„Krone“-Interview

Nico Santos: „Ich fluche am liebsten auf Spanisch“

Musik
24.09.2026 10:00

Sänger und „The Voice“-Juror Nico Santos zählt derzeit zu den spannendsten Künstlern der deutsch- und englischsprachigen Szene. Im „Krone“-Talk spricht er über seine Mehrsprachigkeit, seinen bevorstehenden Wien-Auftritt, einen ziemlich erfolgreichen Song „ohne ihn“ und den prägenden Rat von Rapper Sido.

kmm

Zwischen rotem „The Voice“-Drehstuhl, Tonstudio und großen Konzertbühnen wechselt Nico Wellenbrink derzeit die Rollen – und sogar die Künstlerpersönlichkeit. Als Nico Santos steht der 33-Jährige für englischsprachigen Pop, als SANTOS für deutschen R&B und Hip-Hop. Am 30. Oktober erscheint mit „POV“ sein viertes Studiowerk unter dem Namen Nico Santos – diesmal als englischsprachiges Doppelalbum.

Zuletzt begeisterte er im Juli beim Donauinselfest, nun kehrt er am 9. November in die Wiener Stadthalle zurück. „Österreich ist etwas ganz Besonderes. Die Menschen tragen so eine Liebe in sich – und die spürt man, wenn man auf der Bühne steht“, schwärmt er im „Krone“-Gespräch. Auch seine Band würde auf die Frage nach dem coolsten Konzert des Jahres ohne Zögern das Donauinselfest nennen, ist er überzeugt.

„Hatte das Glück, dass ich mehrsprachig aufgewachsen bin“: Diese Vielfalt prägt seine Musik bis ...
„Hatte das Glück, dass ich mehrsprachig aufgewachsen bin“: Diese Vielfalt prägt seine Musik bis heute.(Bild: Timo_Wagner)

Alle kommen auf ihre Kosten
Diesmal möchte er seine unterschiedlichen Klangwelten in einer gemeinsamen Show vereinen. Englische Hits treffen auf deutsche Songs, auch seine mallorquinischen Wurzeln dürfen dabei nicht fehlen. „Mein Herz pocht auch ganz doll für spanische Musik.“ Seit Anfang des Jahres werde deshalb an der perfekten Setlist gearbeitet. „Egal, für welchen Teil die Fans da sind, es sollen alle auf ihre Kosten kommen.“

Auch für die Familie soll unterwegs Platz bleiben. Wo es die Reiseroute zulasse, komme sie mit, andernfalls helfe Videotelefonie. „Ich glaube, wir haben da unseren perfekten Plan gefunden.“ Wichtig sei eine Mischung aus gemeinsamer Zeit und der Möglichkeit, sich ganz auf die Show zu konzentrieren.

Dass bei ihm verschiedene Seiten einfach zusammengehören, zeigt sogar „POV“. Mit „Personal“ und „Optimist“ widmet sich das Doppelalbum sowohl dem nachdenklichen als auch dem zuversichtlichen Nico. Welche Seite ihm gerade näher ist? „Beide, zu hundert Prozent.“ Er sei ein optimistischer, euphorischer Mensch, ziehe sich aber auch gerne zurück. Schon beim Schreiben habe er gemerkt, dass seine Songs mehr als ein Album ergeben würden.

Schnelle Runde

  • Das macht mich vor einer Show noch immer nervös:
    Wenn, Freunde oder Familie da sind.
  • In dieser Sprache fluche ich am liebsten Spanisch: 100 % Spanisch (lacht). Das macht mir am meisten Spaß.
  • Meine schlimmste Angewohnheit im Studio:
    Dass ich eigentlich nicht aufhören kann, währenddessen zu essen oder zu trinken. Man ist die ganze Zeit am Denken und ich brauche immer Food for thoughts.
  • Diese meiner Hits singe ich gerne unter der Dusche:
     Ich glaube ehrlich gesagt immer alle Songs vom letzten Album (lacht).
  • Als ich 16 war, hing dieses Poster in meinem Zimmer:
    Michael Jackson und Justin Timberlake.

Sein deutsches Projekt ist damit keineswegs abgeschlossen. „SANTOS wird auf jeden Fall dauerhaft bleiben“, betont er. Dahinter stecke auch die Sehnsucht nach seiner früheren Arbeit als Songwriter und Backgroundsänger. Der Austausch mit anderen Künstlern im Studio habe ihm gefehlt. 

