7 Tage Radreise

Unser Abenteuer Alpe-Adria

Reisen & Urlaub
30.07.2026 10:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

412 Kilometer. Zwei Fahrräder. Ein Ziel. Sieben Tage lang sind wir beim Bikepacking auf dem Alpe-Adria-Radweg von Salzburg bis ans Meer unterwegs. Ein Reisetagebuch über Freiheit, Begegnungen am Wegesrand und das Glück, sich Zeit nehmen zu können.

Wir stehen auf dem Damm vor Grado, im Schatten einer Pinie. Links das Meer. Rechts das Meer. Vor uns führt der Radweg mitten durch die Lagune. In der Ferne erkennen wir die Umrisse der Stadt. Die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel. Ein letztes Mal steigen wir aufs Rad. Nur noch wenige Kilometer, bis wir es geschafft haben. Wenige Kilometer, von denen wir uns gleichzeitig wünschen, sie würden nie enden. Doch beginnen wir am Anfang.

Etappe 1: Salzburg – Bischofshofen (56 km)
Die erste Bikepacking-Reise unseres Lebens startet sieben Tage davor in Salzburg. Vor uns liegen 412 Kilometer bis ans Meer, nur wir und unsere Fahrräder. „Wir“, das sind mein Lebensgefährte, „Krone“-Grafiker Michael Chvatal, auf seinem Gravelbike und ich auf meinem E-Crossbike. Schon am Vortag haben wir das Auto auf der Park&Ride-Anlage Salzburg Süd abgestellt und sind in die Altstadt geradelt. Durch die Gassen spazieren, Salzburger Nockerln genießen, ankommen.

(Bild: Michael Chvatal)

Einen Wecker brauchen wir am nächsten Tag nicht, die Vorfreude holt uns früh aus dem Bett. Frühstücken, Räder beladen, Helm auf – Adria, wir kommen! Entlang der Salzach lassen wir die Stadt hinter uns. Der Weg führt durch grüne Wiesen und goldgelbe Felder. Ein Bauer hat gemäht, der Duft von frischem Gras liegt in der Luft. Frei, unabhängig und mit der Natur verbunden, so also fühlt sich Bikepacking an.

(Bild: Diverse Fotografen honorarfrei)

Am Nachmittag drückt die Hitze ordentlich. Da blitzt hinter einer Hecke Wasser auf: das Freibad in Werfen, direkt am Radweg. Spontan drehen wir um, wir haben Zeit. „Ausnahmsweise“, lacht der Bademeister auf die Frage, ob unsere vollbepackten Räder mit hineindürfen. Bald treiben wir im kühlen Nass und staunen über die Berge, die rund um uns in den Himmel ragen. Mit Wäscheklammern am Gepäck befestigt, trocknen unsere Badesachen später im Fahrtwind, während wir nach Bischofshofen radeln.

Etappe 2: Bischofshofen – Bad Gastein (52 km)
Schon um 6.30 Uhr sitzen wir beim Frühstück. Wir möchten früh los, die kühleren Morgenstunden ausnutzen. Der Weg führt weiter der Salzach entlang. Ab Schwarzach geht’s bergauf, der Anstieg hat es in sich. Bei einer kurzen Rast merken wir, wie weit die Ortschaft schon unter uns liegt. Kühe grasen auf üppigen Weiden, das atemberaubende Bergpanorama lässt uns immer wieder anhalten und zur Kamera greifen.

Wir radeln entlang von Flüssen und durch grüne Wiesen – Kühe und Bergpanorama inklusive.
Wir radeln entlang von Flüssen und durch grüne Wiesen – Kühe und Bergpanorama inklusive.(Bild: Michael Chvatal)
Abkühlen am Gasteiner Badesee: Ein großes Danke an den Bademeister aus Werfen für den Tipp!
Abkühlen am Gasteiner Badesee: Ein großes Danke an den Bademeister aus Werfen für den Tipp!(Bild: Michael Chvatal)
(Bild: Michael Chvatal)

Ein Wirt in Dorfgastein erzählt uns, dass hier früher täglich tausend Radler durchkamen. Heute seien es deutlich weniger, viele sparen sich die Höhenmeter und steigen noch im Tal auf den Zug um. Wir sind froh, dass wir nicht abgekürzt haben, und lassen uns das Mittagessen schmecken.

Unsere Einkehrtipps

Dann folgen wir dem gestrigen Tipp des Bademeisters zum Gasteiner Badesee. Wir hüpfen ins türkisblaue Wasser, genießen einen Affogato und das Gefühl, dass unsere Radreise nach Sommerurlaub schmeckt. Die steile Auffahrt nach Bad Gastein fordert uns noch einmal ordentlich. Doch als wir, oben angekommen, dem Tosen des berühmten Wasserfalls lauschen und die Gischt sich kühl auf unsere Haut legt, wissen wir: Jeder Höhenmeter hat sich gelohnt.

