Ex-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky sieht in Abteilung eine Antwort auf Wartelisten und Versorgungslücken und fordert, Medizin dort anzubieten, wo Patienten sie brauchen
Die Diskussion um die Herzchirurgie in der Klinik Oberwart reißt nicht ab. Politische Kritik, Beschwerden gegen die Betriebsbewilligung und Zweifel an der Notwendigkeit der Abteilung sorgen seit Monaten für Debatten. Nun gibt es prominente Unterstützung: Ex-ÖVP-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky stellt sich klar hinter das Projekt. „Eine Herzchirurgie aus dem Boden zu stampfen, tut man nicht, weil einem langweilig ist“, sagt auch Primar und Kardiologe Dr. Andreas Ochsenhofer. Zuvor habe man erfolglos versucht, die Versorgung über Wien, Graz und eine Kooperation mit der MedUni Wien sicherzustellen.
Ochsenhofer: „Bis zur OP war er ein Wrack“
Als Beispiel schildert Ochsenhofer den Fall eines Burgenländers. Der Mann habe in einem Krankenhaus außerhalb des Burgenlands insgesamt elf Monate auf seine Herz-Operation gewartet. Viermal sei er wieder nach Hause geschickt worden, weil kein Bett frei gewesen sei. Erst beim fünften Termin habe er sich geweigert, die Klinik erneut zu verlassen. „Bis er operiert wurde, war er ein Wrack“, sagt Ochsenhofer.
Auch Herzchirurg Wolfgang Dietl verweist auf die Folgen langer Wartezeiten. „Die Leute werden zunehmend kränker.“ Wer monatelang mit einer schweren Herzerkrankung leben müsse, werde erst in deutlich schlechterem Zustand operiert.
Die Erfahrungen der Ärzte stehen dabei im Gegensatz zur politischen Debatte, die zuletzt durch Aussagen von Finanzminister Markus Marterbauer neuen Auftrieb erhielt. Der SPÖ-Minister hatte erklärt, Österreich habe zu viele Spitäler, an Schließungen werde wohl kein Weg vorbeiführen. Auch die Herzchirurgie in Oberwart sah er skeptisch. Ganz widersprechen will Kdolsky dem Finanzminister allerdings nicht. „Er hat teilweise recht“, sagt die ehemalige Gesundheitsministerin. Österreich verfüge zwar über viele Akutbetten, gleichzeitig gebe es aber Defizite in der Rehabilitation, Nachsorge und Betreuung älterer Patienten. „Wir haben die Betten falsch verteilt.“
Die Menschen sehen keine Zahlen oder Strukturpläne. Sie sehen nur, dass ihnen niemand hilft und dass ihre Krankheit nicht ernst genommen wird.
Andrea Kdolsky
Für Kdolsky seien nicht politische Zuständigkeiten oder historisch gewachsene Strukturen entscheidend, sondern die Frage, ob Menschen rechtzeitig behandelt werden. Versorgung müsse dort entstehen, wo die Patienten sie brauchen.
ÖGK und der Bund haben Beschwerde gegen die Betriebsbewilligung der Herzchirurgie eingelegt. Beide Verfahren werden derzeit vom Landesverwaltungsgericht Burgenland geprüft. Bis zur Entscheidung und laut Land Burgenland auch danach, läuft der Betrieb uneingeschränkt weiter – alle Operationen und Termine finden wie geplant statt. Im Fall einer Aufhebung des Bescheids durch das Landesverwaltungsgericht würde das den Betrieb verzögern, nicht aber grundsätzlich infrage stellen. Finanziert wird die Herzchirurgie – Personal und Infrastruktur – ausschließlich aus dem laufenden Betrieb vom Land.
„Wenn mich heute ein Patient fragen würde, würde ich sagen: Gehen Sie ins Burgenland“, sagt Kdolsky. Niemand errichte eine Herzchirurgie, „weil es lustig ist oder weil man Geld ausgeben möchte“.
Wenn ein Bundesland einen solchen Schritt gehe, dann deshalb, „weil es wirklich keinen anderen Ausweg mehr gibt“.
Kdolsky: „Die Menschen sehen nur die Abweisung“
Viele Menschen hätten im Gesundheitssystem das Gefühl, von Ambulanz zu Ambulanz geschickt zu werden, sagt Kdolsky. „Die Leute sehen keine Zahlen oder Strukturpläne. Sie sehen nur die Abweisung und dass ihre Krankheit nicht ernst genommen wird.“ Landeshauptmann Hans Peter Doskozil zähle für die ehemalige Gesundheitsministerin zu den „innovativsten Gesundheitspolitikern“, die sie derzeit kenne. Er höre Experten zu und treffe Entscheidungen, wenn Handlungsbedarf bestehe.
Dass die Herzchirurgie an der Klinik Oberwart trotz positiver Rückmeldungen weiterhin auf Kritik stößt, kann Kdolsky nur schwer nachvollziehen. Wenn Menschen geholfen werde, müsse sich eigentlich jeder darüber freuen. Stattdessen erlebe sie politisch häufig Ablehnung gegenüber neuen erfolgreichen Projekten. „Mit dieser Neiddebatte muss Schluss sein.“
Dietl: „Helfen Sie mir, ich kann nicht mehr“
Mittlerweile würden sich auch Patienten aus anderen Bundesländern an die Abteilung der Klinik Oberwart wenden.
Ein Mann aus der Steiermark habe laut Dietl bereits mehr als ein Jahr auf eine Behandlung gewartet und kaum noch drei Stufen steigen können. „Helfen Sie mir, ich kann nicht mehr“, habe der Patient gesagt. Nach einem Eingriff, der rund eine Stunde gedauert habe, stehe er heute wieder mitten im Leben.
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