Festival-Auftakt

Frequency: Pop-Superstar Lorde thronte über allen

Musik
21.08.2026 00:45

Das angekündigte Gewitter kam, entpuppte sich aber als nicht so schlimm wie befürchtet. So regierte zum Auftakt des diesjährigen Frequency die musikalische Vielseitigkeit. Lorde und Zara Larsson begeisterten, DJ Antoine kämpfte gegen technische Probleme und James Hype sorgte für einen skurrilen Abend. Außerdem stehen bereits die ersten Acts für 2027 fest.

kmm

„Malle ist nur einmal im Jahr“ tönt es für gewöhnlich aus den Discostadeln der spanischen Insel – textlich verändert gilt das alljährlich im August auch für das Frequency Festival. Drei Tage lang Sommer, Sonne, Partyspaß, zumindest hat man das in der Theorie im Sinn. Donnerstag um Punkt 13.15 Uhr eröffnet die Blue Stage mit den burgenländischen Emporkömmlingen von Lovehead. Die Drei-Mäderl-Partie hat erst Anfang 2025 erste Ausrufezeichen gesetzt und ist mittlerweile nicht mehr aus der heimischen Szene wegzudenken. Gitarre, Bass und Schlagzeug wechselt das Trio mit elektronischen Beats, zu denen alle ihre eigenen Strophen feministisch rappen. Auf der Videowall prangen der Bandname, virtuelle Hunde oder ein rosaroter Penis – da werden schon zu Tagesbeginn keine halben Sachen gemacht. Songs wie „Denkst du an mich?“, „Sommerwind“, „Marie“ oder die neue Single „Sterne“ begeistern die Fans. Die sind nicht nur zahlreich, sondern auch lautstark vorhanden. Eine temporäre Gratis-Bier-Aktion zeugt auch vom Marketingverständnis der rockigen Truppe.

Bereits bei Lovehead, der ersten Band des Tages, füllte sich die Space Stage.
Bereits bei Lovehead, der ersten Band des Tages, füllte sich die Space Stage.(Bild: Andreas Graf)

Burgenland-Power
Große Shows sind sie mittlerweile gewohnt, man war auch schon im Vorprogramm von Kraftklub, dem heutigen Headliner, unterwegs. „Eigentlich könnten die aber auch vor uns spielen, sie sind schon ziemlich alt und könnten sich dann am Abend ausruhen“, zeigt sich das Trio im „Krone“-Interview nach dem Auftritt frech, „wir sind ja noch jung und fit.“ Von der Tour mit den Karl-Marx-Städtern haben sie aber freilich viel mitgenommen. „Sänger Felix ging bei den Konzerten abends immer auf die Bühne, um uns anzukündigen und sie haben uns allgemein mit ungemein viel Respekt behandelt. Da konnten wir uns auf jeden Fall was abschauen in puncto wie man Bands behandelt und sich allgemein auf so einer Tour verhält.“ In zwei Wochen erscheint eine neue EP der burgenländischen Durchstarterinnen. Früher oder später soll es dann auch ein richtiges Album geben. „Mal schauen, wann wir das schreiben“, lachen sie verschmitzt, „zuerst müssen wir mal weniger touren.“

Ein Versprechen für Gegenwart und Zukunft – Indie-Rockerinnen Lovehead aus dem Burgenland.
Ein Versprechen für Gegenwart und Zukunft – Indie-Rockerinnen Lovehead aus dem Burgenland.(Bild: Andreas Graf)

Ein Wiedersehen nach langer Abwesenheit gab es direkt nach mit DJ Antoine. Der Schweizer erinnert sich auf der Bühne selbst daran und denkt wehmütig an seinen Donauinselfest-Auftritt vor rund 100.000 Menschen zurück. Davon sind wir hier zwar weit entfernt, aber die Stimmung ist bei Hits wie „St. Tropez“ oder dem Klassiker „Ma Cherie“ mehr als gut. Dazwischen lässt er abwechselnd Männer und Frauen winken, baut „zicke zacke, zicke zacke, hoi hoi hois“ ein und wirft frisch unterschriebene Schirmkappen ins Publikum, auch wenn das niemanden so ganz zu interessieren scheint. Schwieriger sind da schon die technischen Probleme, die sich fast durchs halbe Set ziehen. „Alle Player waren auf rückwärts eingestellt“, erzählt er im Anschluss im „Krone“-Interview, „der Kopfhörer-Kanal hatte einen Wackelkontakt und ich konnte nicht mixen. Ich habe mich umgedreht und 50 Techniker haben mich angeschaut, aber keiner konnte mir helfen. Zum Glück ging es dann doch.“