Etappe 3: Bad Gastein – Spittal / Drau (59 km)
Kurz nach 9 Uhr Früh erreichen wir die ÖBB-Tauernschleuse in Böckstein. Gemeinsam mit Autos und Motorrädern werden auch unsere Fahrräder verladen. Elf Minuten Zugfahrt später stehen wir in Mallnitz, auf der Kärntner Seite der Tauern. Unter uns liegt das Mölltal, die Gipfel ringsum scheinen zum Greifen nah. Wir warten, lassen erst die Autos fahren. Dann gehört die breite Straße uns allein. Wir lassen uns hinabrollen. Hinter jeder Kurve wartet schon das nächste Fotomotiv.

In Serpentinen von Mallnitz hinunter ins Mölltal – eine Straße ganz für uns allein.
In Serpentinen von Mallnitz hinunter ins Mölltal – eine Straße ganz für uns allein.(Bild: Michael Chvatal)

Im Tal angekommen, folgen wir der Möll, die bald darauf in die Drau mündet. Zu Mittag kommen Kärntner Kasnudeln auf den Teller. Jetzt noch ein kurzer Umweg zum Millstätter See, um der Hitze zu entkommen. Im Klinger-Park finden wir am Ufer ein schattiges Plätzchen – ab ins Wasser. Während wir uns trocknen lassen, beobachten wir eine Entenmama mit ihren Jungen. Wir genießen den Moment, in dem Zeit keine Rolle spielt, bevor wir die letzten Kilometer nach Spittal an der Drau radeln.

Etappe 4: Spittal an der Drau – Tarvis (76 km)
Heute geht es weiter der Drau entlang. Nach einem Abstecher in die Villacher Altstadt biegen wir Richtung Süden ab. Hinter Arnoldstein wartet der letzte große Anstieg unserer Reise. Ein Trinkwasserbrunnen am Wegesrand wird zur Oase in der prallen Sonne. Radler füllen ihre Flaschen, halten die Arme ins eiskalte Wasser und kommen miteinander ins Gespräch. Momente wie dieser zeigen: Auf dem Alpe-Adria-Radweg ist man zwar alleine unterwegs, aber doch nie ganz allein.

Dann erreichen wir den Grenzübergang. Als Kinder warteten wir hier mit unseren Eltern auf die Passkontrolle. Wir entdecken eine fast vollständig mit Stickern beklebte blaue Tafel: Italia! Da wird uns bewusst: Wir sind wirklich bis nach Italien geradelt. Auf dem Selfie grinsen wir übers ganze Gesicht.

Eine „Autobahn“ für Radfahrer: „Krone“-Grafiker Michael Chvatal auf den ersten Metern der ...
Eine „Autobahn“ für Radfahrer: „Krone“-Grafiker Michael Chvatal auf den ersten Metern der ehemaligen Bahntrasse in Italien.(Bild: Michael Chvatal)

Hinter der Grenze verändert sich die Landschaft. Wir fahren durch dichten Wald, ein Bach fließt quer über den Weg. Dann erreichen wir die ehemalige Bahntrasse, zur perfekten Radstrecke ausgebaut. Wir denken beide dasselbe: Die können Radweg!

Zu Lokalen umfunktionierte alte Bahnhöfe und Waggons laden direkt am Weg zum Einkehren ein.
Zu Lokalen umfunktionierte alte Bahnhöfe und Waggons laden direkt am Weg zum Einkehren ein.(Bild: Michael Chvatal)

Am Abend gibt’s in Tarvis unser erstes „Gelato“, Aperol Spritz und Livemusik auf dem Stadtplatz. Rund um uns beginnt Italien zu tanzen.

Etappe 5: Tarvis – Venzone (64 km)
Von Tarvis starten wir in unseren fünften Radtag. Ich ahne nicht, dass mir heute erneut eine Kindheitserinnerung begegnen wird. Der Radweg führt über die alte Bahntrasse stetig bergab. Wir rollen durch kühle Tunnel und über alte Eisenbahnbrücken. Tief unter uns leuchtet der türkisblaue Fiume Fella. Alle paar Minuten halten wir für Fotos an. Wir haben Zeit und nehmen sie uns.

Die ehemalige Bahntrasse führt durch Tunnel ...
Die ehemalige Bahntrasse führt durch Tunnel ...(Bild: Michael Chvatal)
... und über alte Eisenbahnbrücken.
... und über alte Eisenbahnbrücken.(Bild: Michael Chvatal)

Bald mündet der Fella in den Tagliamento, den letzten großen und weitgehend unberührten Wildfluss Europas. Nach ihm hielt ich als Kind auf jeder Italienreise aus dem Autofenster Ausschau. In Venzone angekommen, führt unser erster Weg hinunter an das türkisblaue Band, das sich – mal schmal, dann wieder breiter – durch ein riesiges weißes Kiesbett zieht. Ich tauche die Hände ins kalte Wasser und muss unwillkürlich lächeln. Jahrzehntelang war dieser Fluss nur eine vage Erinnerung. Plötzlich ist er greifbar.

