Zwischen schroffen Klippen, endlosen Sandstränden und idyllischen Fischerdörfern entfaltet Jersey einen ganz besonderen Charme. Die größte der Kanalinseln begeistert mit spektakulären Gezeiten, britischer Gelassenheit, französischem Flair und einer bewegten Geschichte.
„Oh, Sie fliegen auf die Kanalinseln?“, meint der freundliche Flugbegleiter, als er meinen Reiseführer entdeckt. „Sie werden es lieben!“, schwärmt er weiter und hat gleich Ausflugstipps parat. Schon im Landeanflug auf Jersey erkennt man die unterschiedlichen Facetten. Steile Klippen und malerische Buchten im Norden, kilometerlange flache Strände im Süden und Westen, dazwischen das satte Grün des hügeligen Landesinneren.
Jersey ist mit knapp 120 km² die größte der fünf, zu Großbritannien gehörenden, Kanalinseln. Die anderen, Guernsey, Sark, Herm und Alderney, erreicht man entweder ebenfalls mit dem Flugzeug oder mit den Fähren, die regelmäßig von Jerseys Hauptstadt St. Helier aus verkehren. Vom Flughafen nehmen wir den Bus nach St. Aubin. Der kleine, verschlafene Küstenort im Süden könnte Schauplatz einer Rosamunde-Pilcher-Romanze sein.
Gedrungene Steincottages, prächtige Herrenhäuser hinter hohen Hecken, üppig blühende Gärten, verwinkelte Gassen und weiter draußen im Meer das trutzige St. Aubin’s Fort. Bei unserer Ankunft herrscht Ebbe, die Boote im Hafen liegen schräg auf sandigem Grund, das Meer hat sich weit zurückgezogen. Das wird sich bald ändern, denn zweimal täglich wechseln die Gezeiten.
Dann gewinnt bzw. verliert Jersey jedes Mal etwa 40% seiner Fläche. Auch sorgt der Tidenhub von 10 bis 12 Metern (einer der größten überhaupt) für sich ständig verändernde Landschaften. Buchten und breite Strände kommen und gehen, beliebte Ausflugsziele wie das Corbière Lighthouse, südwestlichster Punkt der Insel, sind, ebenso wie die imposante Festung Elizabeth Castle außerhalb des Hafens von St. Helier, nur bei Ebbe zu erreichen. Das milde Klima und die üppige Vegetation verdanken Jersey & Co. dem Golfstrom, der auch dafür sorgt, dass hier mediterrane Pflanzen wie Palmen, Orchideen, Kamelien oder Lavendel gedeihen.
„Ein Stück Frankreich, das ins Meer fiel und von England aufgesammelt wurde“, beschrieb es der französische Schriftsteller Victor Hugo, als er 1852 hierher ins Exil musste. Noch heute erinnern französische Namen auf Straßenschildern oder Gehöften daran, dass Jersey bis zum Jahr 1204 Teil der Normandie war. Was sich auch in der Küche niederschlägt. Fangfrischer Fisch, Meeresfrüchte, Austern oder Hummer stehen ebenso auf den Menükarten der Restaurants, wie die Jersey Royals, kleine Frühkartoffeln, die vor allem wegen ihres einmaligen Aromas geschätzt werden.
ALLGEMEINE AUSKÜNFTE zur Insel:
www.jersey.com
RESTAURANT-TIPPS
SEHENSWERT
Im Zweiten Weltkrieg weckte Jersey Begehrlichkeiten der deutschen Wehrmacht, die die Insel als Teil des Atlantikwalls zu einer Festung ausbaute. Bunker, Wachtürme und Tunnelsysteme sind auch heute noch allgegenwärtig. Um preiswert unterwegs zu sein, nutzen wir öffentliche Busse. Diese verkehren in regelmäßigen Intervallen von St. Helier, einer quirligen Hafenstadt mit vielen Restaurants, Bars, Museen und Galerien.
Egal wohin es gehen soll, sie sind das Mittel der Wahl. Und immer wieder stellen wir fest: Der nette Flugbegleiter hatte Recht. Sich in Jersey zu verlieben, fällt nicht schwer!
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