Wirbel am „Teufelsrad“

Skandal nach Tausenden Spanner-Videos von Wiesn

Deutschland
20.09.2026 09:37

Kurz nach dem Start des Oktoberfests am Samstag sorgt ein widerlicher Fall für Aufregung. Im Mittelpunkt steht eines der bekanntesten Fahrgeschäfte der Münchner Wiesn: das „Teufelsrad“. Dort werden Frauen beim Fahren gezielt gefilmt, wenn Röcke oder das Dirndl verrutschten. Schon jetzt gibt es Zehntausende Aufnahmen im Netz.

Dicht zusammengedrängt sitzen zahlreiche Wiesn-Besucher auf dem Teufelsrad, einem der ältesten und bekanntesten Fahrgeschäfte des Oktoberfests. Schon dreht sich die glatte Scheibe im Kreis, wird zunehmend schneller, die Röcke fliegen hoch und so mancher Gast purzelt lachend nach außen – Halt gibt es kaum. Eigentlich ist das sogenannte „Derblecken” eine harmlose „Gaudi“ für die vielen johlenden Zuschauer rundherum. Doch das Handy wird nicht nur aus „Spaß“ gezückt. 

In Zeiten von Mobiltelefonen und Videokameras ist das seit 1908 installierte Teufelsrad längst kein sicherer Ort mehr. Kurz nach Start der Wiesn wurden allein auf Instagram und Facebook mehr als 32.000 Videos gepostet – TikTok und YouTube nicht eingerechnet. Viele dieser Aufnahmen zeigen Frauen ohne deren Einwilligung in intimen Situationen. Das nennt man Upskirting.

Upskirting strafbar

Upskirting ist in Deutschland – wie auch in Österreich – seit 2021 strafbar. Wer heimlich unter Röcke oder Kleider filmt, solche Aufnahmen verbreitet oder weitergibt, muss mit Geldstrafe oder sogar Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren rechnen.

Kostenpflichtige Abos verkauft
Einige Zuseher belassen es nicht bei einem einmaligen Posting, so „Euronews“. Sie laden immer wieder Videos ins Netz, versehen diese mit Schlagworten und generieren damit sogar kostenpflichtige Abos - sogar auf Pornoseiten! Es geht also nicht nur um Voyeurismus, sondern auch um Reichweite – und Geld.

„Garantiert nicht politisch korrekt“
Zeitstress gibt es für Filmende nicht. Wer einmal den „günstigen Eintritt“ bezahlt hat, darf „so lange bleiben, wie er mag. Wer sich auf die Drehscheibe wagt, sollte allerdings ein bisserl was aushalten, sowohl körperlich als auch mental“, heißt es auf der Website des Oktoberfests, denn hier sei man „garantiert nicht politisch korrekt“. Aufgrund des aktuellen Skandals muten diese Worte etwas ironisch an.

Hier eines der Videos ohne „tiefe Einblicke“ – dank Radlerhose unterm Dirndl:

Gratis Radlerhosen verteilt
Die Betreiber des Teufelsrads hatten versucht gegenzusteuern. Es gibt Hinweise, dass das Fotografieren und Filmen fremder Personen verboten ist. Besucherinnen werden zudem kostenlose Radlerhosen angeboten, die unter dem Dirndl getragen werden können. Doch nicht alle Frauen nehmen das Angebot in Anspruch, die Warteschlangen vor der Ausgabe sind lang.

Tatort Teufelsrad: In dem legendären Fahrgeschäft werden unfreiwillige Entblößungen gefilmt und ...
Tatort Teufelsrad: In dem legendären Fahrgeschäft werden unfreiwillige Entblößungen gefilmt und ins Netz gestellt.(Bild: Krone-Collage/EPA/ANNA SZILAGYI, Oktoberfest.de)

Wiesn-Chef: „Sauerei“
Oktoberfest-Chef Christian Scharpf verurteilt das heimliche Filmen klar und nennt es eine „Sauerei“. Gleichzeitig betont er, dass das „Teufelsrad“ ein traditionsreiches Fahrgeschäft sei. Nicht dieses sei das Problem, sondern all die Personen, die Frauen dort heimlich filmen und die Aufnahmen ins Internet stellen.

Auf dem Oktoberfest gibt es seit Jahren Hilfsangebote für Frauen und Mädchen, die belästigt wurden oder sich bedroht fühlen. Der Safe Space der Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ bietet Unterstützung direkt auf dem Festgelände. Wer einen Vorfall beobachtet oder selbst betroffen ist, sollte rasch Hilfe holen und die Polizei verständigen.

Für die Opfer der „Teufelsrad“-Spanner endet die Tat nicht auf der Wiesn, sondern als bewegtes Bildmaterial im Internet – zeitlich unbegrenzt und 24/7 abrufbar ...

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