Schladming-Festival

Rainhard Fendrich: „Man stirbt auf der Bühne“

Adabei Österreich
07.06.2026 00:28

Kurz vor seinem Konzert trafen wir Austropop-Legende Rainhard Fendrich zum Plausch über besondere Erinnerungen, sein Verhältnis zu Fans und warum man auf der Bühne „einen kleinen Tod“ stirbt. Danach sahen wir uns seinen Auftritt beim Summer-Opening in Schladming an – und mussten feststellen: Fendrich zieht auch selbst nach 45-Jahren alle in den Bann.

Meine Güte, was ist das für eine Woche in Schladming! Nach dem rave-lastigen Auftakt mit Scooter und poppigen Vibes von Sarah Connor ließ Roland Kaiser am Freitagabend die Fans in Erinnerungen schwelgen. Doch das Konzert-Wochenende ist noch lange nicht vorbei, denn zwei Kultstars stehen noch auf dem Programm.

Das bisschen Regen
Trotz Wetterfront gehörte die Bühne am Samstagabend Austropop-Legende Rainhard Fendrich. Mit seinen größten Hits und 45 Jahren Bühnenerfahrung im Gepäck lockte er Tausende Besucher ins Planai-Stadion. Kurz vor seinem geplanten Auftritt trafen wir den Musiker zum Gespräch und wollten wissen, was ihm vor einem Konzert dieser Größenordnung heute noch durch den Kopf geht. „Man stirbt immer einen kleinen Tod auf der Bühne und wird mit dem Applause wiedergeboren“, sagt Fendrich. Eine echte Routine gebe es für ihn auch nach all den Jahren nicht. „Jedes Konzert ist anders“, so der 71-Jährige. Gerade bei Open-Air-Shows müsse man mit allem rechnen: „Da kann es regnen, wie zum Beispiel jetzt- oder irrsinnig heiss sein.“

Trotz der unsicheren Wetterlage zeigte sich Rainhard Fendrich vor seinem Auftritt in bester ...
Trotz der unsicheren Wetterlage zeigte sich Rainhard Fendrich vor seinem Auftritt in bester Verfassung.(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)

Danzer-Fan
45 Jahre Bühne bedeuten aber auch: unzählige Begegnungen, emotionale Momente und Menschen, die mit seinen Liedern ganze Lebensgeschichten verbinden. Mit dem Begriff „Fans“ tut sich Fendrich allerdings schwer. Für ihn habe das Wort etwas von „kritikloser Bewunderung“ und liege „an der Grenze der Hysterie“. Sein Publikum beschreibt er lieber als mündig: „Die sagen mir, was nicht gefällt.“

Und dennoch kennt auch die Austropop-Legende das Gefühl, selbst Fan zu sein. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Begegnung mit Georg Kreisler. „Ich war großer Fan von Georg Danzer. Ich bin es noch immer“, erzählt Fendrich. Als er dem Künstler erstmals begegnete, sei er „wahnsinnig nervös“ gewesen und habe ihm eigentlich so viele Fragen stellen wollen – doch im entscheidenden Moment fehlten ihm die Worte.

Diese fehlen uns auch, denn Nach so viel Austropop richtet sich der Blick nun auf Sonntag, den letzten Höhepunkt der Woche: Da wird es nämlich ganz schön spanisch ...

Seit mehr als vier Jahrzehnten ist der Vollblutmusiker auf der Bühne.
Seit mehr als vier Jahrzehnten ist der Vollblutmusiker auf der Bühne.(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)
Konzert-Kritik
Das Wetter hat gehalten und Fendrich servierte die Crème de la Crème des Austropop

Nach den Wetterkapriolen im Vorfeld war die Erleichterung groß, als Fendrich schließlich die Bühne im Planai-Stadion betrat. Tausende Besucher wollten sich den Auftritt der Austropop-Legende nicht entgehen lassen – und wurden mit einer Reise durch 45 Jahre Musikgeschichte belohnt.

