FSB sucht Durow

Russland erlässt Haftbefehl gegen Telegram-Gründer

Digital
29.07.2026 11:29
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat einen internationalen Haftbefehl gegen den Gründer des Online-Dienstes Telegram, Pawel Durow, erlassen. Ihm werde Terrorunterstützung vorgeworfen, teilte der FSB am Mittwoch in Moskau mit. 

Dem Messengerdienst Telegram wird vorgeworfen, Material nicht entfernt zu haben, das von ukrainischen Spezialdiensten sowie von terroristischen und extremistischen Organisationen genutzt werde. Damit würden Sabotage- und Terrorakte, Massentötungen und Cyber-Betrug in der Russischen Föderation vorbereitet und koordiniert. Kurz nach Bekanntwerden des Haftbefehls wurde auf dem offiziellen Konto von Telegram auf dem Kurznachrichtendienst X ein Bild veröffentlicht. Es zeigt Durow, der den Mittelfinger zeigt. Eine weitere Stellungnahme von Durow oder Telegram lag zunächst nicht vor.

  Durow wurde in Russland geboren, ist aber inzwischen Staatsbürger der Vereinigten Arabischen Emirate und Frankreichs. Vor Telegram hatte er das russische Facebook-Pendant VKontakte gegründet. Seinen verbliebenen Anteil verkaufte er 2014 auf Druck der russischen Behörden. Der 2013 gegründete verschlüsselte Messengerdienst Telegram hat nach eigenen Angaben mehr als eine Milliarde Nutzer und wird im Krieg zwischen Russland und der Ukraine von beiden Seiten intensiv genutzt.

Immer wieder Konflikte um Telegram
Russland hat in den vergangenen Jahren wiederholt versucht, die Nutzung von Telegram einzuschränken und fördert seinen eigenen staatlich unterstützten Dienst MAX. Dennoch veröffentlichen staatliche Stellen wie der Kreml und das Verteidigungsministerium täglich Beiträge auf Telegram.

  Auch die französischen Behörden ermitteln gegen Durow. Dabei wird Telegram vorgeworfen, nicht ausreichend gegen kriminelle Aktivitäten auf der Plattform vorzugehen und unzureichend mit den Strafverfolgungsbehörden zu kooperieren. Durow weist die Vorwürfe zurück.

„Mit Stolz schuldig“
Der Ankündigung aus Moskau waren bereits schärfere Töne vorausgegangen. Im Februar hatte eine staatliche russische Zeitung berichtet, gegen Durow werde wegen Terrorismusverdachts ermittelt. Im April veröffentlichte Durow auf Telegram, dass eine Vorladung für den „Verdächtigen P.W. Durow“ an eine Wohnung in Russland zugestellt worden sei, in der er vor 20 Jahren gelebt habe.

Er schrieb damals: „Sie müssen mich verdächtigen, die Artikel 29 und 23 der russischen Verfassung zu verteidigen – die die Meinungsfreiheit und das Recht auf private Korrespondenz garantieren. Ich bekenne mich mit Stolz schuldig!“

Aufenthaltsort unklar
Wo sich Durow derzeit aufhält, ist unklar. Ein Beitrag auf seinem Telegram-Kanal vom 16. Mai deutete darauf hin, dass er sich in Dubai befand. Am 23. Juli schrieb er, er sei „sehr beeindruckt von Georgien“ und hoffe, „sehr bald zurückzukehren“.

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