Jersey

Insel zwischen den Welten

Reisen & Urlaub
30.07.2026 13:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Zwischen schroffen Klippen, endlosen Sandstränden und idyllischen Fischerdörfern entfaltet Jersey einen ganz besonderen Charme. Die größte der Kanalinseln begeistert mit spektakulären Gezeiten, britischer Gelassenheit, französischem Flair und einer bewegten Geschichte.

„Oh, Sie fliegen auf die Kanalinseln?“, meint der freundliche Flugbegleiter, als er meinen Reiseführer entdeckt. „Sie werden es lieben!“, schwärmt er weiter und hat gleich Ausflugstipps parat. Schon im Landeanflug auf Jersey erkennt man die unterschiedlichen Facetten. Steile Klippen und malerische Buchten im Norden, kilometerlange flache Strände im Süden und Westen, dazwischen das satte Grün des hügeligen Landesinneren.

Jersey ist mit knapp 120 km² die größte der fünf, zu Großbritannien gehörenden, Kanalinseln. Die anderen, Guernsey, Sark, Herm und Alderney, erreicht man entweder ebenfalls mit dem Flugzeug oder mit den Fähren, die regelmäßig von Jerseys Hauptstadt St. Helier aus verkehren. Vom Flughafen nehmen wir den Bus nach St. Aubin. Der kleine, verschlafene Küstenort im Süden könnte Schauplatz einer Rosamunde-Pilcher-Romanze sein.

Autorin Eva Bukovec beim Besuch von Elizabeth Castle
Autorin Eva Bukovec beim Besuch von Elizabeth Castle(Bild: Eva Bukovec)

Gedrungene Steincottages, prächtige Herrenhäuser hinter hohen Hecken, üppig blühende Gärten, verwinkelte Gassen und weiter draußen im Meer das trutzige St. Aubin’s Fort. Bei unserer Ankunft herrscht Ebbe, die Boote im Hafen liegen schräg auf sandigem Grund, das Meer hat sich weit zurückgezogen. Das wird sich bald ändern, denn zweimal täglich wechseln die Gezeiten.

Dann gewinnt bzw. verliert Jersey jedes Mal etwa 40% seiner Fläche. Auch sorgt der Tidenhub von 10 bis 12 Metern (einer der größten überhaupt) für sich ständig verändernde Landschaften. Buchten und breite Strände kommen und gehen, beliebte Ausflugsziele wie das Corbière Lighthouse, südwestlichster Punkt der Insel, sind, ebenso wie die imposante Festung Elizabeth Castle außerhalb des Hafens von St. Helier, nur bei Ebbe zu erreichen. Das milde Klima und die üppige Vegetation verdanken Jersey & Co. dem Golfstrom, der auch dafür sorgt, dass hier mediterrane Pflanzen wie Palmen, Orchideen, Kamelien oder Lavendel gedeihen.

Seit über 800 Jahren thront Mont Orgueil Castle über dem pittoresken Städtchen Gorey.
Seit über 800 Jahren thront Mont Orgueil Castle über dem pittoresken Städtchen Gorey.(Bild: Alan Lagadu – stock.adobe.com)

„Ein Stück Frankreich, das ins Meer fiel und von England aufgesammelt wurde“, beschrieb es der französische Schriftsteller Victor Hugo, als er 1852 hierher ins Exil musste. Noch heute erinnern französische Namen auf Straßenschildern oder Gehöften daran, dass Jersey bis zum Jahr 1204 Teil der Normandie war. Was sich auch in der Küche niederschlägt. Fangfrischer Fisch, Meeresfrüchte, Austern oder Hummer stehen ebenso auf den Menükarten der Restaurants, wie die Jersey Royals, kleine Frühkartoffeln, die vor allem wegen ihres einmaligen Aromas geschätzt werden.

INFOS

ALLGEMEINE AUSKÜNFTE zur Insel:
www.jersey.com

  • Einreise: Reisende mit nicht britischem o. irischem Pass benötigen eine elektronische Reisegenehmigung (ETA). Zu beantragen online: www.gov.uk/eta. Kosten: 20 £ (Gültigkeit zwei Jahre)
  • Währung: Neben dem britischen Pfund hat Jersey seine eigene Währung (Jersey Pound, selber Wert wie das britische Pfund). Die Insel ist der letzte Ort, an dem man die 1-Pfund-Note findet.
  • Sprache: Englisch mit französischem Einschlag. Zudem hat Jersey eine eigene Sprache, Jérriais, das aber kaum noch gesprochen wird.

RESTAURANT-TIPPS

SEHENSWERT

  • Judith Quérée’s Garden: Verstecktes Sandstein-Cottage mit prachtvollem Garten. Kenntnisreich führt Judith durch ihr kleines Paradies (www.judithqueree.com)
  • Jersey War Tunnels: Tunnelkomplex, von osteurop. Zwangsarbeitern während der Besatzungszeit in den Fels getrieben. Beim Gang durch die Tunnel kann man mit Passkopien von damals betroffenen Insulanern deren Schicksal nachvollziehen (www.jerseywartunnels.com)

Im Zweiten Weltkrieg weckte Jersey Begehrlichkeiten der deutschen Wehrmacht, die die Insel als Teil des Atlantikwalls zu einer Festung ausbaute. Bunker, Wachtürme und Tunnelsysteme sind auch heute noch allgegenwärtig. Um preiswert unterwegs zu sein, nutzen wir öffentliche Busse. Diese verkehren in regelmäßigen Intervallen von St. Helier, einer quirligen Hafenstadt mit vielen Restaurants, Bars, Museen und Galerien.

Egal wohin es gehen soll, sie sind das Mittel der Wahl. Und immer wieder stellen wir fest: Der nette Flugbegleiter hatte Recht. Sich in Jersey zu verlieben, fällt nicht schwer!

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