Klimabelastung

KI: Rechenzentren entwickeln sich zu Stromtreibern

Digital
30.06.2026 08:47
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der weltweite Ausbau von Rechenzentren beschleunigt sich einer Studie zufolge durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz deutlich. Bis 2030 könne der Anteil von KI-Anwendungen am Stromverbrauch von Rechenzentren auf rund 40 Prozent steigen, so eine am Dienstag veröffentlichte Analyse des weltgrößten Kreditversicherers Allianz Trade. Aktuell seien es bereits 15 bis 20 Prozent.

„Rechenzentren entwickeln sich von einer Randgröße zu einem strukturellen Treiber der Stromnachfrage in vielen Regionen“, sagte Allianz-Klimaökonom Patrick Hoffmann. Die globalen Investitionen summierten sich den Angaben zufolge im vergangenen Jahr auf 580 Milliarden Dollar (rund 508,5 Milliarden Euro). Die installierte Kapazität werde bis Ende des Jahrzehnts voraussichtlich verdoppelt.

Wie klimabelastend diese Entwicklung ausfalle, hänge entscheidend vom Standort ab. „Identische Rechenleistungen können je nach Strommix ein Vielfaches an Emissionen verursachen“, sagte Hoffmann. In Ländern wie Indien, Indonesien oder Malaysia würden mehr als 600 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde (kWh) ausgestoßen. In Norwegen und Schweden lägen die Werte bei unter 30 Gramm. Auch im Vergleich zu den USA (384 g) und China (526 g) zeige sich ein Vorteil.

Gute Ausgangsposition für klimafreundliches KI-Wachstum in Europa
„Europas vergleichsweise sauberer Strommix verschafft der Region eine strukturell gute Ausgangsposition für klimafreundliches KI-Wachstum“, sagte Hoffmann. „Deutschland gehört in Europa allerdings eher zu den Schlusslichtern.“ Die Emissionen liegen durch den deutschen Strommix demnach bei 329 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Das sei zwar unter dem Niveau der USA und Chinas, aber deutlich höher als beispielsweise in Skandinavien. Grund sei der weiterhin hohe Anteil an Kohleverstromung (20,6 Prozent) und Biomassenutzung (zehn Prozent).

Tatsächlich dürften die Emissionen deutlich höher als bisher angenommen liegen. Für 2025 beziffert die Studie sie auf 286 Millionen Tonnen CO2, was rund 57 Prozent mehr als frühere Schätzungen seien. Gut 70 Prozent entfallen auf den Stromverbrauch, während rund ein Viertel aus Hardware und Infrastruktur stammt. KI selbst verursacht demnach bereits heute 43 bis 60 Millionen Tonnen CO2. Zugleich wächst ein weiterer Engpass: Rechenzentren verbrauchten 2025 weltweit rund 814 Milliarden Liter Wasser – bis 2030 könnten es bis zu 1,8 Billionen Liter sein.

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