DJ Antoine ließ sich auch von technischen Problemen nicht aus dem Partykonzept bringen.
DJ Antoine ließ sich auch von technischen Problemen nicht aus dem Partykonzept bringen.(Bild: Andreas Graf)

Die Nostalgie floriert
Seine elektronische Zeitreise reichte zurück bis in die 2000er-Jahre, wo auch Cascada ihre größten Erfolge feierten. Vom einstigen EDM-Trio aus Bonn blieb nur Frontfrau Natalie Horler übrig, die mittlerweile ihre Songs selbst schreibt und mit Klassikern wie „Miracle“ oder „Everytime We Touch“ aus den alten Tagen vermischt. Erst Ende letzten Jahres unterschrieb sie einen frischen Vertrag mit Universal Music und startet neu durch. „Ich war in den letzten drei Monaten drei Tage daheim“, gibt sie uns gegenüber im Interview zu, „jetzt spiele ich den Sommer noch durch und dann ist erst einmal Couch und Netflix angesagt.“ Beim Frequency eröffnet sie die Green Stage und sorgt dabei vor allem für nostalgische Gefühle, die zuvor auch DJ Antoine auf die Bühne brachte. Damals, als in den 2000er-Jahren noch alles ruhiger, friedlicher und unschuldiger war. Dorthin beamen sich mittlerweile auch gerne die ganz Jungen, die zu seinen Hochzeiten teilweise noch gar nicht auf der Welt waren.

Bei der deutschen Rapperin OG Lu stimmten die Lichtverhältnisse bis ins Detail.
Bei der deutschen Rapperin OG Lu stimmten die Lichtverhältnisse bis ins Detail.(Bild: Andreas Graf)

Neben der Nostalgie von gestern gibt es beim Frequency gewohntermaßen aber auch vieles von heute oder morgen zu entdecken. Irgendwo dazwischen ist die US-Amerikanerin Ravyn Lenae zu verorten. Mit ihrem erst vor einer Woche veröffentlichten Album „Blue Island“ könnte der 27-Jährigen der nächste große Sprung gelingen. 2025 war sie schon ohne Unterlass im Vorprogramm der Top-Stars Sabrina Carpenter und Reneé Rapp unterwegs und hat sich dabei auch live gestählt. Mit ihrem bekömmlichen, aber nie langweiligen Sound und einer sympathischen Ausstrahlung gewinnt sie das Publikum sofort. Man hört, sieht und spürt es auch – hier wächst ein Topstar heran. Die „Krone“ spielte auch schon Mäuschen und bat Lenae zum kurzen Gespräch. „Ich glaube, ich habe meinen Sound mittlerweile gefunden und hoffe, dass die Leute das auch spüren.“

Ein Versprechen in der Gegenwart, ein Topstar der Zukunft: die amerikanische R&B-Stimme Ravyn ...
Ein Versprechen in der Gegenwart, ein Topstar der Zukunft: die amerikanische R&B-Stimme Ravyn Lenae.(Bild: Andreas Graf)

Der Hype, der nicht endet
Trotz frühen Slots ist der schwedische Pop-Star so etwas wie der inoffizielle Headliner an diesem Abend. Mit „Lush Life“ eroberte sie vor gut zehn Jahren im Teenager-Alter die Herzen der Fans – TikTok sei Dank feiert diese Nummer wieder ein Revival. Wie auch sonst an jedem Abend holt die Stockholmerin dazu einen Fan auf die Bühne, um mit ihm zu tanzen – das machte Larsson zum Social-Media-Phänomen. Innerhalb der letzten Jahre wurde sie zum Top-Star, obwohl es sonst an den richtig großen Hits zuweilen fehlt. Die Show der 27-Jährigen ist höchstprofessionell und akribisch durchtaktet. Im knappen Outfit und mit viel Spielfreude reißt sie das Publikum mit, das eine große Masse ist und mitunter für die vielleicht beste Stimmung des Tages sorgt. Songs wie „Midnight Sun“ oder das mit einem Gitarren-Outro veredelte „Wow“ begeistern alle - Kreischalarm inklusive.

