Mit dem „Multi-Site Computer Austria“ (MUSICA) – einem Hochleistungscomputer für die Forschung, der auf drei Standorte im Land verteilt ist – steigt Österreich erneut in der Liste der weltweit 100 schnellsten Rechner ein. Am Freitag wurde die rund 36 Millionen Euro teure Infrastruktur in Wien, Linz und Innsbruck offiziell eröffnet.
So befinden sich am „Science Center“ der Technischen Universität (TU) Wien im Arsenal in Wien-Landstraße 184 Rechenknoten, an den Universitäten in Innsbruck und Linz sind es jeweils 128 Stück. Den Kern bilden 1.088 Grafikprozessoren (GPUs) und 880 Zentralprozessor-Einheiten (CPUs). Die geografische Verteilung erhöhe die Widerstandsfähigkeit des Systems und dessen Verfügbarkeit, weil sich die einzelnen Teile auch unabhängig voneinander betreiben lassen. Alles in allem kommt man auf eine Leistung von 45,11 Petaflops – ein Petaflop bedeutet eine Billiarde Rechenoperationen pro Sekunde. Am Standort Innsbruck integriert man auch einen neuartigen Quantencomputer namens „OTTER“, der mit bis zu 20 miteinander quantenmechanisch verbundenen Quanten-Bits („Qubits“) ausgestattet ist, in den neuen Rechnerverbund.
Neueinstieg in Welt-Top-100
Finanziert wurde selbiger über die aus dem EU-Wiederaufbaufonds „NextGenerationEU“ gespeiste Forschungsoffensive „Quantum Austria“ mit 20 Millionen Euro. Zusätzliche 16 Millionen kommen vom Wissenschaftsministerium. Die Integration des Quantencomputers schlug mit zusätzlichen 9 Millionen Euro zu Buche.
MUSICA reiht sich in der sich mitunter rasch verändernden Liste der schnellsten Supercomputer – Stand Juni – unter den Top-100 ein, so die Angaben der Partnerinstitutionen, der TU Wien und TU Graz, der Unis Wien, Innsbruck und Linz, sowie der Universität für Bodenkultur (Boku) und des Institute of Science and Technology Austria (ISTA). Die Services der Infrastruktur stehen „Anwendern aus Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung offen, die einen Bedarf nach sehr hoher Rechenleistung haben“, heißt es. Seit im Mai der Regelbetrieb gestartet ist, wird auf den MUSICA-Systemen – eigentlich eine Art großer Verband einzelner Computer, die allerdings gemeinsam an Aufgaben arbeiten – eifrig gerechnet.
Vormals schnellster Rechner des Landes weit abgehängt
Die neue Infrastruktur sei „ein Meilenstein für den Forschungsstandort Österreich. Der Supercomputer schafft die Grundlage dafür, dass Spitzenforschung, Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien und Innovation auch künftig in Österreich auf höchstem Niveau stattfinden können“ und sichere die technologische Souveränität, wird Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) zitiert. Die Anwendungen reichen etwa von grundlagenorientierten Forschungsfragen, wie etwa aufwendigen Simulationen zur Ausbreitung von elektromagnetischen Wellen, über Fragen aus den Wirtschafts-, Ingenieurs- oder Lebenswissenschaften, der Umweltforschung bis hin zu Berechnungen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz (KI).
MUSICA ist Teil des „Austrian Scientific Computing“-Verbundes (ASC), der auch die beiden vormals schnellsten Rechner des Landes – den „Vienna Scientific Cluster 5“ (VSC-5) und seinen Vorgänger VSC-4 – umfasst. Seinen unmittelbaren Vorgänger überflügelt das neue System um mehr als das Achtfache. Für ASC-Leiter Andreas Rauber vereint MUSICA „zwei Welten, die in der modernen Wissenschaft zunehmend zusammenwachsen: klassische Großsimulation und KI-gestützte Datenanalyse“.
Plädoyer gegen geringere Uni-Budgets
Vor dem Hintergrund der noch unklaren budgetären Situation an den Unis in den kommenden Jahren weist Rauber darauf hin, dass es einer „verlässlichen, planbaren Finanzierung des MUSICA-Betriebs“ bedürfe. Der Quantenphysiker Gregor Weihs – ab März 2027 neuer Rektor der Universität Innsbruck – stößt ins gleiche Horn: Man vereine hier „High Performance Computing, Künstliche Intelligenz und Quantencomputing auf internationalem Niveau“. Würden nun die Uni-Budgets de facto sinken, „trifft das nicht nur Hochleistungsrechnen und KI – es würde auch Österreichs ersten Quantencomputer massiv in seiner Nutzung und Weiterentwicklung betreffen“, wird Weihs zitiert.
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