Russland unter Druck

Kiew im Sold-Rausch, Putin jammert über Drohnen

Außenpolitik
12.06.2026 21:56
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Ukraine kämpft mit einem Soldatenmangel, möchte daher deren Sold glänzen lassen. Während sich Kremlchef Wladimir Putin nur mit der Anzahl seiner Streitkräfte brüsten kann und eingestehen muss: Kiews Drohnen spalten sein Land.

Das ukrainische Ministerium will den Militärdienst mit befristeten Verträgen von höchstens zwei Jahren und einer anschließenden Rückstellung von mindestens sechs Monaten attraktiver machen. Fahnenflüchtige sollen mit Strafbefreiung und freier Wahl der Einheit zurückgeholt werden. Ab Jahresende erhalten lang dienende Soldaten demnach auch die Möglichkeit einer Entlassung.

„Die ukrainischen Infanteristen werden zu den bestbezahlten Militärspezialisten in der Welt“, kündigte das Verteidigungsministerium in Kiew in einem Video an. Im Schnitt dürften ukrainische Soldaten umgerechnet rund 5800 Euro erhalten. Der Höchstsatz für Fronteinsätze soll für ukrainische Soldaten auf fast 8900 Euro monatlich angehoben werden. Und der Einstiegssold für alle Soldaten der Ukraine künftig um 50 Prozent auf knapp 580 Euro steigen. 

Verstärkte Anwerbung von Söldnern
Verstärkt setzt Kiew dabei auch auf ausländische Söldner. „Das ehrgeizige Ziel: Mehr als 50 Prozent der Sturmtruppen und Infanteristen sollen Legionäre sein“, hieß es in der Ankündigung. Die Anwerbung soll dabei weltweit durch private Rekrutierungsunternehmen erfolgen.

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits Anfang Mai eine Armeereform mit erheblichen Soldanhebungen versprochen. Am Freitag bekräftigte er diese Absicht: „Die Ressourcen sind für eine Erhöhung der Zahlungen in der Armee vorhanden“. Woher das Geld für die Reform kommen soll, sagte er nicht. Das osteuropäische Land ist in erheblichem Maße von ausländischen Zuwendungen abhängig. Die Wirtschaft schrumpft wieder. Und die Zentralbank wertet seit Monaten die Landeswährung Hrywnja schrittweise ab, um Budgetlöcher leichter mit ausländischen Krediten zu stopfen. Beinahe die Hälfte des ukrainischen Staatshaushalts hängt dabei von ausländischen Geldern ab.

Putin sprach mit Soldaten
Anlässlich des Nationalfeiertags sprach Putin mit Soldaten im Kreml, auch Verteidigungsminister Andrej Beloussow war dabei. Vor den Soldaten gab sich der russische Staatschef weiter siegesgewiss in dem vor mehr als vier Jahren von ihm befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine. „Schritt für Schritt, nicht so schnell wie wir gern würden, aber wir schreiten trotzdem voran, wir schreiten jeden Tag voran“, sagte Putin. Außerdem drohte er, Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur auszuweiten, um der Ukraine „die Lust zu nehmen“, zivile Objekte in Russland anzugreifen.

Der Kremlchef posierte am Freitag mit russischen Soldaten, die in der Ukraine im Einsatz sind, ...
Der Kremlchef posierte am Freitag mit russischen Soldaten, die in der Ukraine im Einsatz sind, im Kreml.(Bild: AP/Vyacheslav Prokofyev)

Schon im Dezember hatte er bei seiner Jahrespressekonferenz und Bürgersprechstunde von rund 700.000 Soldaten im Gebiet des Ukraine-Kriegs gesprochen. Damals erklärte er, es handle sich überwiegend um junge Leute, darunter die Generationen der 1990-er Jahre.

Klagen über ukrainische Drohnen
Die Soldaten sprachen viel über Probleme durch Drohnen, die das ukrainische Militär einsetze und dafür auch das Satellitenkommunikationsnetz Starlink nutze. Dazu hatte Russland Anfang des Jahres den Zugang verloren.

Putin räumte ein, dass die Ukraine den Einsatz von Drohnen verstärkt habe, um die russische Gesellschaft zu spalten und wirtschaftlichen Schaden zuzufügen. Doch das gelinge nicht. Außerdem erklärte er, dass Russland Drohnen mit künstlicher Intelligenz entwickle und ein eigenes Satellitennetz in niedriger Umlaufbahn aufbaue. Technisch sei das Problem gelöst, es gehe nur um die Erweiterung.

Kiews Militär setzt bei seinen Gegenangriffen seit Monaten auf Drohnenattacken gegen die russische Ölindustrie, bringt Moskau damit zunehmend in Bedrängnis. Russische Besatzungsbehörden schränkten zuletzt die Ausgabe von Benzin ein und der Export von Kerosin aus Russland wurde zunächst bis Ende November untersagt.

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