Der Bruch zu den irischen Post-Punks Fontaines D.C. ist dann ein brutaler – auch weil schon vor Larssons Auftritt der Himmel – wie angekündigt - seine Schleusen öffnet und für eine gute Stunde ein Gewitter durchzieht. Etwas Wind, viel Regen, aber kein Hagel oder sonstige Gefährlichkeiten. Da ist das Festival glimpflich davongekommen. Bei den Iren regieren psychedelische Videos, düstere Sonnenbrillen und Jesus And Mary Chain-Shirts. Was die Säulenheiligen des Düster-Genres wie Suede oder My Bloody Valentine vor 30 Jahren exerzierten, bringen Grian Chatten und Co. in die Gegenwart. „Boys In The Better Land“, „Roman Holiday“ oder „In The Modern World“ sind Hymnen für Melancholiker, Außenseiter und Zweifelnde. Nichts für die Partycrowd von Zara Larsson, die sich bei den Fontaines D.C. auf ein Viertel minimiert. Die brandneue Single „Marianne“ lässt düsteren Synthie-Pop anklingen, mehr dazu am kommenden Album Mitte Oktober. Mit dem intensiven und grandiosen „Starburster“ entlässt man die wenigen, aber treuen Fans bei düsterem Himmel und unheilvoller Atmosphäre. Das passt gut - nur nicht zwischen Zara Larsson und Lorde.

Die „Krone“-Ponchos waren zu Beginn des Regens bei Zara Larsson äußerst begehrt.
Die „Krone“-Ponchos waren zu Beginn des Regens bei Zara Larsson äußerst begehrt.(Bild: Andreas Graf)

Pop mit Herz und Seele
Die Neuseeländerin ist mehr als zehn Jahre nach ihrem großen Hype das erste Mal live in Österreich zu sehen. Mit „Virgin“ gelang ihr im Vorjahr das beste Album seit dem Debütwerk „Pure Heroine“ 2013, wo sie als 16-Jährige den großen Durchbruch schaffte. Bei ihrer Frequency-Show wechseln sich eruptive und melancholische Momente ab. Im legeren „Tomb Raider“-Outfit räkelt sie sich mal lasziv auf einem der LED-Licht-Quader oder gibt sich aggressiv im Ausdruckstanz. Mit dem Top-Hit „Royals“ geht sie bereits ins Set, spielt den Track aber nur relativ kurz an. „Broken Glass“, „Shapeshifter“ oder „Hard Feelings“ zeigen die bunte Bandbreite einer Künstlerin, die total bei sich ist und sich gefunden. Dazwischen erzählt sie emotional von ihrer Entwicklung und den Veränderungen in ihrem Leben, zeigt sich dankbar und in der Gegenwart gereift und erwachsen. Auch für das Charli XCX-Cover „Girl, So Confusing“ ist Platz. Ein Auftritt, der weniger knallig als jener von Larsson ist, aber mehr Tiefe und Leben besitzt. Absolut gelungen.

Auf der Green Stage baut Red Bull mit dem britischen DJ James Hype auf ein ganz besonderes Konzept. Via LED-Armbänder entscheiden die Besucher, welche Songs er spielt. Im „Krone“-Gespräch vor der Show zeigt sich der sonst so selbstsichere und robust wirkende Künstler erstaunlich schüchtern. „Das Schlimmste, was passieren kann, wäre Hip-Hop“, lacht er leicht zitternd, „ich bin natürlich seit geraumer Zeit ob des Konzepts eingeweiht, aber ich habe das vielleicht eine Stunde lang geübt.“ Der Jetsetter freut sich aber auch über etwas Abwechslung. „Ich gehe gerne aus meiner Komfortzone und wage mich auf Terrains, die neu für mich sind. Das pusht und ich pushe mich gerne.“ Ist das eine Art der KI-sierung der Musik? Wer weiß. Währenddessen schließen die deutschen Hitparaden-Stürmer Kraftklub den ersten Tag auf der Main Stage. Traditionell in ihren Uniformen, mit linkspolitischen Botschaften und Hits wie „Ich will nicht nach Berlin“, „Chemie Chemie Ya“ oder „Randale“ feiert man eine gewohnt wilde Party – zum Teil auch mitten im Publikum. Dazu hat meinen einen massiven Stahlmasten mit Riesenlogo aufgestellt. Kraftklub und Frequency, das passt einfach.

Die Jungs aus der Karl-Marx-Stadt: Wo Kraftklub auf der Bühne stehen, dort geht gewiss die Party ...
Die Jungs aus der Karl-Marx-Stadt: Wo Kraftklub auf der Bühne stehen, dort geht gewiss die Party ab.(Bild: Andreas Graf)

Erste Acts für das Frequency 2027
Am Ende des Tage wurden auch schon die ersten Highlights für das nächstjährige Frequency vorgestellt, das von 19. bis 21. August an bewährter Stelle über die Bühne gehen wird. Man darf sich freuen auf AnnenMayKantereit, Cro, Tokio Hotel, Bibiza, Finch, Blumengarten, Vicky, Greeen, Mathea und Amistat. Weitere Acts folgen. Ab heute, 21. August, 13 Uhr, kann man die Ticket unter www.oeticket.com kaufen.

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