Mo, 16. Juli 2018

Zwergerlaufstand

08.12.2014 17:00

Audi S1: Pfeif auf die Tradition!

Eine Rennsemmel muss knallfarben sein. Knallgelb, wie er auf dem Genfer Salon gestanden ist, hätte ich ihn erwartet, den Audi S1 Sportback quattro. Und dann steht er in Unscheingrau in der Tiefgarage in Wien 1. Hat was, denn so bleibt mehr Aufmerksamkeit für die inneren Werte des S1. Der pfeift übrigens nicht nur auf die Farbenlehre.

S1, ja, das war mal eine Audi-Ikone, die in Wahrheit nur vom Walter Röhrl "zum Derfahren" war. Wurscht, Vergangenheit. A1 ist die Baureihe, die wir hier haben, S heißen bei Audi die Sportler. Eine Frage der Zeit, wann sie bei BMW einen M1 aus der 1er-Reihe ableiten? Wohl kaum, sie haben die 1er rechtzeitig zum 2er aufgewertet und bringen halt einen des Traditionsbruchs unverdächtigen M2. Aber wir verlieren uns.

Mit dem S1 will Audi zeigen, wo der Hase langläuft in der kleinen Klasse, im wahrsten Sinn des Wortes, denn der S1 schlägt unglaubliche Haken, um mit Verve aus der Ecke rauszupfeffern, dass sich der Asphalt festkrallen muss, um nicht im Graben zu enden. Der Turbolader spricht leicht verzögert, aber sehr vehement an, dann mobilisiert der Zweiliter-Direkteinspritzer 231 PS, ab 1.600/min. fallen 370 Nm über alle vier Räder her, die insgesamt nur 1.340 kg zu bewegen haben (ohne Fahrer); bei 6.800/min. greift sanft der Begrenzer ein. Fürs Familienalbum: 0-100=5,9.

Die stramme Haltung des Fahrwerks nehme ich gerne an, denn sie gibt Halt in allen Lebenslagen. Vierlenkerhinterachse, ja, so darf das bei einem Kleinwagen sein. Die elektromechanische Servolenkung ist gut, vermittelt jedoch nicht ganz das Gokart-Feeling eines Mini John Cooper Works.

Ein wenig lässt sich das Ganze auch auf Knopfdruck beeinflussen, Audi Drive Select erlaubt es, die Arbeitsweise des Motors, der Klimaautomatik und der serienmäßigen schaltbaren Stoßdämpfer in mehreren Stufen zu variieren. Das ESC ist zweistufig abschaltbar und hat eine integrierte elektronische Quersperre, die den Fahrer mit feinen Bremseingriffen an den kurveninneren Rädern unterstützt. An der Hinterachse sitzt eine Haldex-Kupplung der neuesten Generation wie im S3. Geschaltet wird ausschließlich manuell per Sechsganggetriebe, das extrem kurz gestuft ist. Irgendwie hofft man immer auf einen siebten Gang. Bei 125 km/h im sechsten dreht der Motor 3.000/min.

Ein bissl Halbstarken-Ornat gibt es natürlich doch. So hat der Testwagen knallrote Bremssättel, die er aber verschämt mit Bremsstaub eingeschmiert hat. Ein Dachspoiler thront über der Heckklappe, während darunter ein Diffusor und zwei Doppelauspuffendrohre (zu Recht) einen auf dicke Hose machen. Unnötig ist allerdings das Schmutzfänger-Wabenplastik, das viele Hersteller (zu Unrecht) wohl als den Inbegriff von Sportlichkeit sehen. Schön sind die LED-Heckleuchten mit der neuen Grafik sowie die Xenons.

Innen herrliche Sportsitze mit Optionalnappa, die sich an ihre Besetzer schmiegen und bereits andeuten, was die Fuhre bereithält. Schon optisch, denn die Rückseiten bestehen aus einer glänzend harten Kunststoffschale. Sonst ist der Innenraum abgesehen von roten Nähten eher unauffällig, mit Audi-typischer technoider Nüchternheit und einem vorbildlich einfahrbaren Display.

Als Familienkutsche taugt der Kleine nicht, es ist eng auf den beiden hinteren Einzelsitzen und der Kofferraum fasst nur 210 Liter. Dafür passt umso mehr Spaß ins Auto. Allerdings braucht man schon viel Überzeugungskraft, um den Familienrat davon zu überzeugen, dass 50.000 Euro (Testwagenpreis) für einen Freudenfloh eine vernünftige Anschaffung sind. Man kann den Papa mit dem S1 ja nicht mal zum Einkaufen schicken – wenn er vom Billa heimkommt, sind sicher die Eier kaputt und die Milch sauer.

Warum?

  • Weil er so brachial aus dem Eck rausschießt
  • Spaßfloh, der irgendwie doch vernünftig wirkt

Warum nicht?

  • Bräuchte einen 7. Gang

Oder vielleicht …

… VW Polo R WRC, Ford Fiesta ST, Opel Corsa OPC etc.

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