Salzburgerland

Sonnenverwöhnt und seenreich durch den Lungau

Reisen & Urlaub
17.09.2026 10:45

Der Salzburger Lungau zählt mehr als 60 Bergseen – so viele wie keine andere Region in Europa. Wie Perlen liegen sie zwischen Almen und Dreitausendern verstreut. Und es gibt kaum etwas Schöneres, als bei einer Bergtour in diese eiskalte Realität einzutauchen.

Die Sonne steht hoch über dem Riedingtal im Lungau. Der Pfad zur Franz-Fischer-Hütte geht in seinen letzten, steilen Abschnitt über. Seit der König-alm bin ich etwa dreieinhalb Stunden unterwegs. Zunächst hinauf zum Haselloch auf 2135 Meter. Von dort reicht der Blick bis zum Tappenkarsee im benachbarten Pongau.

Durch die alpine Seenlandschaft
Anschließend wandert man über den höchsten Punkt der Route unterhalb des Schierecks auf 2260 Metern. Am Weg liegen der Ilgsee und Hoislsee. Im klaren Wasser spiegeln sich Schleierwolken und Grat wider. Eine kurze Rast, der Puls beruhigt sich, die Füße kühlen im alpinen Nass ab. Dann geht es weiter.

Die Herbsttage im Lungau sind für stabiles Wetter und ungetrübte Fernsicht bekannt.
Die Herbsttage im Lungau sind für stabiles Wetter und ungetrübte Fernsicht bekannt.(Bild: Salzburger Lungau)

Fels löst Almboden ab. Auf 2020 Metern liegt schließlich der Zaunersee in Sichtweite – und mit ihm mein Etappenziel, die Franz-Fischer-Hütte. Am Ufer setze ich mich auf einen sonnengewärmten Stein, der die Form einer Liege hat. Gegenüber, auf einer Anhöhe, steht die Hütte, dahinter ragen kahle Gipfel.

Halleluja am Berg
Rechts von mir, in einer kleinen Bucht, kommen andere Wanderer an. Kleidung fällt zu Boden, Körper gleiten ins Wasser. „Herrlich!“, ruft jemand. „Ah, ist das kalt!“ Kurz darauf: „Wahnsinn, wie erfrischend!“ Vom Hügel links weht Gesang herüber, kräftig und getragen. Die jährliche Bergmesse von Zederhaus hat begonnen. Pfarrer Peter Schwaiger breitet die Arme aus. Seine Predigt wirkt zwischen den Gipfeln ebenso eindringlich wie die Landschaft selbst. Neben ihm Leo Stöckl, seit sechzig Jahren Stimme des Singkreises Zederhaus.

In dieser himmlischen Kulisse wage auch ich eine Abkühlung im Zaunersee. Das Wasser ist eisig. Zunächst ein Schock, dann ein feines Prickeln auf der Haut. Einen Moment bleibe ich nur stehen und spüre, wie der Körper herunterfährt. Der Atem wird ruhiger, die Muskeln entspannen sich. Die Gedanken werden „still“. Es gibt nur noch das kalte Wasser und die warmen Sonnenstrahlen.

Tisch, Aussicht, Müdigkeit und Freude teilen
Die Franz-Fischer-Hütte ist für die Nacht ausgebucht – wie an den meisten Tagen der Saison. Wanderer sitzen beisammen, erzählen von ihren Touren und stoßen auf einen gelungenen Tag an. Fremde begegnen einander, als würden sie sich schon lange kennen. Bergerlebnisse verbinden. Auf der Hütte teilt man ganz selbstverständlich den Tisch, die Aussicht, Erfahrungen, Müdigkeit und die Freude miteinander.

Evelyn und Tom sorgen auf der Franz-Fischer-Hütte für eine grüne Auszeit. Gekocht wird ...
Evelyn und Tom sorgen auf der Franz-Fischer-Hütte für eine grüne Auszeit. Gekocht wird vegan-vegetarisch.(Bild: Georg Kukuvec)

Am Abend sitzt alles bunt gemischt an den Tischen. Aus der Küche kommen Teller um Teller. Was Hüttenwirtin Evelyn kredenzt, ist ausschließlich vegan und vegetarisch – und alles andere als bescheiden. Würzig, herzhaft, auf höchstem Niveau. Selbst erklärte Fleischesser sind begeistert. „Oh, Wahnsinn, das schmeckt köstlich“, hört man immer wieder. Nichts bleibt übrig.

Zitat Icon

Essen ist mehr als bloße Sättigung – es ist Ausdruck einer bewussten Entscheidung.

Evelyn Matejka in ihrem Buch: „Am Hüttentisch“, Pichler-Verlag

Evelyn kocht nahezu im Alleingang, ruhig, konzentriert. Dabei ist ihr der Stolz anzumerken, am Ende eines langen Tages zahlreiche Gäste mit „grüner Energie“ versorgt zu haben. Tom, der Hüttenwirt, scheint überall gleichzeitig zu sein. Er begegnet jedem Gast freundlich und ist nie aus der Ruhe zu bringen. Um 22 Uhr wird es still. Hüttenruhe.

Paradies für Seenwanderer
Der Salzburger Lungau ist Österreichs größter UNESCO-Biosphärenpark und zählt zu den sonnenreichsten Regionen des Landes. Mehr als 60 Bergseen prägen die Landschaft und erzählen ihre eigenen Geschichten. Bei Tamsweg liegt der Prebersee, ein dunkler Moorsee, um den sich die Sage von der goldenen Egge rankt und der zugleich Schauplatz des berühmten Preberseeschießens ist. Im Lignitztal erzählt man von Zauberfischen, bei den Landschitzseen von den Kasamandln. Im Weißpriachtal liegen der Wirpitschsee und der Twenger Almsee, eingebettet in eine Landschaft aus Almen, Karen und schroffen Gipfeln.

Für Entdecker dieser vielfältigen Bergseenwelt hält der Lungau maßgeschneiderte Routen bereit. Die Auswahl reicht von gemütlichen Tageswanderungen bis zu mehrtägigen Hüttentouren.

Ein Wochenende, fünf Bergseen: Von der Königalm, ideal mit dem Tälerbus erreichbar, bis zur ...
Ein Wochenende, fünf Bergseen: Von der Königalm, ideal mit dem Tälerbus erreichbar, bis zur Franz-Fischer-Hütte und hinunter zur Schliereralm. Vorbei am Essersee, einem kristallklaren Naturjuwel im Naturpark Riedingtal.(Bild: KroneKREATIV)

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