Epileptische Anfälle treffen Menschen oft aus heiterem Himmel und verändern ihr Leben schlagartig. Moderne Therapie setzt laut Experten deshalb nicht nur auf Anfallskontrolle, sondern auf ein Gesamtziel: ein sicheres, selbstbestimmtes Leben mit bestmöglicher Gesundheit.
Epilepsie ist häufiger, als viele denken: Rund ein Prozent der Bevölkerung lebt damit. Und bei acht bis zehn Prozent kommt es im Laufe des Lebens zu Anfällen teils ohne erkennbaren Auslöser – also ohne Fieber, Unfall, Vergiftung oder andere äußere Gründe. Diese „unprovozierten Anfälle“ können ein Hinweis darauf sein, dass eine Epilepsie vorliegt oder sich entwickeln könnte.
Präzise Diagnose ist entscheidend
In modernen „Erstanfallskliniken“ prüfen Ärzte zunächst, ob tatsächlich ein epileptischer Anfall vorliegt oder ob andere Ursachen infrage kommen, wie eine Ohnmacht oder ein funktioneller Anfall. Dieser kann ähnlich aussehen, wird aber nicht durch Epilepsie-typische elektrische Entladungen im Gehirn verursacht. Psychische Belastungen können dabei eine Rolle spielen.
Hinweise liefern typische Veränderungen in der Magnetresonanztomografie (MRT) oder auffällige elektrische Muster in der Elektroenzephalografie (EEG), die die Hirnströme des Gehirns über Elektroden auf der Kopfhaut misst. Das EEG sollte innerhalb von 24 Stunden erfolgen.
„Beim MRT des Gehirns werden besonders dünne Schichten aufgenommen. Das erhöht die Chance, kleine Veränderungen im Gehirn zu entdecken, die Anfälle auslösen und operativ entfernt werden können“, erklärt der leitende OA Prof. Priv.-Doz. Dr. Markus Leitinger, MSc, Universitätsklinik für Neurologie in Salzburg. „Auch wenn das MRT unauffällig wirkt, wird es digital nachbearbeitet – eine Art Feinsuche mit spezieller Software.“
Neuere Konzepte schauen stärker auf die Ursache eines Anfalls: Wer einen Schlaganfall hinter sich hat, trägt ein höheres Wiederholungsrisiko als Menschen ohne Vorerkrankungen. „Wenn Menschen verstehen, was in ihrem Körper passiert, verlieren Anfälle einen Teil ihres Schreckens“, erklärt OÄ Priv.-Doz. Dr. Julia Höfler von der Universitätsklinik für Neurologie in Salzburg. Für viele sei der erste Anfall „eine Erfahrung, die das Leben teilt – in ein Davor und ein Danach“.
Für viele Frauen mit Epilepsie ist die Zeit rund um Verhütung, Schwangerschaft und Stillzeit besonders entscheidend. Manche Epilepsie‑Medikamente können die Wirkung hormoneller Verhütung abschwächen. Deshalb gilt die Hormonspirale oft als verlässliche Option.
Während der Schwangerschaft zählt vor allem eines: Anfälle vermeiden. Dafür werden die Medikamentenspiegel engmaschig kontrolliert und die Dosis angepasst. Nach der Geburt wird sie wieder rasch reduziert.
Im Alltag helfen einfache Sicherheitsmaßnahmen wie Wickeln am Boden oder Baden des Babys in Begleitung. Und: Stillen wird grundsätzlich empfohlen.
Medikamente sind weiterhin der Gamechanger
Schon die erste Behandlung mit Medikamenten bringt rund der Hälfte der Patienten Anfallsfreiheit. Neue Wirkstoffe können die Anfallslast weiter senken. Besonders wichtig ist es, große Anfälle mit Zuckungen des ganzen Körpers zu verhindern. Die genetische Diagnostik wird bei schwer behandelbaren Epilepsien immer wichtiger. Sie zeigt, ob seltene angeborene Veränderungen dahinterstecken.
Auch die psychische Komponente spielt eine große Rolle. Menschen mit Epilepsie brauchen früh Unterstützung – sie schafft Ruhe, Selbstvertrauen und Kontrolle. Schulungsprogramme übersetzen Wissen in Alltagssicherheit und zeigen: Man ist nicht allein und kann viel selbst tun.
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