Reiseenduros erwarten. BMWs starke Position in diesem Segment dürfte zwar nicht erschüttert werden, doch nehmen neuerdings auch Triumph (überarbeitete Tiger 800), Kawasaki (stark modifizierte Versys 650 und Versys 1000), Suzuki (überarbeitete V-Strom 650) und Aprilia (neues Caponord-Derivat namens Caponord 1200 Rallye) dieses Segment ernster als zuvor. Weiteren Rekord-Zulassungszahlen der BMW GS-Modelle könnte höchstens der Trend zu den Sport Adventure Bikes gefährlich werden, denn diese Bikes vermögen auch Asphalt-"Enduristen" zu faszinieren. Und da hat Yamaha mit der MT-09 Tracerein sehr heißes und zudem kampfpreisiges Eisen im Feuer.

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