In Oberwart

Herzchirurgie: Kritik hält an, der Betrieb läuft

Burgenland
21.04.2026 19:19

Seit März werden in der Klinik Oberwart Herzoperationen durchgeführt, 36 Eingriffe sind bisher erfolgt, weitere 40 fixiert. Der Widerstand um die Abteilung reißt nicht ab und ebenso die Debatte um den Bedarf. 

Der politische Kurs ist klar: Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) treibt die Herzchirurgie in der Klinik Oberwart als Antwort auf ein strukturelles Problem voran. Seit März läuft der Betrieb, 36 Operationen sind erfolgt, weitere 40 Termine sind vergeben. Finanziert wird die Abteilung rein aus Landesmitteln. Einwände der Bundeszielsteuerungskommission und eine Beschwerde von Sozialversicherung und Gesundheitsministerium beim Landesverwaltungsgericht ändern daran nichts. Im Zentrum der Kritik stehen Einzugsgebiet und Fallzahlen.

Vorgaben nicht erfüllt
Der Standort ist im österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) nicht vorgesehen, aus Sicht des Bundes würden die Vorgaben nicht erfüllt. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) verwies zuletzt auf festgelegte Kriterien: Ein Herzzentrum soll rund 800.000 Einwohner versorgen und 250 bis 500 Eingriffe jährlich durchführen.

2,9 Millionen Menschen sind unterversorgt
Kardiologe Andreas Ochsenhofer kontert mit der Versorgungslage im gesamten Bundesgebiet. Acht herzchirurgische Zentren stünden rechnerisch rund 9,2 Millionen Einwohnern gegenüber, versorgt würden aber nur etwa 6,4 Millionen Menschen. Damit bleibe ein erheblicher Teil der Bevölkerung ohne ausreichende Versorgung. „Die eigentliche Frage ist daher nicht, warum es den Standort Oberwart braucht, sondern wo ein weiterer gebraucht wird.“

Im März führte Prim. Dietl die erste Herz-OP im Burgenland erfolgreich durch. Ein 65-jähriger ...
Im März führte Prim. Dietl die erste Herz-OP im Burgenland erfolgreich durch. Ein 65-jähriger Patient hat dabei eine neue Aortenklappe bekommen.(Bild: Gesundheit Burgenland)

„Es gehe nicht um Bauchgefühl“
Die Debatte sei deshalb längst an einem falschen Punkt angekommen. „Diese Diskussionen werden lächerlich“, sagt der Leiter der Abteilung für Innere Medizin an der Klinik Oberwart. Es gehe nicht um Bauchgefühl oder einen Anflug von Größenwahn, sondern um Zahlen und Versorgung. „Kein Mediziner kommt hierher, wenn er nicht weiß, dass die Abteilung langfristig besteht.“ Die Herzchirurgie sei für die kommenden fünf Jahre abgesichert und funktioniere im Alleingang.

Als Beleg nennt Ochsenhofer sehr lange Wartezeiten. Patienten hätten am AKH Wien sechs bis acht Monate auf Eingriffe gewartet, in Graz teils bis zu einem Jahr. „Es geht um zeitnahe Versorgung und darum, dass die Menschen nicht sterben, während sie auf einen Termin warten.“ In der Vergangenheit habe es zahlreiche Patienten mit klarer Operationsindikation gegeben, die keinen Termin erhalten hätten oder deren Eingriffe verschoben worden seien.

Kein Burgenländer abgewiesen
Viele hätten sich daher wieder an die Klinik Oberwart gewandt, darunter auch Patienten aus der Steiermark. Auf Nachfrage der „Krone“ hieß es jedoch sowohl vom AKH als auch vom LKH Graz, dass keine Burgenländer abgewiesen wurden. In Wien stünden „einige wenige“ auf der Warteliste, in Graz keiner. In Oberwart sieht man die Voraussetzungen klar erfüllt und verweist auf zusätzliche Eingriffe, die ein chirurgisches Backup erfordern und damit in die Fallzahlen einfließen.

Eigenständiger Weg nach gescheiterter Kooperation
Dass es die Herzchirurgie in Oberwart heute gibt, geht auf gescheiterte Kooperationspläne mit der Med Uni Wien zurück. Laut Ochsenhofer hätte man Personal ausbilden sollen, ohne Planungssicherheit für den Standort. Danach fiel die Entscheidung, den Weg eigenständig weiterzugehen.

Auch innerhalb der Fachwelt gab es großen Widerstand. Gegen Herzchirurg Wolfgang Dietl habe es Versuche gegeben, ihn unter Druck zu setzen, diese seien ins Leere gelaufen. Gleichzeitig sei es aber gelungen, in Oberwart ein eigenes Team aufzubauen, ohne Ärzte aus bestehenden Zentren abzuziehen. „Man hat nicht nur Feinde, sondern auch Freunde.“

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