Julia Mayer sorgte am Schlusstag der Leichtathletik-EM in Birmingham für eine Sensation. Die 33-Jährige lief auf dem brutal schwierigen Marathon-Rundkurs in 2:28:23 auf den kaum für möglich gehaltenen zehnten Platz. Nie zuvor hat eine Österreicherin bei einem internationalen Meisterschaftsrennen über die klassischen 42,195 km eine annähernd ähnliche Leistung geschafft.
Damit gab es für Österreich bei dieser EM fünf Top-Ten-Plätze. Zuvor hatten Hürdensprinter Enzo Diessl (5.), Dreispringer Endiorass Kingley (6.), die Sprintstaffel der Frauen (9.) und Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger (10.) für die anderen Spitzenplätze gesorgt.
Starkes Rennen
Welch ein unfassbares Rennen der Julia Mayer! Die 33-Jährige hatte, wie von ihr angekündigt, das Rennen auf dem extrem schwierigen 5-km-Rundkurs mit insgesamt 600 Höhenmetern im Herzen Birminghams relativ verhalten angegangen. Sie wollte zu Beginn nicht zu viel riskieren, in dem Kurs mit dem ständigen Auf und Ab erst einmal den Rhythmus finden. Dann arbeitete sie sich Kilometer für Kilometer weiter nach vorn…
Und eine Sensation bahnte sich an, als sie sich bei Kilometer 20 in der Verfolgungsgruppe unglaublich mutig an die Spitze setzte und damit hinter der souverän zu Gold laufenden Finnin Alisa Vainio plötzlich an zweiter Stelle lag. Beim Halbmarathon (1:13:47) lag sie in einer neunköpfigen Verfolgergruppe weiter mit an der Spitze. Dieses Feld blieb bei guten äußeren Bedingungen – die Hitze der vergangenen Tage hatte sich gelegt – lange geschlossen. Bei Kilometer 30 fiel Julia Mayer dann etwas zurück, hatte sechs Sekunden Rückstand auf die Gruppe.
Früchte geerntet
Julia Mayer erntete bei dieser EM die Früchte für ihre perfekte Vorbereitung seit ihrem Super-Rekord im vergangenen Dezember in Valencia (2:26:08). Danach hieß das Motto „mehr Qualität als Quantität“. Sie war dem ständigen Auf und Ab gewappnet, einem „Rhythmusbrecher“, einer enormen Belastung für die Beine, wie Julia Mayer sagte. In der Vorbereitung auf die EM lief sie häufig im Gelände, bestritt (als Siegerin) auch einen anspruchsvollen Trailrun. Wochenlang trainierte sie in 1800 m Höhe von Livigno. Die Zeit auf diesem Kurs war natürlich sekundär. Was zählte, war die Platzierung. Bei ihrer dritten EM war dies natürlich nach den 10.000 m in München 2022 (18.) und dem Halbmarathon in Rom 2024 (35.) ihre Top-Platzierung.
„Fast zu defensiv“
Julia Mayer nach dem Rennen: „Ich bin fast zu defensiv angegangen, dann habe ich selbst Tempo gemacht, und als niemand vorlaufen wollte, habe ich das halt gemacht. Alle waren dann überrascht, als ich Zweiter war. Das haben mir auch alle von unserem Team zugeschrieen, das wollte ja keiner glauben. Es war ein tolles Gefühl, da vorne zu laufen. Natürlich bin ich sehr, sehr zufrieden. Top Ten war mein Ziel, das habe ich geschafft! Ich bin stolz, diesen Platz gehalten zu haben!“ Und die Zeit auf diesem harten Kurs sei auch ein Hammer gewesen, wie sie anfügte.
Eva Wutti auf Platz 47
Eva Wutti kämpfte sich in 2:47:29 als 47. großartig ins Ziel. „Bis Kilometer 17 ging es noch ganz gut, aber dann hatten es die Anstiege immer mehr in sich, die waren sehr, sehr hart. Schließlich habe ich auch die Gruppe verloren, dann war es ein einsames Rennen für mich. Aber es war meine erste und einzige Europameisterschaft, dafür war es doch heute sehr, sehr gut!“
Andy Vojta mit toller Zeit
Gleich nach Eva Wutti kam auch Andreas Vojta zu den Interviews in die Mixed-Zone. Er belegte in dem vom Deutschen Amanal Petros in 2:09:11 gewonnenen Rennen in 2:15:34 den tollen 26. Platz. „Ich denke, mein Rennplan ist gut aufgegangen!“ Unglaublich, dass er auf diesem harten Kurs eine ähnliche Zeit wie in Wien hatte laufen können. Vojta: „Ich bin ohnehin überrascht, welch starke Zeiten heute hier gelaufen wurden. Wenn ich das im Flachen rüberbringe, dann habe ich meine 2:10. Jedenfalls war diese mein bester Marathon!“ Zumindest steigt Vojta in Birmingham auch als „Europarekordler“ aus. Es war seine achte Europameisterschaft seit 2010 en suite. Kein anderer Athlet hat mehr Europameisterschaften bestritten als der Österrreicher.
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