Früher „Edelpraktikant“ heute Vollblut-Musiker
Sein Weg auf die großen Bühnen begann allerdings hinter den Kulissen. Vor rund elf Jahren war der „Rooftop“-Interpret bei den Produzenten Beatzarre und Djorkaeff noch „quasi der Edelpraktikant“ im Studio und half beim Songwriting. Einen prägenden Rat erhielt er damals von Sido: „Es ist besser zu wissen, was du nicht kannst, als das, was du gut kannst. Konzentriere dich auf die Sachen, die du gut kannst, und werde darin besser.“ Für Santos war es sein „erstes richtiges Learning“.

An diese Lehrjahre denkt er gerne zurück. Feste Uhrzeiten habe es kaum gegeben, dafür Musik vom Aufstehen bis tief in die Nacht. Auch mit Shindy arbeitete er damals eng zusammen. Schon während der Arbeit an dessen Album „Dreams“ habe er gespürt, Teil von etwas Großem zu sein. Etwas anders machen? Für Santos keine Option. „Alle Fehler, die ich begangen habe, trage ich mit Stolz mit mir.“

Prägend: Rapper Sido gab Nico einst einen Rat, den dieser bis heute nicht vergessen hat.
Prägend: Rapper Sido gab Nico einst einen Rat, den dieser bis heute nicht vergessen hat.(Bild: NicoSantos/Instagram)
Als „The Voice of Germany“-Juror feierte er 2025 seinen Team-Sieg.
Als „The Voice of Germany“-Juror feierte er 2025 seinen Team-Sieg.(Bild: SAT1_ORF_ZDF)

„Sex ohne Grund“
Aus dieser Zeit stammt auch ein Hit, bei dem seine Stimme vielen vertrauter sein dürfte als sein Name: Für „Sex ohne Grund“ von Ali Bumaye und Shindy sang Santos den Refrain, wurde aber auf eigenen Wunsch nicht als Feature genannt. Kurz zuvor war „Home“ mit Topic erschienen. Bei dem Rap-Projekt habe er sich eher als Komponist verstanden und selbst gar nicht ins Rampenlicht gewollt. „Ich war einfach stolz, ein Teil davon zu sein.“

Wie schnell das Lied einschlug, erlebte er vor seiner damaligen Wohnung: Auf einem Basketballplatz hörten Kinder den Song rauf und runter. Heute arbeitet er mit Musikern zusammen, die damals selbst noch Kinder waren und diese Musik als prägend erlebt haben. Für ihn sei das „der schönste Plot Twist“. Und ein Wiedersehen mit Ali Bumaye im Studio? „Hundert Prozent“, antwortet Santos. „Ali ist einer der wirklich korrektesten, tollsten Menschen.“ Die beiden hätten erst kürzlich miteinander gesprochen. Sobald Album und Tour wieder mehr Luft ließen, wolle man sich im Studio treffen. Ob daraus eine Fortsetzung von „Sex ohne Grund“ oder ein neuer Song wird, bleibt offen. „Bei mir ist immer die Tür offen“, versichert er.

TV-Jurymitglied auch 2026
Mittlerweile gibt er sein Wissen selbst an junge Talente weiter. Mit Anne Mosters gewann er die vergangene Staffel von „The Voice of Germany“. Schon nach ihrem Ausscheiden zwei Jahre zuvor hatte er ihr geschrieben, weil er die Entscheidung kaum fassen konnte. Dass sie einen weiteren Versuch wagte und schließlich in seinem Team gewann, freute ihn umso mehr. Besonders schön findet er, dass ihre gemeinsame Geschichte nicht mit der Sendung endete. „Es ist eben nicht nur eine Show. Auch draußen geht es weiter – Anne ist jetzt Teil meiner Tour.“ Ob er diesen Erfolg heuer wiederholen kann, bleibt abzuwarten.

Ob Coach, Sänger oder Songwriter – auf eine Rolle festlegen lassen will sich Nico ohnehin nicht. Und auch sprachlich hält er sich alle Möglichkeiten offen. Nur wenn er sich ärgert, hat er einen klaren Favoriten: „Ich fluche am liebsten auf Spanisch, das macht am meisten Spaß!

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