Der französische Supercomputer-Hersteller Bull AI hat seine Produktionskapazitäten für europäische KI-Projekte verdoppelt. Das Unternehmen habe am Donnerstag ein erweitertes Werk im westfranzösischen Angers wiedereröffnet, teilten Führungskräfte der Nachrichtenagentur Reuters mit. Die Produktion steige damit von sechs auf zwölf Server-Racks pro Monat. Die Fertigung könne im kommenden Jahr bei anhaltender Nachfrage auf 24 Einheiten erhöht werden.
Der Ausbau der einzigen auf Supercomputer spezialisierten Fabrik in Europa kostete den Angaben zufolge 80 Millionen Euro. Die Europäische Union (EU) will mit Investitionen von sieben Milliarden Euro bis 2027 zu den USA und China bei der Rechenleistung aufschließen.
So viele Aufträge wie noch nie
Bull AI profitiert von dieser Entwicklung und hat in diesem Jahr so viele Aufträge wie nie zuvor erhalten. Das Unternehmen gewann 15 von 18 Ausschreibungen der EU-Organisation EuroHPC, der Supercomputer-Behörde der EU, und setzte sich dabei unter anderem gegen Hewlett Packard Enterprise durch.
Ende August hatte die EU-Behörde, wie Reuters bereits berichtete, bei den Franzosen einen KI-Hochleistungsrechner für ein bestehendes Rechenzentrum in Finnland bestellt. Der Auftrag hat ein Volumen von 387,8 Millionen Euro und ist der bisher größte für Bull AI. Der Rechner wird seinen Betrieb voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2027 aufnehmen. Ausgestattet mit einem Milliardenbudget, hat EuroHPC bisher 19 KI-Rechenzentren mit rund einem Dutzend Supercomputern eingerichtet. Die Nachfrage übersteige das Angebot, hatte EuroHPC-Infrastrukturchef Evangelos Floros betont.
554-Millionen-Projekt für französischen Staat
Derzeit baut der Hersteller parallel zu dem finnischen System den 554 Millionen Euro teuren Supercomputer „Alice Recoque“ für den französischen Staat. Auch Europas erster Exascale-Rechner „Jupiter“ im Forschungszentrum Jülich stammt von den Franzosen. Der französische Staat hatte die Sparte Ende März für bis zu 404 Millionen Euro von dem hoch verschuldeten IT-Konzern Atos übernommen. Daraus formte die Regierung vor wenigen Monaten das Staatsunternehmen Bull AI. Die Übernahme gilt als strategisch wichtig, da die Rechner unter anderem für die Simulation von Atomtests genutzt werden.
Bei den Bauteilen setzt Bull AI je nach Kundenwunsch auf Prozessoren von Nvidia, AMD und Intel oder auf europäische Komponenten. Deren Anteil an den Maschinen sei in den vergangenen fünf Jahren von 20 bis 30 Prozent auf nun 70 Prozent gestiegen. Zudem wird Bull AI im Rahmen einer im Juni geschlossenen Partnerschaft mit dem taiwanischen Auftragsfertiger Foxconn Nvidia-Systeme in Tschechien herstellen und in Angers endmontieren.
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