Nach dem täglichen Waschen trocknet die Wäsche am Balkon ...
Nach dem täglichen Waschen trocknet die Wäsche am Balkon ...(Bild: Michael Chvatal)
... oder direkt am Radgepäck.
... oder direkt am Radgepäck.(Bild: Michael Chvatal)

Eine Pizza später schwingen wir uns für einen Abstecher zum Lago di Cavazzo noch mal aufs Rad. Wir springen in den klaren Bergsee. Die weit über 30 Grad fühlen sich wieder angenehm an. Wie jeden Abend waschen wir noch unsere Kleidung des Tages im Waschbecken der Unterkunft und hängen sie zum Trocknen auf.

Etappe 6: Venzone – Udine (52 km)
Mit Espresso und Cornetto gestärkt, brechen wir auf. Eine noch feuchte Radhose flattert, am Gepäck befestigt, im Fahrtwind. Je weiter wir Richtung Süden radeln, desto mehr verändert sich die Landschaft. Die letzten Ausläufer der Alpen verschwinden, es wird flach. Wo uns zuvor tagelang Vogelgezwitscher begleitet hat, übertönt jetzt das laute Konzert der Zikaden alles andere. Wir können Italien hören. Riechen. Fühlen.

(Bild: Diverse Fotografen honorarfrei)

Bei einer Trinkpause im Schatten halten vier Kärntnerinnen neben uns. Einer fehlt Luft im Reifen. Michael holt die Luftpumpe und hilft. Gut, dass wir sie mithaben. Besser, dass wir sie nicht selbst brauchen. Immer wieder begegnen wir den Frauen auf der Strecke, winken ihnen zu. Auch dieses Miteinander macht die Reise so besonders.

Gut zu wissen

  • Strecke: Vorwiegend asphaltierte (Rad-)Wege und verkehrsarme Nebenstraßen, durchgehend hervorragend beschildert.
  • Schwierigkeit: Mit E-Bike sehr gut machbar, aber auch mit Touren- oder Gravelbike problemlos zu fahren.
  • Parken: Park & Ride Salzburg Süd (kostenpflichtig!).
    Tipp: Früh anreisen, Parkplatz oft gut ausgelastet.  Rücktransfer: Bequem per Bus mit Radanhänger, z. B. touristik-oberkofler.com. Unbedingt früh buchen!
  • Unterwegs: Fahrradlicht nicht vergessen! Für die italienischen Tunnel sind Vorder- und Rücklicht vorgeschrieben bzw. werden dringend empfohlen.
  • Pannen: Radservicestationen mit Luftpumpe und Werkzeug gibt es regelmäßig entlang der Strecke. Trotzdem gehören Ersatzschlauch, Pumpe und ein kleines Werkzeugset ins Gepäck.
  • Unterkünfte: Vorab buchen sorgt für Planungssicherheit, spontan buchen bietet mehr Flexibilität und manchmal günstigere Restplätze.

Am Nachmittag erreichen wir Udine: Durch die Altstadt schlendern, bezaubernde Plätze entdecken, hauchdünn aufgeschnittenen San-Daniele-Schinken aus der Region verkosten, das ist Dolce Vita. Uns wird bewusst, dass morgen die letzte Etappe ansteht. Wir freuen uns auf Grado. Und können uns doch kaum vorstellen, dass die Reise bald zu Ende geht.

Etappe 7: Udine – Grado (53 km)
Ein letztes Mal füllen wir unsere Trinkflaschen auf, dann verlassen wir Udine. Auf einem Wegweiser lesen wir: Grado 50 Kilometer. Unser Ziel rückt greifbar nahe. Die Strecke führt durch malerische Dörfer, vorbei an Palmen, Zypressen und blühendem Oleander.

(Bild: Michael Chvatal)

In Palmanova kehren wir in ein Café ein, in dem Einheimische ihren Espresso trinken. Bei jedem Gastgarten rund um den weitläufigen Hauptplatz stehen Fahrräder, alle haben dasselbe Ziel. Wenige Kilometer später liegt plötzlich die Lagune von Grado vor uns. Unter einer Pinie halten wir an.

Auf zum Endspurt: Auf den letzten Kilometern führt der Radweg durch die Lagune nach Grado. Auf ...
Auf zum Endspurt: Auf den letzten Kilometern führt der Radweg durch die Lagune nach Grado. Auf dem Damm mitten im Meer wachsen zwei mächtige Pinien.(Bild: Michael Chvatal)

Links das Meer. Rechts das Meer. Vor uns führt der Radweg mitten durch die Lagune. In der Ferne erkennen wir die Umrisse der Stadt. Die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel. Ein letztes Mal steigen wir aufs Rad. Nur noch wenige Kilometer, bis wir es geschafft haben. Wenige Kilometer, von denen wir uns gleichzeitig wünschen, sie würden nie enden. Sieben Tage lang war Grado unser Ziel. Doch in Erinnerung bleiben nicht die Etappen, sondern all die Momente dazwischen.

Wir schauen uns an und treten in die Pedale.

Carina Karas (Text und Fotos) & Michael Chvatal (Fotos)

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