Audi ist not amused

Ringlose China-Audis fahren in Deutschland!

Motor
21.08.2026 05:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Audis China-Baureihe ohne die identitätsstiftenden vier Ringe sollte eigentlich nur im Reich der Mitte auf den Straßen zu sehen sein. Doch weit gefehlt: Ein findiger Importeur holt sie auf eigene Faust nach Deutschland – ob wir bald erste Exemplare auch in Österreich sehen?

Die Automobilwoche zitiert interne Kreise des Importeurs „Auto China“: Das Interesse an den Modellen sei groß.

Audis vier Ringe glänzen in China nicht. Daher haben die Ingolstädter eine neue Marke ins Leben gerufen. Statt vier Ringen zieren die Lettern A U D I die Fahrzeuge – und die glänzen offenbar stärker: Der AUDI E5 Sportback wurde zum „China Car of the Year 2026“ gekürt.

Bisher gibt es zwei Elektromodelle, neben dem E5 Sportback auch den AUDI E7X, die in einem Joint Venture mit SAIC, dem größten staatlichen Autohersteller in China (mit Sitz in Shanghai) entstanden. Beide wollte Audi niemals außerhalb Chinas sehen. Doch nun fahren sie bereits in Deutschland, als inoffizielle Importfahrzeuge. Dem Branchenblatt zufolge wurden sie bereits in Hamburg und Frankfurt gesichtet.

Der AUDI E5 Sportback ist eine vollelektrische Kombilimousine (4,88 m Länge) mit bis zu 787 PS, der E7X ein über fünf Meter langes Oberklasse-SUV mit bis zu 680 PS.

Beide China-Audis stehen im Online-Konfigurator. Klickt man darauf, steigt der Preis direkt auf ...
Beide China-Audis stehen im Online-Konfigurator. Klickt man darauf, steigt der Preis direkt auf 68.730 Euro bzw. 81.650 Euro.(Bild: Auto China)

Auf der Online-Plattform von Auto China werden verschiedene chinesische Marken angeboten, von Huawei über Xiaomi bis Zeekr – und eben die beiden AUDIs. Der E5 kann ab 59.980 Euro konfiguriert werden, der E7X ab 72.900 Euro. Von billigen China-Preisen kann also nicht die Rede sein. Dort, wo sie hingehören, kosten sie rund die Hälfte. 

Von Audi selbst kommt offenbar nur beredtes Schweigen: „Die im Rahmen dieses Joint Ventures entwickelten und produzierten Fahrzeuge sind gezielt auf die spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen unserer chinesischen Kundinnen und Kunden zugeschnitten und werden ausschließlich für den chinesischen Markt entwickelt“, sagte eine Sprecherin der Automobilwoche auf Nachfrage. Über konkrete Maßnahmen dagegen oder Kritik am Parallelimport hielt sie sich bedeckt.

(Bild: Audi)
(Bild: Audi)
(Bild: Audi)
(Bild: Audi)

Auto China zufolge ist das alles für Käufer unkompliziert. Der Händler kauft die Fahrzeuge in China, verschifft sie nach Deutschland und homologiert sie anschließend. Der Kunde soll dann die erforderlichen EU-Nachweise sowie die entsprechenden Zulassungspapiere bekommen.

Dennoch ist es wohl eine rechtliche Grauzone. Ein anderer Importeur, der den Xiaomi SU7 anbieten wollte, stieß prompt auf Gegenwehr – Xiaomi drohte Konsequenzen an: „Für den Import aller nicht autorisierten Fahrzeuge wird zeitnah eine EU-weite Grenzbeschlagnahme beantragt.“

Ansgar Klein, Präsident des Bundesverbands freier Kfz-Händler (BVfK), machte gegenüber dem Blatt deutlich: „Faktisch bleibt immer ein Restrisiko.“ Die Erfahrung zeige, dass es nicht reicht, wenn der Hersteller einen Parallelimport billigt oder sogar mittelbar mitwirkt. Er müsse ausdrücklich zustimmen, sonst könne der Importeur „markenrechtlich in große Schwierigkeiten mit Vernichtungskraft kommen“.

AUDIs ohne Ringe werden wir hierzulande also wohl eher nicht so bald sehen.

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