Österreich gilt als Bargeldhochburg, doch bei mehreren hundert Bankomaten wurde das Abhebelimit von 400 auf 200 Euro halbiert. Wer mehr Geld benötigt, muss mitunter zweimal abheben und an Geräten privater Betreiber auch doppelt Gebühren zahlen. Gleichzeitig beabsichtigt die EU den Zugang zu Bargeld abzusichern, während der digitale Euro näher rückt.
Wer dennoch 400 Euro abheben will, muss bei betroffenen Geräten gegebenenfalls zweimal hintereinander Geld beheben. „Das Abhebelimit von 400 Euro ist ein Standard der österreichischen Banken, an den sich die meisten Marktteilnehmer auch halten. Grundsätzlich ist aber niemand an diesen Standard gebunden“, erklärte ein Sprecher der Nationalbank.
Verdienst an Zahl der Transaktionen
Betroffen sind laut Österreichischer Nationalbank mehrere hundert der insgesamt rund 8900 Bankomaten in Österreich. Ein Betreiber habe das Limit aus geschäftlichen Gründen durchgehend gesenkt. Hintergrund: Betreiber von Geldautomaten verdienen üblicherweise an der Zahl der Transaktionen, nicht an der Höhe des abgehobenen Betrags.
Grafik: Einstellung der Österreicher zu Bargeld
Abhebung bei privaten Geräten gebührenpflichtig
Private Betreiber dürfen bekanntlich Abhebegebühren verlangen. Euronet verlangt derzeit laut Arbeiterkammer beispielsweise 1,95 Euro pro Behebung. Die Gebühr muss vor Abschluss des Vorgangs angezeigt und vom Kunden bestätigt werden. Bei gebührenpflichtigen Geräten könnte durch die Halbierung eine Abhebung schnell teurer werden. Wer 400 Euro benötigt und zweimal abheben muss, könnte abhängig vom Betreiber und vom Kontomodell auch zweimal zur Kasse gebeten werden.
Der Zahlungsmittelstudie 2026 der OeNB nach beziehen 88 Prozent der Befragten ihr Bargeld über Bankomaten, 35 Prozent heben mindestens einmal pro Woche ab und drei Viertel nutzen Geldautomaten regelmäßig. Allerdings beziehen die meisten Österreicher Beträge bis 200 Euro.
Eine flächendeckende Senkung der Limits erwartet die Nationalbank nicht. Das 400 Euro Limit stammt im Kern noch aus der Zeit der Euroeinführung und wurde seither trotz hoher Inflation nicht angepasst. Real kann heute mit dieser Sinne deutlich weniger gekauft werden als vor rund 25 Jahren. Auch eine Erhöhung könne daher angedacht werden.
Die Senkung der Auszahlungslimits fällt in eine Phase, in der Österreich seine Bargeldversorgung mit öffentlicher Hilfe absichert. Zwar ist die Gesamtzahl der Geldautomaten zuletzt wieder gestiegen. Vor allem in kleineren ländlichen Gemeinden bestehen aber weiterhin Versorgungslücken (siehe Faktenbox oben).
Diese Unterschiede bei den Abhebelimits sehen wir als OeNB durchaus kritisch, weil sie (...) eine gewisse Verunsicherung aufkommen lassen.
OeNB-Sprecher
Noch 2026 weitere 120 Geräte
Die Nationalbank stellt deshalb eigene Geldautomaten auf. Anfang Juli waren bereits 66 Geräte in Gemeinden in Betrieb, die zuvor keinen Bankomaten hatten. Mehr als 80.000 Menschen sollen dadurch einen besseren Zugang zu Bargeld erhalten haben. Bis Ende 2026 sollen österreichweit bis zu 120 Geräte aufgestellt werden. Bestehende Standorte in Banken sollen zudem bis 2029 abgesichert werden.
Parallel zum digitalen Euro (siehe unten) will die EU die Stellung von Bargeld stärken. Eine geplante Verordnung soll sicherstellen, dass Euroscheine und Münzen im gesamten Euroraum weiterhin ausreichend verfügbar sind und grundsätzlich als Zahlungsmittel angenommen werden. Unternehmen sollen Bargeld nicht mehr pauschal durch Schilder mit der Aufschrift „Keine Barzahlung“ oder durch allgemeine Geschäftsbedingungen ausschließen dürfen.
Notfallpläne vorgesehen
Eine Annahmepflicht ohne jede Ausnahme ist jedoch nicht vorgesehen. Bargeld könnte weiterhin aus sachlichen und verhältnismäßigen Gründen abgelehnt werden. Zusätzlich sollen die Mitgliedstaaten Notfallpläne ausarbeiten, damit bei großflächigen Ausfällen elektronischer Zahlungssysteme weiterhin bar bezahlt werden kann.
Während Österreich um Bankomaten und Bargeldlimits diskutiert, nimmt der digitale Euro die nächste Hürde. Das EU-Parlament machte am 9. Juli den Weg für Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten frei. Dabei handelt es sich um eine elektronische Form von Zentralbankgeld, das von der Europäischen Zentralbank ausgegeben werden soll.
Bezahlung auch offline
Er soll Bargeld nicht ersetzen, sondern als digitales Zentralbankgeld ergänzen. Bezahlt werden könnte online und offline, per Smartphone oder Karte. Vorgesehen sind strenge Datenschutzregeln. Die meisten Unternehmen müssten den digitalen Euro akzeptieren. Ausnahmen soll es unter anderem für kleine Betriebe geben, die auch sonst keine digitalen Zahlungen annehmen.
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