Den Auftakt machte Der Wiener mit „Vorbei“, ehe er sich erstmals ans Publikum wandte. Die Freude über den Abend war ihm anzumerken. „Es ist mir eine große Ehre, hier zu sein in einer Gegend, wo ich meine Jugend verbracht habe“, sagte der 71-Jährige. Gleichzeitig erinnerte er an seine Jubiläumstour und sprach offen darüber, was Auftritte auch nach Jahrzehnten noch mit ihm machen: „Man stirbt immer einen kleinen Tod, wenn man da raufgeht und wird durch den Applaus wiedergeboren.“

Tausende von Fans versammelten sich am Samstag-Abend um den Klängen des Fendrichs zu lauschen.
Tausende von Fans versammelten sich am Samstag-Abend um den Klängen des Fendrichs zu lauschen.(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)

Gelassen griff Fendrich zur Gitarre und führte sein Publikum durch einen Querschnitt seiner Karriere. Mit „Früher war nicht alles besser“, „Der Wind“ und „Von Zeit zu Zeit“ zeigte er sich nicht nur als Musiker, sondern auch als Geschichtenerzähler. Immer wieder nahm er sich Zeit für Anekdoten aus seinem Leben und erinnerte an eine Zeit ohne Smartphones, als Künstler sich noch persönlich trafen und „die Nacht zum Tag machten“.

Spätestens bei „Strada del Sole“ gab es im Publikum kein Halten mehr. Tausende Stimmen sangen jede Zeile mit, Jubel brandete durchs Stadion. Überhaupt zeigte sich an diesem Abend, wie tief Fendrichs Songs in mehreren Generationen verankert sind. Ob „Manchmal denk i no an di“, „Blond“ oder „Macho Macho“ – die Fans erwiesen sich als erstaunlich textsicher und feierten jeden Klassiker lautstark.

„I Am From Austria“ hatte Rainhard Fendrich zuletzt seltener gesungen – in Schladming schenkte ...
„I Am From Austria“ hatte Rainhard Fendrich zuletzt seltener gesungen – in Schladming schenkte er dem Publikum den Klassiker wieder.(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)

Einer der emotionalen Höhepunkte folgte mit „I Am From Austria“. Fendrich erklärte zuvor, dass der Song ursprünglich gar kein großer Hit gewesen sei und sich erst mit der Zeit zu etwas Eigenem entwickelt habe. Kaum erklangen die ersten Töne, wurde klar, warum das Lied bis heute Kultstatus genießt. Das gesamte Stadion sang mit, während aus dem Publikum immer wieder „Reini!“ zu hören war.

Auch im weiteren Verlauf ließ die Stimmung nicht nach. Mit „Kein schöner Land“, „Tränen trocknen schnell“, „Schwarz oder Weiß“ und „Malibu“ wechselte Fendrich gekonnt zwischen nachdenklichen Momenten und ausgelassener Partystimmung. Besonders bei „Blond“ verwandelte sich das Stadion aber in einen großen Mitsing-Chor. Menschen tanzten, sangen sich gegenseitig an und genossen sichtbar jeden Moment. 
Dass er selbst seine Musik auch nach all den Jahren noch lebt, war während des gesamten Konzerts spürbar. Immer wieder suchte er den Kontakt zum Publikum, scherzte, erzählte Geschichten und präsentierte seine Band mit sichtbarem Stolz. Mit einem der neueren Songs „Nur ein Wimpernschlag“ wurde es kurz ruhiger, bevor die Fans lautstark nach einer Zugabe verlangten.

Natürlich ließ sich der Wiener nicht lange bitten. Mit „Es lebe der Sport“, „Oben ohne“, „Weus‘d a Herz hast wia a Bergwerk“ und schließlich „Hoit mi“ verabschiedete er sich endgültig von seinem Publikum. Nach fast zwei Stunden war dann aber Schluss – zumindest auf der Bühne, denn vor dem Stadion wurde weiterhin „Blond, blonder als der Sonnenschein“ gesungen. Und was für eine Überraschung, das Wetter hat gehalten, als wäre es selbst ein Fendrich-Fan gewesen.

Fazit: Rainhard Fendrich bewies in Schladming eindrucksvoll, warum er seit Jahrzehnten zu den größten Namen des Austropop zählt. Die Jubiläumsshow bot einen Querschnitt durch seine größten Hits, persönliche Geschichten und jede Menge Mitsingmomente. Am Ende war klar: „Vorbei“ war an diesem Abend nur der erste Song – nicht die Stimmung. Und die anfängliche Sorge, ob die Show wegen der Wetterlage überhaupt stattfinden kann, war spätestens nach den ersten Takten wie weggeblasen.

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