Ein Millionen-Defizit

„Besorgniserregend!“ FIS ist zum Handeln gezwungen

Ski Alpin
02.10.2026 09:24
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

Die Bilanzen des Internationalen Ski- und Snowboard-Verbandes (FIS) weisen aktuell ein strukturelles Millionendefizit aus. Der Verband ist laut den beim Council-Meeting in Genf präsentierten Zahlen zwar weiterhin schuldenfrei und zahlungsfähig, das Eigenkapital sank im Zeitraum von 2021 bis 2025 unter Ex-Präsident Johan Eliasch aber um fast 50 Prozent von 81 auf 43 Millionen Franken.

Diese alarmierenden Zahlen veranlassten Neo-FIS-Chef Alexander Ospelt zum sofortigen Einlenken. „Die FIS befindet sich in einer kritischen Phase, die sofortiges und entschlossenes Handeln erfordert. Der FIS-Council billigte alle erforderlichen strukturellen und finanziellen Maßnahmen, die nun gemeinsam mit den nationalen Skiverbänden und anderen Partnern ausgearbeitet und umgesetzt werden“, sagte Ospelt am Donnerstag und nannte als Ziele die Wiederherstellung der Finanzdisziplin und den Wiederaufbau finanzieller Nachhaltigkeit.

Johan Eliasch
Johan Eliasch(Bild: Christof Birbaumer)

„Besorgniserregende Zahlen“
ÖSV-Generalsekretär Jan Überall bezeichnete die aktuelle Finanzlage aufgrund von Entscheidungen der früheren Führung als „durchaus besorgniserregend“. Man habe seit 2024 auf die Entwicklungen hingewiesen, ergänzte der Tiroler. Insbesondere das deutlich gesunkene Eigenkapital mache einen raschen Kurswechsel nötig, sagte der seit Anfang September amtierende Überall. Die neue FIS-Führung habe den Eindruck vermittelt, transparent zu agieren und den Ernst der Lage erkannt zu haben. „Nun geht es vor allem darum, Lösungen aufzuzeigen und richtige Entscheidungen zu treffen, um gemeinsam mit den nationalen Verbänden den Turnaround zu schaffen und die FIS wieder nachhaltig auf Kurs zu bringen.“

Jan Überall
Jan Überall(Bild: Jan Überall)

Für DSV-Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach sind die FIS-Finanzen „erschreckend“. Er sprach von einem hinterlassenen „Scherbenhaufen“, der auch die nationalen Verbände fordern würde. „Da reicht die kleine Kehrschaufel nicht, da brauchen wir schon die große Schneeschaufel und da müssen alle anpacken“, sagte Schwarzbach zum Bayrischen Rundfunk und ergänzte: „Wenn die FIS jetzt nicht den Turnaround schafft und nicht sofort entsprechende Gegenmaßnahmen einleitet, wären spätestens in der Saison 2028/29 die Reserven aufgebraucht.“

WM-Pläne zumindest für 2028 verworfen
Der im Juni bei der Präsidentenwahl hauchdünn gegen Eliasch siegreiche Ospelt will unter anderem mit deutlich reduzierten Personal- und Verwaltungskosten gegensteuern. Strategische Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre sollen ausgebügelt oder rückgängig gemacht werden.

Mehr Einnahmen will Ospelt künftig durch jährliche Weltmeisterschaften lukrieren. Seine diesbezüglichen Pläne stoßen aber unter anderem beim ÖSV auf Ablehnung. Auch Topathleten wie die Schweizer Marco Odermatt und Franjo von Allmen („Ich finde es einen Scheiß. So wird der Wert einer WM minimiert“) äußerten sich ablehnend. Kurzfristig kommen wird eine zusätzliche WM nun aber ohnehin nicht. Der FIS-Council entschied sich nämlich dazu, die Idee einer WM 2028 zu verwerfen. An dem Konzept eines zusätzlichen Großereignisses ab 2032 halte man aber fest, wurde bekräftigt.

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