




Die neue Bikepacking Tour Tirol verlangt Kondition und belohnt mit atemberaubenden Ausblicken. Drei Tage im Sattel führen die „Krone“ vom wilden Lechtal über den türkisen Plansee bis aufs Hochplateau von Seefeld. Die Wälder liefern den tierischen Soundtrack, eine Hängebrücke den Nervenkitzel, 1600 Höhenmeter das Brennen in den Oberschenkeln.
Was für ein Prachtherbst! Die Sonne verwöhnt mit milder Wärme, die Luft ist klar, und im Wald mischen sich goldene und rote Farbtupfer ins Grün. Wer jetzt draußen unterwegs ist, wird von der Natur reich beschenkt. Tirol bietet zahlreiche Wege zum Wandern oder Radfahren für jede Zeitspanne, vom Halbtagesausflug bis zur Mehrtagesreise.
Viel Postkartenidylle auf kurzer Distanz
Wie etwa die neue Bikepacking Tour Tirol. Die Gravel-Route verläuft in vier bis sechs Etappen von St. Anton am Arlberg durchs Lechtal, am Zugspitzmassiv vorbei, durchs Karwendel und über die Brandenberger Alpen bis Kufstein. Das sind 413 Kilometer mit 3600 bis 6600 Höhenmetern. Härtere oder kraftschonendere Varianten stehen optional zur Wahl. Ich nehme mir drei Tage Zeit, um einen Teil dieser Route zu erkunden. Von Lech am Arlberg geht es über Ehrwald und den neuen Plansee-Radweg nach Seefeld.





Um neun Uhr morgens liegt noch kühle Luft über dem Lechtal, warme Radkleidung und Handschuhe sind Pflicht. Asphalt wechselt mit Schotter, Waldstücke mit offenen Passagen. Die Dörfer Steeg, Holzgau, auch „Perle des Lechtals“ genannt, und Elbigenalp setzen Fixpunkte entlang der Strecke. Dazwischen gehört die Bühne dem Wildfluss.
„Klein-Kanada“ im Lechtal
Mal fließt der Lech dicht am Radweg, dann verschwindet er hinter Bäumen. Rund um Martinau bekommt er viel Raum. Das Wasser teilt sich in Seitenarme, dazwischen liegen helle Schotterflächen. Die Lechtaler erinnert diese Landschaft an den Yukon, das abgelegene Territorium im Nordwesten Kanadas. Dort prägen weite Wälder, mächtige Flüsse und unberührte Wildnis das Bild. Liebevoll bezeichnen sie den Lech deshalb als „Klein-Kanada“.
Soundtrack des Herbstes
Wie der Wildfluss hat sich auch das Tal seine Ursprünglichkeit bewahrt. Nur ein tiefes Dröhnen aus dem Wald unterbricht die beinahe meditative Fahrt am Ufer. Es ist Brunftzeit. Die Platzhirsche melden lautstark ihren Anspruch an und werben um die Hirschkühe. Ihr Röhren hallt durch den Naturpark Tiroler Lech, einen der wichtigsten Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten in den Nördlichen Kalkalpen.
In Reutte geht der Blick steil nach oben, 114 Meter weit. Die Highline179 spannt sich zwischen Burgruine Ehrenberg und Fort Claudia über die Fernpassstraße. Wer die 406 Meter lange Hängebrücke überquert, bekommt weiche Knie oder weite Augen, oft auch beides.
Finale Etappe mit Flow
Ein neuer, breiter Radweg bringt auf mehr als drei Kilometern sicher und abseits der Straße zum Plansee. Tirols zweitgrößter See leuchtet türkis und lockt mit herrlicher Abkühlung in malerischen Badebuchten. Zur Ehrwalder Alm geht es knackig bergauf. Wer Kräfte sparen möchte, steigt mit dem Rad in die Almbahn und spart 400 Höhenmeter strampeln. Durch das naturbelassene Gaistal führt die Strecke danach mit nur mäßigen Anstiegen bis nach Seefeld auf dem Hochplateau.
Fazit: Nach drei Tagen Graveln standen rund 140 Kilometer und 1600 Höhenmeter auf meiner Sportuhr. Mountainbike oder E-Bike funktionieren auf der Route ebenso, breitere Reifen geben bei Nässe und losem Untergrund mehr Reserven.
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