Trotz Rekordzahlen

Wie Österreichs Tourismus umgebaut werden soll

Wirtschaft
15.06.2026 21:03

Für den österreichischen Tourismus präsentierte Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) am Montag die Ziele bis 2035 mit einem klaren Fokus auf Ganzjahrestourismus und Künstlicher Intelligenz (KI). Denn: Rekordbuchungen aus dem Vorjahr seien „kein Grund sich zurückzulehnen“.

Während die Kollektivvertragsverhandlungen für die heimische Hotellerie und Gastronomie stocken, weil sich die Sozialpartner nicht einig werden, vermeldet Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus Elisabeth Zehetner (ÖVP) in einer Pressekonferenz am Montag, dass es „keinen Grund sich zurückzulehnen“ gäbe. Trotz Rekordzahlen stehe der österreichische Tourismus vor einem Wandel, er müsse nachhaltiger und zukunftsorientierter werden. Neben dem Ausbau des Ganzjahrestourismus spielen dabei auch Digitalisierung und künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle – nach der Präsentation der Tourismusstrategie „Vision T“ soll ein Maßnahmenpaket in den nächsten Wochen kommen.  

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Die Tourismusnation Österreich 2025 hat als ganz klares Element den Ganzjahrestourismus, die Wertschöpfung außerhalb von Spitzenzeiten zu schaffen.

Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP)

Mit rund 48 Millionen Gästeankünften und 157 Millionen Nächtigungen verzeichnete Österreich im Vorjahr Höchstwerte. Die Zahlen würden das große Potenzial des Tourismusstandorts Österreich unterstreichen, seien laut Zehetner jedoch kein Anlass zur Selbstzufriedenheit. Ziel sei es nun, für einen stärkeren Ganzjahrestourimus die Wertschöpfung verstärkt außerhalb der klassischen Hauptsaison, also den Monaten Jänner, Februar, Juli und August, zu generieren. Dadurch würden zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und die Betriebe würden wirtschaftlich robuster werden, um Investitionen in die Zukunft tätigen zu können.

Privates Kapital für touristische Investitionen
Geplant ist unter anderem eine Weiterentwicklung der Finanzierungsmöglichkeiten über die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT). Zusätzlich sollen neue Wege geschaffen werden, um privates Kapital für touristische Investitionen zu mobilisieren. Damit sollen insbesondere familiengeführte Betriebe langfristig abgesichert werden. Im Bereich Innovation arbeite die Österreich Werbung an einer eigenen KI-Strategie für die Branche. Die Alpenrepublik solle dadurch im digitalen Wettbewerb eine führende Rolle einnehmen, erklärte die Staatssekretärin.

Touristische Wertschöpfung um zehn Prozent mehr
Die reale touristische Wertschöpfung soll laut dem Strategiepapier bis 2035 von zuletzt 22,6 Milliarden Euro um zehn Prozent auf mehr als 25 Milliarden Euro steigen. Die internationalen Reiseverkehrseinnahmen sollen nominell um mehr als zehn Milliarden Euro auf über 36 Milliarden Euro wachsen. Zudem soll die Eigenkapitalquote der Qualitätshotellerie von weniger als 18 Prozent auf mehr als 20 Prozent erhöht werden. Die Zahl der Ganzjahresbeschäftigten in Beherbergung und Gastronomie soll von rund 134.600 auf über 160.000 steigen.

Der Sommertourismus zählt zu den wichtigsten Wirtschaftsmotoren Kufsteins. Natur- und ...
Der Sommertourismus zählt zu den wichtigsten Wirtschaftsmotoren Kufsteins. Natur- und Kulturangebote sorgen für hohe Wertschöpfung in Hotellerie, Gastronomie und Handel.(Bild: TVB Kufsteinerland/Johannes Scheffold)

Verbesserungen werden auch bei der Gästezufriedenheit angestrebt und der Anteil der Nächtigungen in den acht Nebensaisonmonaten von derzeit 53,5 Prozent auf über 60 Prozent anwachsen. Auch die Akzeptanz des Tourismus in der Bevölkerung soll zunehmen: Der Saldo zwischen positiven und negativen Einstellungen gegenüber dem Tourismus soll von plus 37 auf 40 Prozentpunkte steigen. Auch bei der Nachhaltigkeit soll die Zahl der Betriebe mit dem Österreichischen Umweltzeichen soll von derzeit 814 auf 1.500 wachsen. Gleichzeitig sollen die CO₂-Emissionen der Branche von rund 310.000 Tonnen auf weniger als 200.000 Tonnen reduziert werden.

Langfristig soll Österreich laut Zehetner zu den erfolgreichsten, nachhaltigsten und wertvollsten Tourismusdestinationen zählen, die Branche stehe aber vor mehreren Baustellen: steigende Kosten, viele bürokratische Auflagen, Fragen der Preisdurchsetzung und der demografische Wandel. Weil der Qualitätsanspruch mehr Personal erfordert, soll zudem die Attraktivität der Tourismusberufe steigen. Bei den stockenden Kollektivvertragsverhandlungen rief Zehetner die Sozialpartner zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Die aktuelle Debatte über den Tourismus schade der Branche, so die Staatssekretärin.

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