Export im Würgegriff

Terror im Roten Meer: Warum der Ölpreis explodiert

Wirtschaft
24.07.2026 12:47

Angesichts des Terrors am Roten Meer ist der Ölpreis auf über 100 Dollar pro Barrel angestiegen, was auch in Österreich die Spritpreise in die Höhe schnellen lässt. Neben der Straße von Hormuz ist jetzt ein weiteres Öl-Nadelöhr bedroht. Der wahre Preis-Schock könnte also erst kommen ...

Der neu eskalierte Iran-Krieg hält den Ölpreis weiter im Würgegriff. Nachdem das Regime in Teheran Handelsschiffe in der Straße von Hormuz beschoss, schlagen die USA Nacht für Nacht mit Luftangriffen zurück. Kaum ein Tanker wagt sich jetzt durch die Meerenge, entsprechend steigt der Preis für die Rohölsorte Brent seit Wochen an. Aktuell liegt er bei knapp unter 100 US-Dollar pro Barrel (195 Liter).

Nach Angriff: Trump droht Houthis
Der jüngste Preissprung von rund zwölf Dollar ist aber vor allem auf eine neue Wende im Iran-Krieg zurückzuführen: In der Nacht auf Donnerstag griff die mit dem Iran verbündete Houthi-Miliz zwei saudische Öltanker im Roten Meer mit Raketen und Drohnen an. Sie hatten ihre „Blockade“ missachtet, die die Terrormiliz ausgerufen hatte. US-Präsident Donald Trump drohte Teheran und den Houthis mit „militärischer Bestrafung“ sollten sie erneut angreifen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte die Miliz auf, ihre Drohungen zu beenden.

Die Infografik zeigt Engpässe für Öltransporte an den Engstellen Straße von Hormuz und Meerenge Bab al-Mandab von Januar 2023 bis Anfang 2026. In der Straße von Hormuz schwanken die täglichen Engpässe zwischen 200.000 und 400.000 Barrel, fallen aber ab Ende Februar 2026 mit Beginn des Iran-Kriegs stark ab. In der Meerenge Bab al-Mandab sinken die Engpässe nach Angriffen der Houthi-Miliz im Dezember 2023 von rund 180.000 auf etwa 100.000 Barrel pro Tag und bleiben danach stabil. Eine Karte zeigt die Lage der beiden Engstellen. Quelle: Portwatch.

Ölfluss gedrosselt
Bis auf Weiteres wird jetzt aber der internationale Ölfluss an zwei entscheidenden Engpässen gedrosselt. Das kann fatale Folgen haben. Denn bisher war das Rote Meer für Saudi-Arabien eine wichtige Alternativroute, über die zumindest ein Teil des Ölverkehrs umgeleitet werden konnte, der sonst durch die Straße von Hormuz ging.

Mehr als fünf Millionen Barrel verschiffte Saudi-Arabien täglich über den Bab al-Mandab. Jetzt bedrohen die Houthis, die den Westen des Jemen beherrschen, diese Meerenge. Saudisches Öl kann zwar auch im Norden durch den Suezkanal exportiert werden. Für voll beladene Supertanker ist er aber nicht tief genug, betonte Nasha Kaneva von JPMorgan gegenüber CNN.

Ölpreis kann auf 120 Dollar schnellen
Die Exportroute aus dem Roten Meer Richtung Süden zum Golf von Aden ist somit essenziell. Sollte der Verkehr hier minimal werden, wäre mit einem Ölpreis von 120 Dollar zu rechnen, sagte Jay Hatfield, Geschäftsführer vom Investmenthaus Infrastructure Capital Management, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wenn kein Transport stattfindet, muss man sparsam mit dem Öl umgehen. Und Sparsamkeit erreicht man durch höhere Preise.“

Aufgrund der Entwicklungen schnellten die Spritpreise auch in Österreich wieder in die Höhe. Am Donnerstag kostete Diesel im österreichweiten Median 2,038 Euro je Liter und Benzin 1,881 Euro, geht aus Daten der E-Control hervor. Am Vortag lag der Preis für Diesel noch bei 2,008 Euro und für Benzin bei 1,878 Euro.

Debatte um Steuersenkung
Immer lauter wird jetzt wieder ein staatlicher Eingriff gefordert. Während der ÖAMTC eine Senkung der Mineralölsteuer verlangt, greift das dem Gewerkschaftsbund (ÖGB) zu kurz. ÖGB-Ökonomin Angela Pfister schwebt zusätzlich eine Margenbegrenzung, wie es sie bisher bei der Spritpreisbremse gab.

Wifo-Chef Gabriel Felbermayr rät allerdings von einer Margenbegrenzung ab, diese sei „höchst komplex und in ihrer Wirkung fragwürdig“, sagte Felbermayr am Freitag im Ö1-„Morgenjournal“. Er sieht eine Senkung der Mineralölsteuer als sinnvoller an, um etwas „zurückzugeben“.

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