Causa Herzchirurgie

Marterbauer-Sager sorgt wieder für roten Krach

Burgenland
12.06.2026 18:00

Mit seiner Skepsis gegenüber der Herzchirurgie in Oberwart und seinen Aussagen zur Spitalsstruktur hat Finanzminister Marterbauer im Burgenland eine Welle der Kritik ausgelöst. Landeshauptmann Doskozil, SPÖ-Klubobmann Fürst und die Ärztekammer stellen sich hinter die regionalen Spitalsstandorte.

Mit seiner Skepsis gegenüber der Abteilung für Herzchirurgie in Oberwart hat Finanzminister Markus Marterbauer für neuen innerparteilichen Zündstoff gesorgt. Im „Krone“-Interview erklärte der rote Minister, Österreich habe zu viele Spitäler und an Schließungen werde wohl kein Weg vorbeiführen. Skeptisch zeigte er sich dabei auch gegenüber der erst kürzlich eröffneten Herzchirurgie. Aus seiner Sicht wäre eine Zusammenarbeit mit Wien, Niederösterreich oder der Steiermark effizienter.

„Schlag ins Gesicht“
Im Burgenland sorgten die Aussagen für Empörung. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil sprach von einem „Schlag ins Gesicht aller Burgenländer“. Marterbauers Vorstoß bestärke ihn einmal mehr in seiner Ablehnung der derzeit diskutierten Zentralisierungsideen.

„Wenn Entscheidungen über die Spitalsversorgung in Wien fallen, wird es zwangsläufig zur Schließung von Standorten und Abteilungen in ländlichen Regionen kommen“, warnt Doskozil.

Herzchirurgie sei „Teil der Lösung“
Umso entschlossener wolle er die burgenländische Gesundheitsoffensive und den Kampf gegen die Zwei-Klassen-Medizin fortsetzen, „von dem sich die Bundes-SPÖ offenbar verabschiedet hat“. Deutlich fiel auch die Reaktion von SPÖ-Klubchef Roland Fürst aus. Die Aussagen seien „unglaublich“. Die Herzchirurgie sei „Teil der Lösung und nicht des Problems“.

Fürst warnt zudem vor weiteren Zentralisierungstendenzen und verweist auf den Föderalismus als notwendiges Korrektiv gegen das „politische Unvermögen auf Bundesebene“. 

„Spitäler unverzichtbar“
Ärztekammer kritisiert Zentralisierungsideen von Minister

In die Debatte um die Aussagen des Finanzministers zur Spitalsstruktur im Burgenland schaltet sich nun auch die Ärztekammer ein. Die diskutierten Pläne zur stärkeren Konzentration von Leistungen würden die Versorgung gefährden, warnt die Standesvertretung. Die burgenländischen Spitäler seien unverzichtbar für eine hochwertige und wohnortnahe Gesundheitsversorgung.

Betriebswirtschaftlich verlockend, aber an der Realität vorbei
Gerade in einem Flächenbundesland wie dem Burgenland komme funktionierenden regionalen Strukturen besondere Bedeutung zu. „Wer infrage stellt, ob man hierzulande eigene Krankenhäuser braucht, ignoriert die Realität der medizinischen Versorgung und die Bedürfnisse der Menschen“, betont Ärztekammer-Präsident Christian Toth. „Zentralisierungsideen, die auf dem Reißbrett in der Ferne entworfen werden, mögen betriebswirtschaftlich verlockend erscheinen, sie gehen aber an der Versorgungsrealität vorbei“, so Toth.

Lange Wege würden für zusätzliche Belastung sorgen
Statt über Schließungen oder Leistungsreduktionen zu diskutieren, brauche es ein klares Bekenntnis zu den bestehenden Standorten und deren Weiterentwicklung. Wohnortnahe Versorgung sei kein Luxus, sondern eine Frage der Patientensicherheit. Lange Wege würden insbesondere ältere Menschen, chronisch Kranke und Familien zusätzlich belasten.

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