Eine Kreuzfahrt ist ein schwimmendes Hotel, Restaurant, Ausflugsbasis und Rückzugsort zugleich. Besonders für Soloreisende bietet das Konzept überraschende Freiheiten: Man ist allein unterwegs und muss trotzdem nicht allein sein.
Das Schiffshorn dröhnt über das Pooldeck. Für einen Augenblick verstummen die Gespräche, dann setzt sich die „Seven Seas Splendor“ langsam in Bewegung. Ich stehe an der Reling und schaue zurück auf den Hafen, der langsam aus meinem Blickfeld verschwindet. Es ist ein fast feierlicher Moment. Die nächsten Tage muss ich mich weder um ein Hotel noch um die Weiterreise kümmern. Aber wie fühlt es sich an, allein auf einem Schiff mit Hunderten anderen Passagieren unterwegs zu sein?
Ich reise manchmal gern allein. Ich kann dann meinen Tag nach Lust und Laune gestalten und auch einmal stundenlang aufs Meer schauen. Trotzdem bin ich neugierig, wie leicht man an Bord Anschluss findet, wenn man ihn sucht. Auf meiner ersten Kreuzfahrt seit vielen Jahren möchte ich genau das herausfinden.
DER LUXUS, NICHTS ORGANISIEREN ZU MÜSSEN
Die Einschiffung geht schneller, als ich sie in Erinnerung habe. Inzwischen checkt man online ein. Pass und Kreditkarte sind also bereits hinterlegt, das Sicherheitsvideo ist angeschaut. In der Suite wartet mein Koffer. Ich gehe zuerst auf den Balkon: frische Luft, Meerblick und ein paar Minuten, um wirklich anzukommen. Das Hotel fährt diesmal einfach mit. Einmal auspacken, mehrere Orte entdecken. Das ist ein angenehmer Gedanke.
Im Tagesprogramm stehen Ausflüge, Vorträge, Sport, Wellness und die Öffnungszeiten der Restaurants. Gleichzeitig frage ich mich, wie viele dieser Programmpunkte ich tatsächlich nutzen werde. Auf einer Reise allein muss ich mich zum Glück mit niemandem darüber einigen.
GESELLSCHAFT NUR DANN, WENN MAN SIE MÖCHTE
Gut eine Stunde später gehe ich in die Observation Lounge auf Deck 11. Jemma, eine junge Engländerin, betreut die geselligen Aktivitäten an Bord und hat die Alleinreisenden zum Kennenlernen eingeladen. Zunächst klingt das nach einem klassischen Programmpunkt. Tatsächlich ist es eine unkomplizierte Gelegenheit, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Genau darin liegt eine der großen Stärken einer Solo-Kreuzfahrt. Man kommt allein an Bord, aber man muss nicht allein bleiben.
Jemma erzählt, dass sich manche Gäste für einen Landausflug verabreden oder gemeinsam essen gehen. Andere schauen nur kurz vorbei. Genau das gefällt mir: Wer Gesellschaft möchte, findet einen Anfang. Wer lieber allein frühstückt, einen Vortrag besucht oder am Pool ein Buch liest, muss sich dafür nicht erklären.
PREISBEISPIELE mit Schwesternschiff „Seven Seas Navigator“
Alleinreisen bedeutet hier allerdings nicht, dass man automatisch neue Freunde findet. Ob man miteinander ins Gespräch kommt, hängt auch von den anderen Gästen und der eigenen Lust darauf ab. Die Einladung am ersten Abend nimmt zumindest eine kleine Hürde. Mein Tipp für Alleinreisende: Hingehen, auch wenn man noch nicht weiß, ob man bleiben möchte.
EIN SCHWIMMENDES HOTEL MIT VOLLPENSION
Die „Seven Seas Splendor“, gebaut in der italienischen Fincantieri-Werft und 2020 in Dienst gestellt, ist kein riesiges schwimmendes Ferienresort, sondern mit 375 Balkonkabinen durchaus überschaubar. 750 Passagiere, die von rund 550 Crewmitgliedern umsorgt werden. Das All-inklusive-Konzept kostet vielleicht auf den ersten Blick mehr, aber man weiß ziemlich genau, wie hoch der Reisepreis schlussendlich ist.
Jedes Essen (auch in den Spezialitätenrestaurants), die Getränke, Trinkgelder, alles ist berücksichtigt, sogar Wäscheservice. Es entstehen keine Nebenkosten, selbst die meisten Landausflüge sind inbegriffen. Natürlich könnte man trotzdem Geld ausgeben, etwa im Spa, beim Friseur oder in der Boutique. Das kann dann auch wirklich teuer werden. Es lohnt sich also, vor der Buchung genau zu prüfen, welche Leistungen für die gewählte Reise eingeschlossen sind.
SPEZIALITÄTEN-RESTAURANTS
(Tipp: unbedingt im Vorfeld reservieren)
Auch kulinarisch ist für Abwechslung gesorgt. Mein Tipp: Spezialitäten-Restaurants am besten vor oder gleich zu Beginn der Reise reservieren.
DIE FRAGE NACH DEM GUTEN GEWISSEN
Für mich gehört zu einer Kreuzfahrt auch die Frage nach ihren Auswirkungen auf Umwelt und bereiste Orte.
Ich versuche im Alltag, Ressourcen zu sparen. Deshalb verschwindet diese Frage nicht, sobald ich an Bord gehe. Eine Kreuzfahrt bleibt eine Reise mit erheblichem Ressourcenverbrauch. Ich möchte sie weder schönreden noch so tun, als gäbe es darauf eine einfache Antwort.
Die Kreuzfahrt ist der sichtbare Teil der zivilen Schifffahrt, obwohl sie nur etwa ein Prozent ausmacht. Der Markt wächst. Kreuzfahrten zählen weiterhin zu den beliebten Urlaubsformen der Österreicher (Quelle: ÖAMTC). Ich begrüße es, dass Schiffsreisen nicht mehr als elitär gelten, sondern leistbar geworden sind. Ich finde es auch gut, dass Reedereien in neue Technik investieren, Filter und Kläranlagen einbauen. Wer sich dafür entscheidet, sollte sich vor der Buchung über Schiff, Anreise und Route informieren und auch an Land respektvoll mit den besuchten Orten umgehen. Für mich ist bewusstes Reisen hier eine Haltung, keine Entwarnung.
FÜR WEN SICH DIESE REISEFORM LOHNT
Am meisten überrascht mich an Bord die Freiheit zwischen Rückzug und Begegnung. Morgens allein auf dem Balkon sitzen, später mit anderen einen Ausflug unternehmen: Beides hat Platz. Dazu kommt der Komfort, nicht täglich Unterkunft, Transport und Essen organisieren zu müssen. Für Menschen, die allein reisen und dennoch gelegentlich Gesellschaft suchen, ist das eine interessante Kombination.
Noch einmal zusammengefasst, hier die Punkte, die für eine Kreuzfahrt alleine sprechen:
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