Mitten im Sommer muss die kriegsgebeutelte Ukraine an den nächsten Winter denken. Als neuer Premier soll der bisherige Chef des Energiekonzerns Naftogaz, Serhij Korezkyj, das Land darauf vorbereiten. Selenskyjs neuerlicher Regierungsumbau löst aber auch Proteste aus und befeuert Gerüchte ...
Den übberraschenden Umbau ausgelöst hatte der ukrainische Präsident mit der Abberufung von Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko, die kaum ein Jahr im Amt war. Ihr Rücktritt zog automatisch die Entlassung des gesamten Ministerkabinetts nach sich.
Swyrydenkos Nachfolger, der 48 Jahre alte Serhij Korezkyj wurde am Donnerstag vom Parlament in Kiew mit deutlicher Mehrheit bestätigt. Er ist der dritte Regierungschef seit Beginn des russischen Angriffskriegs 2022.
Selenskyj bezeichnete Korezkyj im Hinblick auf die laufenden Vorbereitungen für den kommenden Winter als besonders geeignet für das Amt. In der kalten Jahreszeit werden auch diesmal wieder Probleme bei der Energieversorgung infolge russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur befürchtet.
Proteste gegen Minister-Entlassung
Für Unmut sorgte, dass der Präsident Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow nicht wieder nominieren will. Donnerstagfrüh demonstrierten Hunderte vor allem junge Leute in Kiew und anderen Städten gegen die Entlassung von Fedorow. Der 35-Jährige gilt als Reformer und als Kämpfer gegen die im Staatsapparat verbreitete Korruption. Selenskyj will ihn nach nur sechs Monaten aber austauschen, weil Fedorow im Clinch mit dem mächtigen Armeechef Olexander Syrskyj liegt.
Rekrutierungskommando angegriffen
Zudem habe der erst 35 Jahre alte Minister die Probleme mit der Zwangsmobilisierung von Wehrpflichtigen nicht lösen können. Vor knapp einer Woche hatten im westukrainischen Lemberg rund 200 Menschen ein Rekrutierungskommando angegriffen und dabei das Dienstfahrzeug demoliert.
Fedorow hatte 2019 die Medienkampagne in Selenskyjs Wahlkampf geleitet und danach das neu geschaffene Digitalministerium übernommen. Er galt lange Zeit als Protegé Selenskyjs, saß als Verteidigungsminister aber auf einem alles andere als sicheren Posten. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs wurde der Ressortleiter bereits dreimal ausgetauscht. Als Nachfolger wird der bisherige Innenminister Ihor Klymenko gehandelt.
Korruptionsermittlungen als Auslöser für Umbau?
Letzter Auslöser für die Umgestaltung des Kabinetts soll nach unbestätigten Medienberichten das Ausscheiden der ukrainischen Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, aus dem diplomatischen Dienst gewesen sein. Grund für ihre Demission sind angeblich Korruptionsermittlungen wegen eines Immobilienkaufs im ersten Kriegsjahr während ihrer Zeit als Ministerin für EU- und NATO-Integration. Stefanischyna trat den Posten in Washington erst im August 2025 an und soll den Berichten zufolge von Swyrydenko als Botschafterin abgelöst werden.
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