Viel zu erzählen hat der Bernstein-Trail zwischen der Weite der Steppe am Rande des Neusiedler Sees und den Weinbergen im Südburgenland. Schritt für Schritt öffnen sich die Kapiteln einer bewegten Vergangenheit, die bis in die Urzeit blicken lassen. Herzerfrischend!
Vor uns liegen 13 reizvolle Etappen. Das erste Kapitel „Pannonisch wandern“ wird in Niederösterreich aufgeschlagen. Das ruhmreiche Heidentor der Römerstadt Carnuntum bei Petronell, spätantikes Siegesdenkmal, steht heute für den unbeugsamen Willen, zum Auftakt 26 der 306 Kilometer der Ostroute des Bernstein Trails zu meistern. Ohne Strapazen führt der Pfad durch die sanft geschwungene Landschaft. Verlockend ist mittendrin die Einkehr bei einem urigen Heurigen, doch noch zu früh, um schon nach kurzer Strecke gemütliche Gastlichkeit zu genießen.
Unsere kleine Gruppe zieht es vor, weiterzumarschieren und sich an der unberührten Natur der Leitha-Auen und ihrer Farbenpracht zu erfreuen, die den Herbst in seiner bunten Vielfalt erahnen lässt. In Rohrau geht es vorbei am Geburtshaus von Joseph Haydn. Bei einem Abstecher in Bruckneudorf entführt die Kaiservilla in eine glanzvolle Epoche im 4. Jahrhundert n. Chr. Die römische Palastruine an den Hängen des Leithagebirges im Burgenland, einst Versorgungsstation für Legionäre am Limes, offenbarte Österreichs größten Mosaikkomplex. Die Originale sind im Landesmuseum in Eisenstadt zu bestaunen.
Römisches Erbe bis heute auf den Etappen erlebbar
Nach Ankunft in Neusiedl am See ist der Anfang einer großen Reise im Schritttempo gemacht. In Frauenkirchen und Illmitz lassen sich die nächsten Etappen entspannt erkunden. Ausflügler bewegen sich auf historischen Pfaden. Der erste offizielle durchgehende Weitwanderweg im Burgenland folgt der einstigen Trasse der Römischen Bernsteinstraße.
„In der Zeit um Christi Geburt hat das Imperium Romanum in weiser Voraussicht ein Straßennetz angelegt, um das allseits begehrte fossile Harz von der Ostsee sicher an die Adria verfrachten zu können“, erklärt ein Historiker des Stadtarchivs in Rust. Der bedeutende Handelsweg schlug eine Brücke zwischen dem mächtigen Legionslager Carnuntum an der Donau und der lebhaften norditalienischen Geschäftsmetropole Aquileia. Das vinophile Erbe sorgt bis in die Gegenwart für Gaumenfreuden: Im Sog des damaligen Warenverkehrs brachten die Römer den Weinbau in die Region, der die Wanderer auf fast jeder Etappe begleitet.
Genusstour zwischen den Alpen und der Puszta
Sanfte Hügel, dichte Wälder und beschauliche Weinberge prägen den Bernstein Trail ab der Mitte. Über Lutzmannsburg und Köszeg in Ungarn führt die Route zum Geschriebenstein, der mit 884 Metern höchsten Erhebung des östlichsten Bundeslandes. Der gleichnamige Naturpark erstreckt sich Richtung Rechnitz im Süden, lauschige Kellergassen säumen den Weg. Malerisch wirkt die naturbelassene Kulisse rund um die Raab, einen Zufluss der Donau. Am Ende liegen die römischen Hügelgräber bei St. Martin. „13 Etappen, und jedes Mal trifft man auf ein anderes Burgenland“, merken jene an, die sich hoch motiviert der Herausforderung gestellt und den Bernstein Trail bereits in voller Länge hinter sich gebracht haben.
„Wer hier unterwegs ist, muss keine mächtigen Gipfel bezwingen. Beim ,Pannonischen Wandern‘ geht es nicht um höher, schneller, weiter. In der Ruhe liegt die Kraft“, betont ein Quartiergeber aus Eisenberg. Die Ausflügler müssen keine extremen Strapazen auf sich nehmen, die Streckenabschnitte sind mit etwas Ausdauer gut zu bewältigen.
Hinter allem steckt eine simple, aber ebenso tief verwurzelte Inspiration: Nicht der Weg ist das Ziel, sondern vielmehr das Erlebnis, das keinesfalls mit dem letzten Kilometer endet. Nach jeder Etappe wartet auf die Gäste noch eine kräftige Portion Genuss. Eine Buschenschank. Ein regionaler Leckerbissen. Eine Therme. Eine gesellige Plauderei. Oder eine schlichte Holzbank mit Blick auf die Schönheiten der Region. Herrliche Aussichten!
Nähere Infos unter Burgenland Tourismus
02682/63384-0 und www.burgenland.info/pannonisch-wandern
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