Stabilitätsgeheimnis

Nobelpreis für neue Ideen gegen Wirtschaftskrisen

Wissen
12.10.2026 11:56
Porträt von krone.at
Von krone.at

Wie lässt sich eine Wirtschaft stabilisieren, ohne Abschwünge unnötig zu verschärfen oder eine überhitzte Konjunktur weiter anzutreiben? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Forschung der diesjährigen Wirtschaftsnobelpreisträger. Die US-Ökonomen Robert E. Hall und Michael Woodford werden für ihre Arbeiten zu den Grundlagen einer wirksameren Wirtschaftspolitik ausgezeichnet.

Die beiden Wissenschafter arbeiten an der Stanford University in Kalifornien beziehungsweise an der Columbia University in New York. Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften gab die Entscheidung am Montag in Stockholm bekannt. Hall und Woodford erhalten den Preis für ihre Forschung zu den „mikroökonomischen Grundlagen der makroökonomischen Stabilisierung“.

Die beiden Forscher entwickelten neue makroökonomische Modelle, die eine wirksamere Stabilisierungspolitik ermöglichen sollen. Damit könnten gut abgestimmte Maßnahmen der Finanz- und Geldpolitik die Schwankungen der Konjunktur verringern.

Neue Modelle für die Wirtschaftspolitik
Der entscheidende Ansatz liegt darin, die Wirtschaft nicht nur anhand statistischer Zusammenhänge zwischen Größen wie Inflation, Produktion und Konsum zu untersuchen. Stattdessen werden die Entscheidungen einzelner Haushalte und Unternehmen als Grundlage herangezogen. Denn erst wenn verständlich ist, wie diese Akteure handeln und auf Veränderungen reagieren, lassen sich die Auswirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen besser einschätzen.

Solche Modelle sind insbesondere für Regierungen und Zentralbanken relevant, wenn es darum geht, auf wirtschaftliche Krisen zu reagieren, die Inflation zu bekämpfen oder die Konjunktur zu stützen.

Preis ist rund eine Million Euro wert
Der offiziell „Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften“ genannte Preis wird zwar üblicherweise zu den Nobelpreisen gezählt, geht aber nicht auf das Testament des Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurück. Gestiftet wurde er von der Schwedischen Reichsbank. Vergeben wird er seit 1969, während die fünf ursprünglichen Nobelpreise bereits seit 1901 verliehen werden.

Die Auszeichnung ist heuer mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert. Das entspricht umgerechnet rund einer Million Euro. Die feierliche Preisübergabe findet am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Stockholm statt.

Im Vorjahr ging der Wirtschaftspreis an den Wirtschaftshistoriker Joel Mokyr sowie die Wachstumsforscher Philippe Aghion und Peter Howitt. Sie wurden für ihre Forschung zum innovationsgetriebenen Wirtschaftswachstum ausgezeichnet. Der in Wien geborene Friedrich August von Hayek war 1974 bisher der einzige österreichische Preisträger in dieser Kategorie.

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