„Gunkl“ angeklagt

Ihm Kind „verkauft“, dann erpresst: Arge Details

Österreich
17.09.2026 00:02

Im Missbrauchsskandal rund um den österreichischen Kabarettisten Günther Paal – besser bekannt als „Gunkl“ – überschlagen sich die schrecklichen Ereignisse. Nicht nur hat der Künstler in einem Video sowohl sexuelle Handlungen an einer damals Dreijährigen als auch den Besitz von Missbrauchsdarstellungen zugegeben, sein Anwalt sagte, das Mädchen sei Paal von der eigenen Mutter und Oma „zugeführt“ worden. Bevor sie ihn zur Übergabe von insgesamt 189.000 Euro Schweigegeld brachten.

Drei – nicht rechtskräftige – Anklagen gibt es in dem traurigen Kriminalfall, von dem die „Krone“ zuerst berichtete: gegen den 64-jährigen Paal, eine 42-jährige Frau und deren 62-jährige Mutter. Die beiden Frauen sitzen in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: schwere Erpressung.

Das Mutter-Oma-Gespann soll von dem Kabarettisten insgesamt fast 190.000 Euro in mehreren Tranchen erpresst haben. Vor der Übergabe der letzten Tranche erstattete der Künstler Selbstanzeige und Anzeige, die 42-Jährige wurde festgenommen, als sie 30.000 Euro in Empfang nehmen wollte. Die Oma des im März 2021 geborenen Mädchens sitzt seit Juli als mutmaßliche Beitragstäterin in U-Haft.

In einer Selbstanzeige und einem Video gestand Kabarettist Günther Paal sexuelle Handlungen an ...
In einer Selbstanzeige und einem Video gestand Kabarettist Günther Paal sexuelle Handlungen an einem Kind und den Besitz von Missbrauchsdarstellungen.(Bild: APA-Images / First Look / Hubert Mican)

Sexarbeiterinnen über Anzeige kennengelernt
Kennengelernt hätten sich Paal und die beiden Frauen – laut „Gunkls“ Anwalt Florian Höllwarth Sexarbeiterinnen – vor zehn Jahren über eine Anzeige. Etwa ein Jahr wären die drei in Kontakt gestanden, schon damals seien Zahlungen immer weiter erhöht worden, bis es dem Künstler reichte. 

2024 wurde Paal von der 42-Jährigen mit dem Vorschlag kontaktiert, sich wieder zu dritt zu treffen, im Zuge dessen kam er auch mit dem Kind der Frau in Kontakt. Dabei wurde ihm seinen Ausführungen zufolge das Mädchen auch „zugeführt“, Anfang 2025 kam es in Paals Wohnung zu dem „einmaligen Übergriff“.

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Es hat sich nicht um eine Vergewaltigung gehandelt und es war ein einmaliger Vorfall.

Florian Höllwarth vertritt den beschuldigten TV-Star.

Zuerst ging es um 200 bis 300 Euro, zum Schluss um 30.000
Die 42-jährige Mutter des Mädchens soll aber nicht zur Polizei gegangen sein, sondern den Künstler gemeinsam mit ihrer Mutter unter Druck gesetzt und zur Zahlung von hohen Geldbeträgen gebracht haben. Anfangs hieß es laut Höllwarth noch, er soll 200, dann 300 Euro für das Kind bezahlen, danach seien die Forderungen immer mehr geworden.

Mit Fotoveröffentlichung und gewalttätigem Bruder gedroht
Laut Anklage drohten die beiden Frauen Paal, Fotos zu veröffentlichen, die den Missbrauch des Mädchens zeigen sollen. Solche Bilder dürften aber nie existiert haben. Die Frauen sollen auch mit ihrem gewalttätigen Bruder bzw. Sohn gedroht haben, der von den Machenschaften laut Anwalt aber nichts wusste.

Bei der Übergabe der schließlich letzten Tranche in Höhe von 30.000 Euro am 30. Juni am Wiener Hauptbahnhof wurden – eben nach der Anzeige und Selbstanzeige Paals – zunächst die 42-Jährige von einem verdeckten Ermittler des Landeskriminalamtes festgenommen, am 6. Juli nach ihrer Rückkehr in Wien deren Mutter.

Wie der Rechtsvertreter der beiden Frauen, Werner Wendt, erklärte, zeige sich die 42-Jährige „voll geständig zu den Vorwürfen“, ihre Mutter sei „großteils geständig“. Er sprach von einem „sehr familiären Umgang“, den die beiden Slowakinnen mit Paal gepflegt hätten.

Namensnennung

Sie fragen sich vielleicht, warum der Name des Verdächtigen im ersten Artikel zunächst nicht zu lesen war. Zur Erklärung: Auch im Fall Teichtmeister wusste die „Krone“ schon lange vor der Anklage, dass die schweren Vorwürfe seine Person betreffen. Trotzdem entschieden wir uns im Anfangsstadium der Ermittlungen für eine anonymisierte Berichterstattung.

Im aktuellen Fall hat der ORF den Namen seines ehemaligen Stars öffentlich gemacht. Außerdem wurde Anklage eingereicht. Somit nennen auch wir den mutmaßlichen Täter.

Paal will „jede Strafe, die kommt, unwidersprochen hinnehmen“
Die angeklagten Frauen sind wegen Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft, Paal befindet sich auf freiem Fuß. Die Anklage gegen alle drei, für die die Unschuldsvermutung gilt, wurde am Mittwoch eingereicht.

14 Tage haben die Verdächtigen Zeit, falls sie Einspruch erheben wollen. Paal dürfte davon absehen, in seinem Videostatement sagte der 64-Jährige, er werde jede Strafe, die kommt, „unwidersprochen hinnehmen“.

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Meine Mandantinnen sind verzweifelt, dass die Kinder abgenommen wurden. Die Mutter bereut das alles fürchterlich.

Rechtsvertreter Werner Wendt von der Kanzlei Mag. Hubert Wagner

Mädchen und Bruder der Mutter abgenommen
Das fünfjährige Mädchen befindet sich gemeinsam mit seinem siebenjährigen Bruder in der Obhut der MA 11, der Kinder- und Jugendhilfe. „Es geht ihnen gut“, so die Sprecherin der Magistratsabteilung, Ingrid Pöschmann. Die Kindesabnahmen stehen laut dem Rechtsvertreter der Frauen aber nicht in Zusammenhang mit den aktuellen Ermittlungen.

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