Altkanzlerin deutlich

Nach CDU-Debakel: Merkel zieht Adenauer-Vergleich

Außenpolitik
22.09.2026 21:12
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die deutsche CDU erlebt in Mecklenburg-Vorpommern ein historisches Debakel und verpasst erstmals in ihrer Geschichte den Einzug in einen Landtag. Einen Tag später erinnert Altkanzlerin Angela Merkel ihre Partei an die Wurzeln der Christdemokraten – und an eine politische Idee, die sie für Volksparteien bis heute entscheidend findet.

Bei der Eröffnung der Ausstellung „Kokoschkas Adenauer, Warhols Brandt“ im Berliner Bundestag sprach Merkel über den ersten deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer. Dabei stellte sie den verbindenden Charakter der CDU und das „Brückenbauen“ zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen in den Mittelpunkt.

„An einem Tag wie heute und nach einem Abend wie gestern lohnt es sich vielleicht, auch noch mal nachzudenken: Was können wir von Konrad Adenauer übernehmen?“, sagte Merkel mit Blick auf die Wahlen vom Sonntag.

Adenauer habe aus den Fehlern der Geschichte gelernt, dass es wichtig sei, „Menschen einzuladen, alle Menschen anzusprechen, dass es wichtig ist, sich der eigenen Werte bewusst zu sein“, erklärte die frühere Kanzlerin. Für Adenauer sei zudem klar gewesen, dass die CDU aus drei gleichberechtigten Wurzeln bestehe: „konservativ, liberal, christlich-sozial“.

Merkel: „Ich denke, das muss der Anspruch sein“
Für Adenauer habe das bedeutet, Brücken zwischen unterschiedlichen Gruppen zu bauen – etwa zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Männern und Frauen sowie zwischen Umwelt und Wirtschaft. Auch Stadt und Land, die verschiedenen Konfessionen und die Generationen sollten miteinander verbunden werden. „Ich würde heute hinzufügen: zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte“, sagte Merkel.

Damit formulierte die ehemalige CDU-Chefin zugleich einen Anspruch an ihre frühere Partei. „Ich denke, das muss der Anspruch einer Volkspartei sein, das hat er uns mitgegeben“, sagte Merkel. Das Brückenbauen sei heute zwar „sicherlich nicht einfacher geworden“, müsse aber weitergehen.

Merkel und Adenauer

Anlass für Merkels Auftritt war die Ausstellung im Bundestag. Im Mittelpunkt stehen zwei Porträts früherer deutscher Bundeskanzler: Oskar Kokoschkas Porträt von Konrad Adenauer sowie Andy Warhols Darstellung von Willy Brandt. Das Adenauer-Bild begleitet Merkel bereits seit Jahren und hing nach ihren Angaben sowohl während ihrer Zeit als Unionsfraktionsvorsitzende und Bundeskanzlerin als auch danach in ihren Büros.

Kein direkter Angriff auf Merz
Auf das konkrete Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern ging Merkel dabei nicht näher ein. Auch die AfD oder Bundeskanzler Friedrich Merz erwähnte sie nicht namentlich. Dennoch fiel ihre Rede unmittelbar nach dem historischen Abschneiden der CDU im Nordosten. Merkel selbst hatte ihren Bundestagswahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern. Bei der Landtagswahl am Sonntag verpasste die CDU dort erstmals in ihrer Geschichte den Einzug in ein Landesparlament.

Die Altkanzlerin verwies außerdem auf eine politische Welt, die von kurzfristigen Entwicklungen und kurzlebigen Medien geprägt sei. Gerade deshalb sei es wichtig, „dass man seine Wurzeln kennt“. 

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