Mi, 22. August 2018

Interview

17.09.2014 11:50

Netflix-Boss Reed Hastings über die Fernsehzukunft

Die Erwartungen waren groß. Ob sie erfüllt werden können, muss nun jeder für sich entscheiden: Am Mittwoch ging der US-Videodienst Netflix in Österreich online. Dass nicht alle Eigenproduktionen verfügbar sind, ist laut Netflix-CEO Reed Hastings kein großes Problem. Im Interview verrät der Unternehmer seine Strategie und seine Vorstellung vom Fernsehen der Zukunft.

Können Sie drei Gründe nennen, warum man sich für Netflix und nicht einen anderen On-Demand-Dienst entscheiden sollte?
Reed Hastings: Durch das Gratis-Probemonat kann man Netflix ganz einfach ausprobieren. Außerdem kostet es danach nur knapp acht Euro pro Monat und bietet großartige Inhalte wie "Breaking Bad" oder "Orange Is The New Black".

Aber im Vergleich zu anderen Diensten wie Maxdome oder Snap von Sky ist Netflix weder am günstigsten, noch verfügt es über die größte Auswahl...
Hastings: YouTube verfügt im Prinzip über das größtes Angebot. Aber die Leute wollen gute Unterhaltung, nicht die größte Auswahl. Bei Netflix haben wir einige der besten Serien, die es derzeit gibt. Und weil wir bereits so lange im Streaming-Geschäft sind, funktioniert das sehr gut. Es gibt kein Buffering. Wenn es um Mitbewerber geht: Wie messen uns da mit klassischem TV ebenso wie mit DVDs. In gewisser Weise liegen wir auch mit dem Biertrinken im Wettstreit, was ganz schön hart ist. (lacht) Es geht einfach um Entspannung.

Über Facebook können Netflix-User ihren Freunden Titel empfehlen. Vor dem Hintergrund der NSA-Affäre: Können Sie garantieren, dass die Daten der Menschen bei Ihnen sicher sind?
Hastings: Das können wir. Es gibt keine Werbung auf Netflix, also gibt es keine ökonomische Versuchung für uns, die Daten der User zu verkaufen. Unseren Sitz in Europa haben wir zudem in den Niederlanden, wo es enorm strikte Datenschutzbestimmungen gibt.

Wie unterscheidet sich der österreichische Markt von anderen?
Hastings: Jeder Markt ist unterschiedlich. Derzeit sind wir in 45 Ländern verfügbar, also haben wir gelernt, wie man sich an einen lokalen Geschmack anpasst. Nach einem Launch beginnen wir erst, wirklich zu lernen. Dann nutzen die Leute unseren Dienst und teilen uns auf diese Weise mit, welche Art von Inhalten wir bereitstellen sollten.

In Deutschland wollen Sie in den nächsten Jahren in jedem dritten Haushalt sein. Gilt das auch für Österreich?
Hastings: Wir sollten hier etwas höhere Ziele haben, denken Sie nicht? (lacht) In den USA brauchten wir sieben Jahre, um in einer von drei Familien präsent zu sein. Wir hoffen, dass wir das auch in Deutschland und Österreich schaffen.

Bei einem neuen Marktteilnehmer taucht schnell die Frage auf, wie die Medienregulierung damit umgeht. Sehen Sie sich davon betroffen?
Hastings: Quer durch die EU tun sich große Märkte für Unternehmen auf. Das steht in einem Spannungsverhältnis zu lokalen Regulierungsstellen, die herausfinden müssen, wie es für lokale Rundfunkveranstalter dennoch eine faire Spielfläche geben kann und sie die Chance erhalten, innovativ zu sein und den Schritt ins Internet zu schaffen. Ich hoffe, dass durch die Expansion von Netflix in Europa den lokalen Anbietern mehr Freiräume entstehen für Internet-Applikationen.

Werden Sie sich die Erstausstrahlungsrechte für "House of Cards" im deutschsprachigen Raum zurückholen?
Hastings: Ich glaube nicht. Sky hat da einen wertvollen Besitz, für den sie auch bezahlt haben. Aber es tut uns nicht so weh. Die Leute wissen ja, dass wir das produziert haben, dass es eine Netflix-Serie ist. Wenn sie "House of Cards" auf Sky sehen und sich denken "Das ist großartig!", kommen sie zu uns, um zu sehen, was wir sonst noch anbieten können. Also ist es eine Werbung für uns.

Aber schmerzen muss es Sie doch, war doch "House of Cards" mit ein Grund für die Popularität von Netflix...
Hastings: Das tut es schon. Auf gewisse Weise ist es tragisch. Aber als wir mit "House of Cards" begonnen haben, waren wir nur am US-amerikanischen Markt verfügbar, wir hatten also keine europäischen Rechte zu dieser Zeit.

Sie sagen das Ende des linearen Fernsehens in 20 Jahren voraus. Wie wird der Markt dann aussehen?
Hastings: Denken Sie an ein Smartphone oder ein Tablet mit Apps: Das wird Fernsehen sein. Ein großes, zwei Meter breites iPad sozusagen. Es wird Applikationen von den Rundfunkveranstaltern geben, die sich allerdings stark voneinander unterscheiden und ständig weiterentwickelt werden. Anstatt dass jeder Nutzer dasselbe Programm bekommt, wird es enorm personalisierte, auf das einzelne Individuum zugeschnittene Angebote geben, je nach Interesse. Und genauso wie Rundfunkveranstalter gelernt haben, via Kabel oder Satellit ihr Programm zu verbreiten, werden sie auch das lernen.

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